Abo

WandertagFrühherbst an den „Fjorden“ Oberbergs

3 min

Eine Wanderung im Herbst hat ihren Reiz. (Symbolbild: dpa)

Wenn die Herbstsonne flach auf dem Wasser glitzert und das Laub der Bäume am Ufer in ungeahnter Farbenvielfalt erstrahlen lässt - dann erinnert die Atmosphäre rund um die Neyetalsperre bei Wipperfürth an die Farbenpracht des „Indian Summer“ in Kanada. Norwegen scheint das ganze Jahr über nicht weit zu sein: Denn wie die großen Fjorde an der skandinavischen Nordwestküste, so reichen auch die Seitenarme der oberbergischen Talsperre weit hinein in das Bergland an der Grenze des Rheinlands zu Westfalen.

Entstanden ist dieses Wanderparadies vor 100 Jahren - aus einer Notlage: Die niederschlagsarmen Jahre 1901 und 1904 hatten den Wasserwerksbetreibern im wenige Kilometer entfernten Remscheid gezeigt, dass es angesichts des damals ständig steigenden Trinkwasserbedarfs bald zu Engpässen kommen würde. Bereits im Jahr 1905 begann man daher im dünn besiedelten Neyetal mit dem Bau einer zusätzlichen Talsperre. In nicht einmal einem Jahr entstand die gewaltige Staumauer aus Bruchsteinen. Auch wenn die Stadt Remscheid ihr Trinkwasser seit 2004 komplett aus der Großen Dhünn-Talsperre bezieht, ist die Neytalsperre als Trinkwasserreservoir für Notsituationen und zur Regulierung des Wasserstandes in der Wupper erhalten geblieben.

Über ihre Staumauerkrone wandern wir auf die andere Talseite und von nun an durch Wald, immer am Wasser entlang bis zum Zufluss des Stausees. Dort queren wir das Neyetal erneut und stapfen hinauf nach Kreuzberg, wo die Hauptverkehrsachse „Westfalenstraße“ heißt. Kein Wunder: Wenige hundert Meter hinter dem Ort verläuft die Grenze des Rheinlands. Der Kirchort wurde im 17. Jahrhundert als Missionsstelle gegründet, der Kölner Domherr Heinrich II. von Mehring ermöglichte einen ersten Kirchbau. Die heutige Kirche entstand 1867 bis 1869 nach Plänen von Vincenz Statz. An das 1928 errichtete Kloster der Neusser Augustinerinnen, das bis 2000 an der Westfalenstraße bestand, erinnert neben dem einstigen Klostergebäude noch der „Kloster-Hof“, der auf der Hälfte unserer Tour zur Einkehr lockt.

Anschließend geht s durch Vorderwurth Richtung Schevelinger Talsperre, auch Silbertalsperre genannt . Sie fasst mit 300000 Kubikmeter Wasser gerade mal ein Zwan zigstel der Neyetalsperre - ist mit ihrer „großen Schwester“ aber untrennbar verbunden. Durch unterirdische Stollen kann Wasser vom benachbarten Tal des Hönnigebachs in die Schevelinger Talsperre und von dort in die Neyetalsperre geleitet werden. Ein weiterer Stollen führt von der Neye- zur Bevertalsperre. Ein ausgeklügeltes Wassersystem, das auch „Bever-Block“ genannt wird. Für uns geht s nicht durch, sondern über den Höhenrücken, der uns am Waldrand einen schönen Blick auf Wipperfürth bietet. Durch Fliegeneichen geht s zurück nach Großblumberg, wo vor der Heimreise noch eine Einkehr bei „Christian s im Gasthaus zur Neyetalsperre“ lohnt. www.rundschau-online.de/ wandern