Mord und Misshandlung, Demütigung und Diskriminierung - Gewalt hat viele Gesichter. Etwa "die geschlechtlich begründete Rollenzuweisung" - Dirk Schulz' kulturwissenschaftliches Forschungsfeld. Der Geschäftsführer des 2012 gegründeten Kölner Instituts für "Gender Studies" reflektiert die gesellschaftlichen Formen von Gewalt.
Seine These: Die permanenten Beweisversuche für das, was - vermeintlich biologisch - typisch Mann, was typisch Frau sei, und die gleichzeitige Erfahrung, dass diese Stereotype nicht lebbar sind, werde zur bedrohlichen Identitätsverunsicherung und erzeuge Gewalt. "Zumal dieser althergebrachten Zweiteilung die Errungenschaften der Emanzipation gegenüberstehen."
Der Einzug von Frauen in Führungsetagen etwa oder der Erziehungsurlaub für Männer. "Frauen in Machtpositionen dürfen oftmals nicht zu ,weiblich', also sanft und sozial, agieren. Tun sie es zu ,männlich', machtorientiert und zielstrebig, wird ihnen ihre Weiblichkeit abgesprochen. Sie werden als ,unnatürlich' wahrgenommen."
Diese mit dem Verweis auf das biologische Geschlecht verbundene Einschränkung von Entfaltungsmöglichkeiten nennt Schulz "unserer modernen Gesellschaft immanente Gewalt". (cro)