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Welttag gegen Gewalt an FrauenEin Viertel aller Frauen ist betroffen

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Eine Frau versucht sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen.

Acht Prozent mehr Vergewaltigungen und schwere sexuelle Nötigungen im Vergleich zum Vorjahr. Ein Plus von 77,5 Prozent im Deliktbereich "Beleidigungen auf sexueller Grundlage". 4382 Einsätze wegen häuslicher Gewalt - die Kölner Kriminalstatistik 2011 folgt einem bundesweiten Trend: Die bekannt gewordenen Straftaten von Beziehungspartnern gegen ihre Frauen nehmen seit zehn Jahren stetig zu.

Veranstaltungen: 24. November, 17.30 Uhr, Eigelsteintorburg: "Lila in Köln - Protestmarsch". 25. November, 19.30 Uhr, Lutherkirche Südstadt: "Die Schwestern Mirabal" - Konzert/Lesung.

Die Zahlen erschrecken, doch die erfassten Straftaten spiegeln kein absolutes Bild der Gewalt wider, die Dunkelziffer wird um ein Achtfaches höher geschätzt: "Es zeigt, dass Frauen seit Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes im Jahr 2002 mutiger geworden sind, Gewalt im privaten Bereich zu melden", sagt die Kölner Kriminalkommissarin Heike Afflerbach-Hintzen. "Vermutlich weil sie immer mehr um die Polizeibefugnisse wissen." Das Neue an dem Gesetz: Es beruht auf dem Ansatz "der Täter geht, das Opfer bleibt". "So können wir effizienter eingreifen", sagt die Kommissarin. Ist Gefahr im Verzug, haben die Beamten das Recht, den Täter aus der Wohnung zu verweisen und ihm den Zutritt für zehn Tage zu verbieten - noch bevor ein gerichtlicher Beschluss vorliegt.

Täglich bis zu fünf akute Anfragen betroffener Frauen bei den zwei Kölner Frauenhäusern, zunehmender Informationsbedarf und Mitteilungen von Kindergärten und medizinischen Einrichtungen - auch Hamila Vasiri vom Verein "Frauen helfen Frauen" schätzt am Gewaltschutzgesetz, dass es das Thema aus der Tabuzone ins öffentliche Bewusstsein gerückt habe.

"Gesetze allein reichen nicht"

"Doch Gesetze allein reichen nicht", sagt die Mitarbeiterin des autonomen Frauenhauses. Schutz gegen Gewalt müsse früher ansetzen. In den Kindergärten und Vorschulen, mit Aufklärung und Anti-Aggressionstrainings. "Damit die Kinder der Gewaltspirale entkommen."

Eine Studie des Familienministeriums zeigt, dass Frauen, die in der Kindheit häusliche Gewalt erlebt haben, häufiger Gewalt in Beziehungen erleben. Dass Jungen, die in gewaltaffinen Familien aufwachsen, ein größeres Risiko tragen, später selbst zu Tätern zu werden. Ein weiteres Problem: "Bewohnerinnen berichten, dass Freunde und Behörden spätestens beim dritten Hilferuf kein Verständnis mehr aufbringen."

Wissenschaftlich bewiesene Folgen von häuslicher Gewalt - Passivität, Ambivalenz, Anpassung um des Überlebens willen - würden häufig mit den Ursachen verwechselt. So wird betroffenen Frauen unterstellt, sie hätten kein Interesse, etwas an ihrer Situation zu ändern; sie würden Opfer von Gewalt, weil sie zu ambivalent und passiv seien. "Auch finanziell knirscht es", kritisiert Vasiri. "Täglich müssen wir drei Frauen abweisen, deutschlandweit werden 7000 Frauen vor allem wegen Überfüllung nicht im Frauenhaus aufgenommen." Deshalb fordern Fasiri und andere Vertreterinnen deutscher Frauenschutzorganisationen ein eigenständiges Bundesgesetz für die Finanzierung der Frauenhäuser und anderer Schutz- und Beratungsangebote. Schließlich sei häusliche Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem. Was die Tatsache beweise, dass ein Viertel der Frauen betroffen ist.