„Sieht ja aus wie Feuer“, sagt der kleine Blondschopf in den Gummistiefeln und staunt: Abertausende gelbe „Flämmchen“ züngeln bis zum Horizont. Gelb ist die Farbe des Frühlings, wenn er im Geisterbusch bald Einzug hält. Während der Ginsterblüte im Mai und Juni verwandeln sich die halb offenen Heideflächen in diesem Teil der Wahner Heide in ein Blütenmeer.
Zuvor jedoch ist Weideauftrieb im Geisterbusch. Damit sich die Heideflächen nicht allmählich in einen Wald verwandeln, sind seit einigen Jahren eine Ziegenherde und Glanrinder im Einsatz. Die Herden verbeißen in offener Hütehaltung vor allem Brombeeren, Landreitgras und aufkommende Pionierbaumarten.
Von unserem Parkplatz an der Alten Kölner Straße, die im Volksmund auch Jahre nach Abzug der belgischen Streitkräfte noch „Panzerstraße“ genannt wird, gelangen wir rasch in den Geisterbusch. Der soll seinen Namen vom früher hier weit verbreiteten Wacholder haben. Dessen verwachsene Gestalten sind den Menschen einst vor allem in der Dämmerung und bei Nebel wohl wie Waldschrate oder andere schaurige Wesen vorgekommen.
Der Wacholder ist im Geisterbusch zwar längst ausgerottet, spuken soll's hier allerdings bis heute. Die Legende weiß von einem Amtmann aus Porz, der einst von den armen Bauern der Gegend hohe Abgaben erpresste und eines Tags erschossen am Wolfsweg gefunden wurde. In dunklen, stürmischen Nächten fährt er bis heute in einem mit vier Rappen bespannten Wagen durch den Geisterbusch - gejagt von fratzenhaften Unholden. Gut, dass wir am Tag hier wandern. So können wir ganz andere seltene Wesen sehen. Zahlreichen vom Aussterben bedrohten Vogelarten dient das Heideareal als Refugium. Die Heidelerche kann der Wanderer hier ebenso vom Weg aus beobachten wie Neuntöter und Schwarzkehlchen. An ein dunkles Kapitel in der Geschichte erinnert ein Gedenkstein kurz vor Stephansheide: „Hier befand sich im Zweiten Weltkrieg das Kriegsgefangenenlager Hoffnungsthal, in dem Menschen verschiedener Nationalitäten Opfer von Hunger, Krankheit und Gewalt wurden“, steht dort geschrieben. Auf dem Friedhof liegen 112 der hier ums Leben gekommenen Kriegsgefangenen, viele starben in den letzten Kriegsmonaten an Entkräftung und Krankheiten. Einige Gebäude des Lagers existieren noch, werden heute vom Kinder- und Jugenddorf Stephansheide genutzt. An die Geschichte der einst hier Inhaftierten erinnert eine Gedenkausstellung, die der Geschichtsverein Rösrath in Nebenräumen der Kapelle eingerichtet hat (siehe Infos).
Unterwegs erhalten wir von der Einflugschneise der Querwindbahn im Herfeld aus auch einen Eindruck von der Dimension des Flughafens, der seit den 1950er Jahren in der ökologisch europaweit bedeutenden Wahner Heide „gewachsen“ ist. Einen Rest des früher noch weitaus größeren Herfeldmoores mit Erlen-Birkenbruchwald können wir noch rechts des „November“-Wegs sehen, von dem aus wir bald hinauf auf den Busenberg steigen, noch einmal einen reizvollen Blick über den Geisterbusch bis nach Köln genießen und dann nach links am Geisterbusch entlang zurück zum Ausgangspunkt wandern.
