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WeihnachtsbaumHerrn Nordmann gab es wirklich

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2012 waren 75 Prozent aller verkauften Weihnachtsbäume in Deutschland Nordmanntannen.

Einen besseren Namen für einen Weihnachtsbaum kann es gar nicht geben. Bei der Nordmanntanne stimmt einfach alles. Nord und Mann, hinter dieser Kreuzung aus polaren Weiten und Männlichkeit steckt bestimmt - so mag man denken - eine dieser cleveren Namensfindungs-Agenturen, die Markenbezeichnungen nach Maß konstruieren. Demoskopisch abgesichert, getestet auf Anmutung, Klang und Image.

Im Fall Nordmann ist das anders. Einen Herrn Nordmann gab es tatsächlich. Nach ihm ist diese Tanne benannt, wie das in der Botanik dem gebührt, der eine Pflanze entdeckt und sie als Erster fachgerecht beschreibt. Nordmann klingt deutsch, der Gelehrte war aber ein Finne. Auch das passt: Schließlich soll angeblich der Weihnachtsmann aus diesem Land stammen.

1803 wurde Alexander von Nordmann in Ruotsinsalmi am Finnischen Meerbusen geboren. Da Nordmanns Vorfahren aus Schweden eingewandert waren, aber Großvater wie Vater in russischen Diensten standen, lässt sich gut vorstellen, was der junge Alexander von klein auf mitbekam: Orientierung nach mehreren Richtungen und Sprachen. Früh interessiert er sich für Naturgeschichte. Schon mit 24 Jahren ist Nordmann Doktor der Philosophie, ein Sammeltitel für alle möglichen Fächer. Und dann geht er fort nach Deutschland, in das anregende Berlin. Fünf Jahre studiert er dort. Nordmann macht gleich noch einen Doktor, den Dr. med.

Saatgut-Krieg mit Maschinengewehren

Schon kurz darauf ist er jedoch ganz anderswo zu finden: in Odessa am Schwarzen Meer, als Lehrer für Zoologie und Botanik. Von dort aus wird er eine Berühmtheit seiner Zeit. Acht Säugetierarten werden später nach ihm benannt, aber ein Baum macht ihn unsterblich.

Die beliebteste Tanne gehört auch zu den teuersten. Die Nordmanntanne kostet pro laufendem Meter zwischen 16 und 22,50 Euro. Ähnlich ist es bei der Edeltanne. Blaufichte oder Fichte gibt es dagegen preiswerter schon für fünf bis zwölf Euro pro Meter. Trotzdem sind drei Viertel aller deutsche Weihnachtsbäume Nordmanntannen.

Sogar Diebstahl kommt vor. In den vergangenen Tagen wurden an drei Stellen im Sauerland mehr als 2000 Bäume im geschätzten Wert von 100 000 Euro gestohlen. In Sundern wurden allein 1500 Nordmanntannen aus einer Schonung gestohlen. Die Diebe fällten einen großen Teil der 2,50 Meter hohen Bäume selber. Ein kleiner Teil war bereits vom Besitzer abgesägt worden. (cv)

Im westlichen Kaukasus, in den Bergen bei Borchomi im heutigen Georgien, stößt der 35-Jährige - natürlich ohne jeden Gedanken an Christbäume, die ja noch kaum üblich waren - zwischen 1000 und 2000 Meter Höhe auf eine eindrucksvolle, aber noch nicht bewusst wahrgenommene Tannenart mit geradem Stamm und dichten, kräftigen Zweigen, mit langen, tiefgrünen Nadeln. Sie kann dort an die 60 Meter hoch werden.

Nach seiner Beschreibung erhält sie den botanischen Namen Abies nordmanniana. Von 1841 an wird sie kultiviert und nach Westeuropa eingeführt. Unverändert sind es diese alten Herkünfte, die heutige Saatgutzüchter und Plantagenbetreiber am meisten schätzen. Die unerfreuliche Folge: "In den Gegenden dort tobt mitunter ein richtiger Saatgut-Krieg, da spazieren schon mal Leute mit Pistole und Maschinengewehr umher", sagt der Pflanzenphysiologe und Georgien-Kenner Jürgen Matschke.

Da es für die Zapfenpflücker dort immer mühevoller wird, noch alte Bäume zu finden und auf sie zu klettern - im Kaukasus werden die Tannen viel zu stark eingeschlagen -, baut man inzwischen in Deutschland, vor allem in der Eifel, Saattannen an. Nordmanntannen-Anbau ist aufwendig: pro Hektar und Jahr fordert er 80 Stunden, für andere Pflanzen sind es im Durchschnitt nur zehn Stunden. Die Nordmanntanne ist vor allem gefragt, weil sie über ihr gutes, schön anzuschauendes Wuchsbild hinaus pflegeleicht und nicht zu stachelig ist. Und weil sie sich einige Wochen lang auch bei Zimmertemperatur gut hält.

Zurück zu unserem Pionier. 1849 geht Nordmann zurück nach Finnland. Der rastlose Gelehrte ist jetzt Professor für Naturgeschichte und Zoologie belohnt. Er hält sehr gut besuchte Vorlesungen, wie überliefert ist. Er praktiziert die heute oft geforderte Interdisziplinarität - und verausgabt sich offenbar. Heute spricht man von Burnout und Stress. Sein Herz macht nicht mehr mit. Er stirbt als hoch geschätzter Gelehrter am 25. Juni 1866.

Das Geschäft mit seinem Baum boomt. 2012 waren 75 Prozent aller verkauften Weihnachtsbäume in Deutschland Nordmanntannen. Herr Nordmann aus Finnland wäre bestimmt stolz darauf.