Vom Landvermesser zum Präsidenten: In Virginia lassen sich die wichtigsten Stationen im Leben George Washingtons erkunden.
Wo die USA entstandenEine Reise durch Virginia auf den Spuren George Washingtons

Wohin Washington zurückkehrte, von wo aus er regierte: der Familiensitz Mount Vernon.
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Sein Weg führte vom Landvermesser zum ersten Präsidenten der USA. Die wichtigsten Orte im Leben George Washingtons lassen sich in Virginia erkunden. Eine Reise in die Vergangenheit.
Kevin Anderson ist ein ausgesprochener Kenner von George Washington. Jede verfügbare Lektüre über den ersten US-Präsidenten hat er studiert, ist mit Filmdokumenten vertraut und trägt dessen Signatur als Tätowierung auf seinem Oberarm. Anderson gibt seine Kenntnisse als Leiter der Einrichtung in Fredericksburg weiter, wo Mary, die Mutter Washingtons, ihren Lebensabend verbrachte. Er äußert sich mit den Worten: „Washington hat mich schon immer fasziniert“.
Washington kam 1732 in der Kolonie Virginia zur Welt. Er war das erste von sechs Kindern des Ehepaars Augustine und Mary Ball Washington. Zuerst siedelte die Familie nach Little Hunting Creek um, ein Ort, der später den Namen Mount Vernon erhielt, bevor sie sich auf der Ferry Farm nahe Fredericksburg niederließ. Heutzutage kann die Liegenschaft besichtigt werden, was einen Einblick in die Lebensweise der Familie Washington gewährt.
Aufstieg vom Landvermesser zum Parlamentarier
George Washingtons formale Bildung war begrenzt, da sein Vater früh verstarb. In Lord Fairfax, dem Schwiegervater eines seiner Halbbrüder, fand er jedoch einen Förderer. Dieser gab dem jungen Washington den Auftrag, das Gebiet im Shenandoah Valley im westlichen Virginia zu kartieren. Dabei zeigte sich Washingtons Begabung für mathematische Aufgaben, die Erstellung von Landkarten sowie für die Interaktion mit der indigenen Bevölkerung.
Bereits in Jugendjahren schrieb er die „Rules of Civility“, einen Verhaltenskodex für das gesellschaftliche Zusammenleben. Dies berichtet Charles Harbaugh IV, der in Fort Loudoun in Winchester die Rolle des jungen Washington darstellt. Im Rahmen von Führungen schildert Harbaugh Episoden aus der Biografie des Landvermessers, der später im Französisch-Indianischen Krieg als Soldat in der virginischen Miliz kämpfte und Abgeordneter im „House of Burgess“, dem Parlament der Kolonie, wurde.
Die Entscheidung bei Yorktown: Der Triumph über die Briten
In Yorktown ereignete sich jedoch der Wendepunkt in Washingtons Biografie. Der Oberkommandierende der Kontinentalarmee zwang die Briten am 19. Oktober 1781 zur Aufgabe. Wie eine Sonderschau im National Museum of the United States Army in Fort Belvoir aufzeigt, hatte mit einem solchen Ergebnis fast niemand gerechnet. Paul Morando, der leitende Kurator des Museums, führt aus, dass allein bei Yorktown 8.000 britische Militärangehörige kapitulierten.
Für den Erfolg war Washingtons strategisches Vorgehen maßgeblich: Er simulierte eine Attacke auf New York, bewegte seine Armee aber real nach Süden, um die britischen Einheiten unter General Cornwallis einzukesseln. Der Konflikt der 13 Kolonien um ihre Unabhängigkeit von der britischen Monarchie erstreckte sich über den Zeitraum von 1775 bis 1783. Anfänglich existierte keine strukturierte Armee und es mangelte an besoldeten Kämpfern.
Die Geburt der Vereinigten Staaten
Unter den Kolonisten herrschte Uneinigkeit. Stadthistoriker Tim Youmans erklärt dazu: „Ein Drittel war Loyalisten, ein Drittel wollte die Unabhängigkeit und einem Drittel war es egal“. Die wesentliche Ursache für die Rebellion lag in den wachsenden Abgaben an die englische Krone, für die es keine parlamentarische Gegenleistung in Form von Repräsentation gab. Daraufhin erließ König George III. einschränkende Verordnungen und schickte zusätzliche militärische Einheiten.
Ein Versuch der friedlichen Einigung im Jahr 1775 blieb erfolglos. Daraufhin beschloss der Kontinentalkongress am 4. Juli 1776 in Philadelphia die Annahme der Unabhängigkeitserklärung. Die Urkunde, maßgeblich verfasst von Thomas Jefferson, dem späteren dritten Präsidenten der USA, ist gemeinsam mit der Bill of Rights im Original in den National Archives in Washington D.C. ausgestellt. Auch George Washington setzte seine Unterschrift darunter.
Williamsburg, die einstige Hauptstadt der Kolonie, ist ein Schauplatz, der stark mit dieser Epoche verknüpft ist. Dort wurden Hunderte von Bauten entweder saniert oder anhand historischer Vorlagen rekonstruiert. Heutige Gäste können durch eine Stadt flanieren, die ihr Erscheinungsbild von vor 250 Jahren bewahrt hat, und das Heim von George Wythe besuchen, wo Jefferson seine juristischen Studien betrieb.
Ein Präsident ohne Amtszeit in Washington
Im Anschluss an den Pariser Frieden von 1783, welcher die Souveränität der USA festschrieb, beabsichtigte Washington die Rückkehr auf seinen Familienbesitz Mount Vernon. Die Ratifizierung der Verfassung führte jedoch zu seiner einstimmigen Wahl zum ersten Präsidenten. Seine Amtseinführung fand am 30. April 1789 in der provisorischen Hauptstadt New York statt.
Erst im darauffolgenden Jahr wurde der Beschluss gefasst, am Potomac River eine neue Kapitale zu errichten. Laut der Historikerin Jessica Wall legte Washington persönlich am 18. September 1793 in seiner Eigenschaft als Freimaurer den Grundstein des Kapitols. Seine Amtsgeschäfte führte er jedoch niemals aus der Stadt, die nach ihm benannt wurde. Stattdessen nahm er seine Pflichten von New York, Philadelphia, seinem Anwesen Mount Vernon oder aus dem benachbarten Alexandria wahr.
Washington zog sich 1797 nach Ablauf seiner zweiten Präsidentschaft permanent auf seine Plantage Mount Vernon zurück. An diesem Ort beschäftigte er sich mit landwirtschaftlichen Themen und Projekten, um den Potomac schiffbarer zu machen. Zwei Jahre darauf verstarb er an den Folgen einer schweren Halsentzündung.
Die Anreise nach Virginia erfolgt idealerweise über den Flughafen Washington-Dulles (IAD). Reisende aus Deutschland müssen einen gültigen Reisepass vorweisen und eine kostenpflichtige elektronische Einreisegenehmigung (Esta) beantragen. Als optimale Reiseperiode für die Küste gelten die Monate Mai bis September, allerdings ist im Sommer mit hoher Luftfeuchtigkeit zu rechnen. Zahlungsmittel ist der US-Dollar, dessen Wechselkurs bei etwa 0,86 Euro liegt (Stand: 28. Mai 2026). (dpa/red)
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