Muttermilch in der Kindertagesstätte
Wenn Säuglinge in der Krippe betreut werden, ist das kein Grund für Mütter abzustillen
Frau Weißenborn, das Bundesinstitut für Risikobewertung hat kürzlich Infoblätter zum korrekten Umgang mit Muttermilch herausgegeben. Was war der Anlass?
Seit einigen Jahren werden immer mehr Unter- Dreijährige in den Kitas oder bei Tagesmüttern betreut. Und Muttermilch ist dabei ein Thema. Im Umgang damit sind viele Einrichtungen verunsichert, und viele Mütter sind es auch.
Inwiefern?
Viele Mütter fragen sich, ob sie das Füttern von Muttermilch von ihrer Kita fordern können. Und Kitas befürchten häufig einen größeren Aufwand. Dabei ist es nicht wirklich aufwendiger, als ein Fläschchen zuzubereiten. Wir hoffen, dass die Situation durch unsere Merkblätter leichter und klarer wird. Denn eigentlich braucht man in der Kita nur einen saubereren Kühlschrank, und den sollte jede Einrichtung haben.
Aber nur wenige Kita-Kinder werden doch noch gestillt.
Das könnt e auch daran liegen, dass viele Mütter denken, sie müssten abstillen, sobald das Kind in die Betreuung geht. Aber das muss überhaupt nicht sein. Wenn wir wenigstens einen Teil der Mütter erreichen, hat sich unsere Mühe gelohnt.
Ihre Merkblätter erklären im Detail, wie Muttermilch gelagert und transportiert werden sollte.
Wenn Hygienestandards nicht eingehalten werden, hat das ja auch bei herkömmlichen Lebensmitteln Konsequenzen. Bei Muttermilch ist es aber noch wichtiger, weil es sich quasi um eine Rohmilch handelt, die einen idealen Nährboden für Bakterien bietet. Und kleine Kinder sind sehr sensibel, sie reagieren auf Keime sehr schnell mit Durchfall oder anderen Symptomen.
Die Infoblätter lesen sich detailliert und ein wenig kompliziert.
. . . weil wir alles ganz genau aufgeschrieben haben, um Missverständnisse von Anfang an zu vermeiden. Aber wenn man das Ganze zwei oder dreimal gemacht hat, das Abpumpen, das Transportieren und das Lagern, dann wird es Routine. Mütter sollten sich von der Fülle unserer Informationen nicht abschrecken lassen.
Viele werden sich denken: Mit der Flasche geht es einfacher
Klar, wer sein Kind in die Tagesbetreuung gibt, und noch stillt, dem ist das auf jeden Fall sehr wichtig. Das Ganze ist mit Verantwortung für die Kita verbunden, aber auch für die Mütter, die die Milch hygienisch einwandfrei abpumpen, aufbewahren und transportieren müssen.
Was ist besonders wichtig?
Wichtig ist die Kühlkette. Fatal wäre, die Milch nach dem Abpumpen nicht schnell genug zu kühlen oder gefrorene Milch noch später als 24 Stunden nach dem Auftauen zu füttern.
Sind die hygienischen Standards in vielen Kitas derzeit zu niedrig?
Nein, das kann ich nicht beurteilen. Unsere Merkblätter wurden prophylaktisch geschrieben, nicht aufgrund eines aktuellen Falles.
Wie erreicht man die fünf Grad, die ideale Kühltemperatur für Muttermilch? Die meisten herkömmlichen Kühlschränke sind auf sieben Grad oder wärmer eingestellt.
Der kühlste Punkt ist an der hinteren unteren Rückwand im Kühlschrank. Dort sollte dann auch die Muttermilch gelagert werden. Haushaltskühlschränke erreichen fünf Grad in der Regel ohne Probleme.
Weshalb raten Sie vom Erwärmen der Milch in Wasserbad und Mikrowelle ab?
Beim Wasserbad kann es durch Keime im Wasser zu einer Kontamination kommen, etwa am Flaschenhals. In der Mikrowelle wird die Milch nur punktuell erwärmt, das kann zu Verbrennungen führen. Wenn es schnell gehen muss, kann man die Flasche für einige Zeit unter warmes Wasser halten.
Was raten Sie Müttern, die noch unsicher sind, ob sie täglich abpumpen und Muttermilch in die Kita bringen wollen?
Wenn man das gut organisiert, geht es gut. Und die Kitas brauchen nicht viel mehr als eine freie Ecke im Kühlschrank. Viele Mütter haben ja sowieso Erfahrung mit dem Abpumpen, und falls nicht, sollten sie sich von ihrer Hebamme beraten lassen. Es ist wichtig, mit der Kita zu sprechen um gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Die Hürde erscheint größer als sie tatsächlich ist.
