TrockenheitPflanzen leiden noch immer – Trotz Regen weiter gießen

Nach dem langen heißen Sommer ist es für die Pflanzen im Garten immer noch viel zu trocken.
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Köln – Herbstlich-feucht mag der Garten aussehen, doch ist der Boden nach dem langen heißen Sommer immer noch viel zu trocken. „Gießen, gießen, gießen!“ raten daher die Gartenexperten. Ein Regenguss macht kaum einen Unterschied, und die Pflanzen leiden noch unter der Trockenheit. „Gerade ältere Immergrüne sterben ab – Thuja, Scheinzypressen, Wacholder, Kirschlorbeer. Uralte Hecken fallen zusammen“, hat Baumschulinhaber Oliver Fink beobachtet. „Viele Menschen sehen das, denken aber, es ist ein Pilz und reagieren nicht.“
Zwar gab es im September einen Tag, an dem es durchgängig geregnet hat, doch das hat den Gärten und den Pflanzen nicht wirklich weitergeholfen. „Normalerweise haben wir in Refrath etwa 700 Millimeter Niederschlag pro Jahr“, sagt Fink. In diesem Jahr war es bis Ende Oktober gerade mal etwas mehr als die Hälfte. „Falls jetzt noch etwas kommt, ist es aber für die Laub abwerfenden Pflanzen zu spät.“
Feuchtigkeits-Test an Pflanzen machen
Wer einfach hofft, dass sich ein Gehölz noch erholt, tut sich keinen Gefallen, „dann ist im Frühjahr der Kummer groß“. Leicht kann man feststellen, ob noch Leben in der Pflanze ist: Lässt sich ein Ast noch biegen und bricht nicht direkt, ist alles in Ordnung. „Kratzen Sie mit dem Fingernagel ein bisschen Rinde weg – wenn es darunter satt grün ist, lebt die Pflanze noch. Wenn es beige oder braun ist, ist es zu spät.“ Im Zweifelsfall einen Gärtner fragen. Soll Ersatz gepflanzt werden, rät der Experte, das in den kommenden Wochen zu tun – sollte der Winter mild sein, durchaus auch im Januar oder Februar. Wer im Frühjahr pflanzt riskiert, dass die Gewächse Stress bekommen, falls die Temperaturen im April schon wieder auf 30 Grad steigen. Beim Pflanzen ist ein Gießrand wichtiger denn je: „Ich rate meinen Kunden, ihn ein ganzes Jahr zu lassen, denn er ist eine gewisse Lebensversicherung für die Pflanze.“ Nur ein solcher Wall aus Erde garantiert, dass das Gießwasser auch direkt an den Wurzelballen der Pflanze kommt.
Um die Erde in kommenden Sommern vor Hitze und Austrocknung zu schützen, rät Landschaftsgärtner Frank Demel zu Bodendeckern oder auch Staudenpflanzungen: Sie befestigen und beschatten die Oberfläche. Für die Wintermonate ist eine Mulchschicht aus Laub hilfreich. „Für den Boden ist es besser, wenn er nicht so stark durchfriert“, sagt Demel. Unter einer dicken Laubschicht friert es nicht und den Pflanzen steht Feuchtigkeit zur Verfügung. In seinem eigenen Garten harkt Demel das Laub von den Wegen – Rasen hat er zugunsten von Staudenflächen abgeschafft – in die Beete, wo es nicht nur den Boden schützt, sondern sich den Winter über auch zu Humus zersetzt. In den Rabatten selber schneidet Demel nur zurück, was unansehnlich wird wie Funkien, Gräser zum Beispiel bleiben stehen. An den Rosen entfernt Demel die vertrockneten Blüten, damit sie nicht zu viel Energie in die Früchte stecken.
Auch Überwintern draußen möglich
Im Garten von Brigitte Röde dürfen einige der nicht winterharten Pflanzen sogar draußen bleiben: „Sie sind zu groß geworden, als dass ich sie reinholen könnte.“ Bitterorange und Zitronenbaum sind darunter, auch ein Immergrüner Schneeball. Wichtigste Voraussetzung ist aber, dass die Pflanzen eher trocken stehen, in einem sehr durchlässigen Boden, und auch nicht in der prallen Wintersonne. Dazu muss das Erdreich gut vorbereitet werden, mit einer Drainageschicht und durchlässigem Substrat. Je trockener Stauden und Gehölze im Winter stehen, desto besser vertragen sie Minustemperaturen. Das hat die Designerin in Budapest beobachtet, wo sie wegen eines Projektes häufiger ist: „Dort ist es im Sommer heiß und im Winter so kalt, dass die Donau komplett zufriert. Trotzdem wachsen dort Mandeln und Feigen.“
Jetzt ist auch ein guter Zeitpunkt, den Boden vorzubereiten, wenn der Garten im Frühjahr neu bepflanzt werden soll. „Wenn Sie zum Beispiel ein Präriebeet anlegen wollen, nehmen Sie jetzt Pflanzen heraus und magern Sie den Boden ab“, rät Brigitte Röde. Präriestauden mögen ebenfalls sehr durchlässigen Boden. Ist die Gartenerde lehmig und bindig, sollte er bis auf 80 Zentimeter tief ausgegraben werden. „Geben Sie eine Kiesschüttung unten hinein mit einem Vlies darauf, die Pflanzerde können Sie mit Kies und Sand vermischen.“
Im Garten lohnt auch ein genauer Blick auf Laub, das befallen aussieht: „Echter Mehltau war ein Riesenthema dieses Jahr, denn der ist ein Sonnenanbeter“, sagt Pflanzenschutzexperte Ralf Jung. Stauden, aber auch Apfelbäume und Rosen sind befallen. Doch reicht es aus, die Triebe herauszuschneiden, sie können sogar auf dem Kompost entsorgt werden. Denn nur an der Pflanze selbst können die Pilze die überlebensnotwendigen Winterorgane bilden. „Auch für Blattläuse und Spinnmilben war es ein Supersommer“, sagt Jung. Doch hier brauchen Gärtner nichts weiter zu tun, als den natürlichen Lauf der Dinge abzuwarten. „Der letzte Nützling hat jetzt noch etwas zu beißen, bis sie alle eines natürlichen Todes sterben.“

