Mund halten, Meinung verbergen, Missbrauch ignorieren, das waren Rosalie Browns (Name geändert) Überlebensstrategien. Seit einem Monat lebt die 26-Jährige gemeinsam mit ihren Kindern (4 und 2 Jahre) im Kölner Frauenhaus. Nach fünf gewaltvollen Ehejahren, Schlägen, Messerattacken, Morddrohungen. Nach gescheiterten Fluchtversuchen - zu Freunden, in ein örtliches Frauenhaus, in die afrikanische Heimat. Immer wieder kehrt sie zurück. Weil sie den Kindern ein Zuhause bieten, ihrem Mann eine Chance geben und sich selbst die Hoffnung erhalten will.
"Obwohl ich wusste: auf Reden folgt Gewalt, habe ich ständig versucht, meiner Sklavenrolle mit Gesprächen zu entkommen." Rosalie hatte die Kinder zu hüten - ihre gemeinsamen und seine aus erster Ehe - den Haushalt zu stemmen, seine Schuldenberge abzubauen. Vor allem aber hatte sie den Mund zu halten. Wenn sie etwa um Unterstützung bat, um Zuspruch. "Unter der Woche war er auf Montage, zu Hause ununterbrochen am Computer." Als auch die Hebamme nach der zweiten Geburt bemerkt, dass Rosalie überfordert ist, fordert sie deren Mann auf, sie zu unterstützen. Er rastet aus. Geht mit dem Messer auf Rosalie los. Sie rettet sich, indem sie den Säugling vor ihre Brust hält.
Den Polizisten verschweigt sie später die Messerattacke, möchte ihrem Mann das Gefängnis ersparen. Stattdessen wendet sie sich an eine Beratungsstelle. Mit dem Wunsch, dem schwäbischen Martyrium auch räumlich zu entkommen. Im Kölner Frauenhaus fühlt sich Rosalie nach vier Wochen "endlich wie eine freie Frau". Rosalies Mann hat zwei Wochen zuvor bei Gericht das Aufenthaltsbestimmungsrecht beantragt, um die Kinder zu sich zu holen. "Obwohl er seiner Sorgepflicht nie nachkam, sie mit Gewalt konfrontierte." Rosalie hat denselben Antrag gestellt und das alleinige Sorgerecht beantragt. Nun hofft sie auf Zeit. Um in geschützter Umgebung Mut zu schöpfen. Um ein neues Leben zu planen, "in dem meine Kinder lernen, sich anders zu verteidigen als mit Gewalt". (cro)