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Wandern abseits des KarnevalsDurch den Schnee zur „Bunten Kerke“

3 min

Der Weg führt vorbei an der Aggertalsperre.

Blau und eiskalt liegt die Aggertalsperre vor uns, ein Eichhörnchen flitzt über den Weg, auf den es wieder zu schneien beginnt - herrlich diese Ruhe im Osten des Oberbergischen. Wer in diesen tollen Tagen dem Trubel der Karnevalshochburgen entfliehen möchte, hat hier gute Chancen, keinem bunt kostümierten Jecken zu begegnen.

Wir sind die ersten Wanderer, die an diesem Morgen ihre Fußabdrücke im Schnee des Uferwegs hinterlassen. Nicht weit von der imposanten Staumauer der Aggertalsperre finden wir eine erste Infotafel des "Energiewegs", eines jener Themenwege, die im Zuge des Projekts "Bergisches Wanderland" in den vergangenen Jahren ausgewiesen wurden.

Der besonders für Familien geeignete Energieweg lässt auch die Kinder nicht kalt. Schließlich wartet auf jeder Tafel die Maus aus dem Fernsehen mit anderen Rätseln und kleinen Experimenten auf. Und wer hätte das gedacht: Auch in dieser Kälte werden die Hände warm, wenn man sie nur lang genug gegeneinander reibt.

Zurück in den Handschuhen formen sie bald erste Schneebälle. Einfach herrlich so eine Wintertour - vorausgesetzt man bekommt keine der Schneekugeln ab. Auch die Talsperre, die uns auf den ersten Kilometern links des Weges begleitet, steckt voller Energie. "Weiße Kohle" nannte man Anfang des 20. Jahrhunderts, als sie gebaut wurde, die Wasserkraft. Strom für mehrere hundert Haushalte kann das Elektrizitätswerk mit Wasserturbine am Fuß der 43 Meter hohen Staumauer erzeugen. Unser Atem lässt kleine Wölkchen in die Winterluft aufsteigen, während wir die "Bergische Sonnenbank" erreichen. Jetzt ruht sie unter einer Schneeschicht, im Sommer aber kann man auf ihr spüren, wie unterschiedlich Holz, Metall und Stein im Sonnenschein Wärmeenergie aufnehmen und speichern können.

Wir verkneifen uns einen Wintertest und wandern nun bald den Berg hinauf , da wird's einem ganz automatisch warm. Die dazugehörigen Mühen sind auf der Höhe schnell vergessen: Im Örtchen Lieberhausen lockt nicht nur eine Einkehr, in der man sich bei einem Heißgetränk und bergischen Köstlichkeiten prima aufwärmen kann, sondern auch eine von Oberbergs weithin bekannten "bunten Kirchen". Anders als sonst wo im Land sind die üppigen mittelalterlichen Wandgemälde in der kleinen "Bunten Kerke" während der Reformation, die eine Rückbesinnung auf das Wort der Bibel forderte, nicht übertüncht worden. Stattdessen hat man sie sogar noch um biblische Szenen ergänzt, als die Kirche bereits einer evangelischen Gemeinde zum Gottesdienst diente.

Als wir wieder aus dem kleinen Kirchlein treten, weht der Wind die Schneeflocken beinah waagerecht über den Platz. Gut dass wir ihn im Rücken haben, während wir aus dem Dorf hinaus stapfen. Auf einer Anhöhe fällt ein rot-weiß gestreiftes Ungetüm auf: 38,5 Meter lang und 6,5 Tonnen schwer. Und das ist nur ein Flügel einer Windkraftanlage, wie zwei ähnliche unweit stehen. Bei guter Sicht können wir sie etwas weiter links des Energiewegs am Horizont sehen. Mit 140 Metern reichen sie fast an die Höhe des Kölner Doms (157 Meter) heran.

Unbemerkt haben wir das heiße "Herz" von Lieberhausen erreicht: Das Holzhackschnitzel-Heizwerk oberhalb des Ortes versorgt einen Großteil der Häuser mit Heizwärme und Warmwasser - und der Brennstoff für die "Dorfzentralheizung" wächst gleich nebenan.

Jetzt werden auch müde Beine noch mal munter. Denn es geht bergab ins Tal der Rengse, der wir zurück zur Aggertalsperre folgen - Schneemannbau zum Abschluss der Wandertour inklusive.