Erst ist nur ein dumpfes Grummeln zu hören, dann vibriert die Erde, bevor wenige Meter unter den Füßen des Wanderers ein roter Triebwagenzug aus dem Berg zischt. 1086,64 Meter lang ist der Tunnel, der seit genau 100 Jahren das Tal der Agger und das der Sülz miteinander verbindet.
Als "Meisterwerk der Ingenieurbaukunst" wurde die Eisenbahnstrecke Overath- Hoffnungsthal-Heumar-Kalk bei ihrer Eröffnung am 1. August 1910 gefeiert. Insbesondere, weil neben dem Tunnel in vierjähriger Bauzeit auch aufwendige Dämme und ein fünfbogiges Viadukt errichtet worden waren, um der Eisenbahn den Weg vom Sülz- ins Aggertal zu bahnen.
Zahlreiche interessante Ein- und Ausblicke auf die Jubiläumsbahnstrecke bietet unsere heutige Sommertour, die am Hoffnungsthaler Bahnhof beginnt. Dieser wurde 1910 auf einem Damm errichtet, den man mit Gestein aus dem Tunnelbau aufgeschüttet hatte. Der ältere, weiter nördlich an der heute nicht mehr existierenden Eisenbahnstrecke nach Lindlar gelegene Bahnhof wurde danach aufgegeben und später abgerissen. An seiner Stelle steht seit einigen Jahren eine Kindertagesstätte, deren Gebäude der Form einer alten Dampflokomotive nachempfunden ist. Wir sehen die Kita nach einigen Wanderminuten schräg links vor uns liegen, wo wir rechts auf den Fußweg neben dem Gelände des Freibades abbiegen.
Das in den vergangenen Jahren aufwendig modernisierte Freibad entstand in den 1930er Jahren auf dem Gelände eines ehemaligen Klärteichs, in dem das Abwasser des nahen Erzbergwerkes Grube Bergsegen gereinigt wurde.
Auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks befindet sich heute die Sportanlage Bergsegen. Wir erreichen sie, nachdem wir den ersten Bahnübergang unserer Tour passiert haben. Nun folgen wir einem Wanderweg das Tal des Knipperbachs hinauf. Weil der Taleinschnitt in seinem oberen Teil zu eng ist, als dass Bahn und Bach gleichermaßen darin Plätz hätten, leiteten die Eisenbahnbauer den Knipperbach vor hundert Jahren kurzerhand um - an jener Stelle, wo sie das Tunnelportal errichteten. Einige Meter weiter bauten sie dem Fließgewässer sogar eine eigene Brücke, damit es die Bahnlinie überqueren konnte. Diese "Wasserbrücke" sehen wir wenige Minuten, nachdem wir von der Bleifelder Straße auf den Weg in den Wald abgebogen sind.
Nach einem Blick auf das Tunnelportal von 1910 wandern wir hinauf nach Durbusch. Ein geteiltes Dorf, wie die beiden unterschiedlichen Ortstafeln an der Straße verraten: Während die Häuser auf der einen Straßenseite zu Rösrath und damit zum Rheinisch-Bergischen Kreis gehören, wohnen die Nachbarn auf der anderen Seite auf Lohmarer Stadtgebiet im Rhein-Sieg-Kreis.
Durch kühlen Wald geht's hinunter ins Aggertal, wo wir in Jexmühle den alten Bahnhof Honrath erreichen - den einzigen Haltepunkt der Regionalbahnstrecke Köln-Marienheide im Rhein-Sieg-Kreis. Unweit des Örtchens Agger über- und unterqueren wir die Gleise, bevor wir das 24 Meter hohe Eisenbahnviadukt erreichen, das den Weiler Bombach überspannt.
Ein Zug rauscht über die 90 Meter lange Brücke hoch über den Dächern - für die Bombacher, die unterhalb des Viadukts ihren Dorfplatz eingerichtet haben, gehört dieses Schauspiel zum Alltag. Alle halbe Stunde verkehrt schließlich ein Zug der Regionalbahn in jede Richtung.
Rund 700 Meter folgen wir dem Rad-Gehweg entlang der Bundesstraße. Bis in die 1960er Jahre verlief parallel zur Straße im Tal noch eine Eisenbahnstrecke nach Lohmar und weiter nach Siegburg. Sie hatte bereits im 19. Jahrhundert Overath an die "weite Welt" angeschlossen. Die schnellere Verbindung nach Köln durch den Tunnel lief ihr allerdings ab 1910 mehr und mehr den Rang ab und trug schließlich zu ihrer Stilllegung bei.
Durch den Landschaftspark von Gut Eichthal und das Schulzentrum Cyriax geht's zum Overather Bahnhof, der vor einigen Jahren zum Kulturbahnhof umgebaut wurde. Für die Rückfahrt nimmt der Wanderer die Regionalbahn, die ihn in zehn Minuten zurück nach Hoffnungsthal bringt - durch den Berg hindurch, über den er auf dem Hinweg gekraxelt ist.
