Leicht gibt der Boden unter den Wanderschuhen nach. Der Wanderer merkt es kaum. Gedankenverloren späht er durch die Bäume, um einen Blick auf jenes Gotteshaus zu erhaschen, das - vor über 750 Jahren von Zisterzienser-Mönchen als Klosterkirche erbaut - heute weithin als „Bergischer Dom“ bekannt ist.
Vor dem Meisterwerk der Gotik stand an gleicher Stelle bereits ein romanischer Kirchbau, für den die ersten Zisterzienser im Dhünntal zunächst einmal einen Bauplatz trocken legen mussten. Schließlich war die Tal-Aue damals noch wesentlich sumpfiger, als wir es heute, nach dem Bau der Straße im 19. Jahrhundert und der Flussbefestigung, noch erahnen können.
Wie die Mönche ihren Bauplatz trocken legten, werden wir später sehen. Zunächst gehen wir auf die Spurensuche nach denen, die noch vor den Mönchen hier siedelten. Um das Jahr 1050 nämlich errichtete eine Grafenfamilie an der Dhünn einen wehrhaften Wohnsitz. Allerdings nicht in der sumpfigen Tal-Aue, sondern auf einem Felssporn am Bülsberg, dessen Fuß bis heute von der Dhünn umspült wird.
Diese Burganlage muss so imposant gewesen sein, dass sie von den Zeitgenossen ehrfurchtsvoll nur „der Berg“ genannt wurde. Bald nannten sich die Bewohner selbst „de monte“ - von Berg. Den Namen behielt das Grafengeschlecht auch bei, als es von hier aus immer mehr Land an sich brachte und im 12. Jahrhundert in eine neue, größere Burg Berge an der Wupper (heute Schloss Burg) übersiedelte. Bis heute heißt das Gebiet zwischen Ruhr und Sieg, Rhein und Sauerland, das diese „Herren von Berg“ beherrschten, „Bergisches Land“.
Auf dem Weg zum Stammsitz der Herren von Berg kommen wir an einer jüngeren Burganlage vorbei: Schloss Strauweiler, das wir nach Überqueren der Dhünn rechts zwischen den Bäumen hindurch sehen, stammt in seinen ältesten Teilen aus der Zeit um 1300. Heute ist die Anlage im Besitz der Familie von Hubertus Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Ihm gehört auch das Wildgehege, durch das unser Wanderweg führt, bevor wir links des Weges das Plateau erreichen, auf dem einst Burg Berge stand.
Nach dem Umzug der Grafenfamilie an die Wupper im Jahr 1133 stellte Graf Adolf II. von Berg die alte Burg Berge (Altenberg) Zisterziensermönchen für eine Klostergründung zur Verfügung. Die Ordensleute nutzten die Burg allerdings nicht lange. Ein Grund dafür mag die fehlende Versorgung mit fließendem Wasser auf dem Felssporn gewesen sein. Gerade die Zisterzienser waren Meister der Wasserbaukunst, wie wir beim Weg ins Tal sehen. Nachdem wir Reste der Klostermauer passiert haben, die Altenberger Äbte in der Frühen Neuzeit aus Steinen der alten Burg errichtet haben, gelangen wir jenseits der Landstraße zu einem Bach, der statt an der tiefsten Stelle des Tals am Hang entlang verläuft. Es waren die Zisterzienser, die den Pfengstbach mit einem Damm an den südlichen Talrand ablenkten, um für den Bau eines neuen Klosters einen tragfähigen Baugrund im morastigen Tal zu gewinnen.
Wir umrunden den Chor der ab 1259 errichteten gotischen Klosterkirche und wandern dann zum „Malerwinkel“ und zum 1931 gegründeten Märchenwald, in dem Grimms Märchen lebendig werden. Ein alter Pilgerweg führt entlang der Dhünn zum barocken Westtor des unter Napoleon 1803 säkularisierten Zisterzienserklosters, das danach unter anderem als Chemiebetrieb genutzt und bei einem Brand 1815 größtenteils zerstört wurde. Der preußische König ließ die vormalige Klosterkirche ab 1847 wieder instandsetzen und verfügte, dass sie fortan sowohl von Katholiken als auch von Protestanten zu nutzen sei.
Reste der alten Klostergebäude sind in Freiluft-Vitrinen (Lapidarien) am Küchenhof zu sehen. Auf den alten Klostergrundmauern steht heute Haus Altenberg. Die Jugendbildungsstätte wurde 1922 gegründet und entwickelte sich in den 1930er Jahren zum Zentrum der katholischen Jugendbewegung in Deutschland. Jenseits der Dhünn passieren wir auch das Zentrum der evangelischen Gemeinde, das Martin-Luther-Haus, bevor wir zurück zum Ausgangspunkt unserer Tour gelangen.
