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Umwelt im Veedel schützenGut fürs Stadtklima und Kühlung fürs Haus

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Wilder Wein ist eine gute Wahl, um Häuserfassaden zu begrünen und somit etwas für das lokale Siedlungsklima zu tun.

Blumenberg – Schon von weitem sieht man den Wein. Eines der Häuser in einer Wohnstraße in Blumenberg ist schön grün. Jetzt im Herbst verfärben sich die Blätter, „das sieht dann wirklich toll aus“, schwärmt Hausbesitzerin Eike Danke.

Die Schulleiterin, die auch als ehrenamtliche Politikerin in der Bezirksvertretung Chorweiler aktiv ist, wohnt seit 1990 hier, das Haus ist ein Eigenbau.

„Es gab damals ein Förderprogramm für kinderreiche Familien, wir haben damals alle zusammen diese Hausreihe hier erbaut“, erinnert sie sich. Vieles habe man in Eigenregie und durch eigene Fertigkeiten umgesetzt. „Es gab in der Gruppe Architekten, Schlosser, Schreiner, Elektriker, manches mussten wir auch extern beauftragen“, erzählt Danke. Die Idee, das Haus mit einer grünen Fassade auszustatten, hatte sie dann aber unabhängig von den Nachbarn.

Im Sommer einige Grad kühler

Dachbegrünung ist eine Möglichkeit, Gebäudeflächen, die sich leicht aufheizen können, durch Bepflanzungen kühler zu halten und gleichzeitig etwas für die Tierwelt zu tun.

„Es ist allerdings auch viel Arbeit. Wir müssen den Wein oft und regelmäßig zurückschneiden“, sagt sie. Als sie damals den Wein angepflanzt hatte, habe sie keine Vorstellung davon gehabt, wie groß er später einmal werden würde. „Vor allem habe ich auch nicht daran gedacht, eine Weinsorte auszusuchen, die mir selber schmeckt“, schmunzelt sie. Theoretisch könnte sie den Wein veredeln und dann auch trinken, praktisch hat sie das bisher nie umgesetzt. „Aber den Bienen und Insekten schmeckt er, und für die Vögel ist das auch ideal, wir haben oft Nester in der Fassade“, hat Danke beobachtet. Mal habe eine Amsel hier genistet, mal andere Vögel.

Der ein oder andere Besucher frage sie, ob die Tiere nicht auch ins Haus kämen: „Das ist aber nicht der Fall, wir haben im Haus keinerlei Probleme“, so Danke. Vor allem in den heißen Sommertagen in diesem und und im letzten Jahr sei das Klima im Haus definitiv sehr gut gewesen. „Im Vergleich zu den anderen Häusern ist es dann hier immer einige Grad kühler, das macht sich schon bemerkbar.“

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Allerdings leide auch der Wein unter dem trockenen Klima. „Früher musste ich nie gießen. Inzwischen sieht man der Pflanze an, dass es Probleme gibt“, erklärt die Hausbesitzerin. Nicht erst seit diesem Sommer sind Blätter vertrocknet. „Ich muss insgesamt mehr Wasser geben“, so Danke. Ansonsten aber schwärmt sie nach wie vor von ihrer „grünen“ Fassade.

Was ist bei einer Hausbegrünung zu beachten?

Das Förderprogramm „GRÜN hoch 3“ unterstützt Fassaden-, Dach- und Hinterhofbegrünung und will damit die Bemühungen der Kölner fördern, wohnungsnahe private Haus- und Hofflächen sowie gewerbliche Flächen zu begrünen. Die Zuwendungen von bis zu 40 Euro pro Quadratmeter Grünfläche werden im Rahmen des Programmes „GRÜN hoch 3“ gewährt. Mit der Förderung von Dach-, Fassaden- und Innenhofbegrünungen soll in dicht besiedelten Stadtgebieten ein Beitrag geleistet werden, um das lokale Klima zu verbessern. Auch Begrünungen von anderen privaten Flächen wie zum Beispiel Garagendächern werden gefördert. Weitere Informationen zur Bewilligung von Fördermitteln sowie Kontakt zu Ansprechpartnern gibt es unter Ruf 0221/221-25384 oder -36164, E-Mail gruenhoch3@stadt-koeln.de und hier auf der Internetseite des Umweltamtes der Stadt Köln.

Begrünte Flächen halten Niederschlagswasser zurück, kühlen die Luft ab und feuchten sie an – kurzum: Sie verbessern das lokale Mikroklima und leisten damit auch einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel. Der Boden bekommt seine natürliche Funktion als Bestandteil des Naturhaushaltes zurück. Dachbegrünungen halten 50 bis 90 Prozent der Niederschläge auf Dachflächen zurück. Begrünte Dächer und Fassaden verbessern die Energiebilanz und die Schalldämmung des Gebäudes. Durch die Bepflanzung erhält das Gebäude eine „grüne Dämmung“.

Worauf sollte man achten?

Wichtig ist zu klären, ob man boden- oder wandgebundene Pflanzen verwenden möchte. Bodengebundene wie die Kletterrose (pflegeaufwändig) oder Efeu können überall gepflanzt werden, ebenso wilder Wein, der kaum Pflege benötigt und schnell rankt. Wandgebundene Pflanzen sind dagegen pflegeaufwändig. Mindestens einmal im Jahr sollte man die Pflanzen düngen, beschneiden und auf Schädlinge oder Krankheiten untersuchen. Tipps gibt es im Internet oder im Gartenfachgeschäft. (jtb)