Abo

WinterbluesLichtduschen können bei schlechter Laune helfen

3 min

Herr Dr. Feld, kann eine solche Lichtbrille etwas gegen schlechte Laune im Winter ausrichten?

Ich kenne das Produkt nicht, deshalb kann ich es nicht beurteilen. Das ist natürlich erst mal ein guter Werbegag für das Café. Aber mit Lichtduschen, also bildschirmartigen Lichtquellen, habe ich bei meinen Patienten gute Erfahrungen gemacht.

Worauf sollte man bei diesen Lichtduschen achten?

Entscheidend ist die Luxstärke. Eine Lichtdusche sollte 10 000 Lux haben. Man setzt sich in einem Abstand von 30 bis 50 Zentimeter davor - täglich eine halbe Stunde lang. Man muss nicht ständig direkt hineinschauen, kann dabei essen oder lesen. Am besten macht man das morgens, das unterstützt die innere Uhr.

Eine solche Lichttherapie kann auch gegen Schlafstörungen helfen. Denn wenn man morgens auf wach geschaltet wird, dann wird man abends auch eher müde. Gute Lichtduschen kosten zwischen 300 und 400 Euro. Es gibt aber auch schon Modelle für 99 Euro, die haben jedoch häufig nur 2500 Lux - und man müsste für die richtige Dosis morgens zwei Stunden davor sitzen.

Was bewirkt das Licht in unserem Körper?

Es sorgt dafür, dass Melatonin, das müde macht, im Hirn abgebaut wird - und dafür der Muntermacher Serotonin ausgeschüttet wird. Gute Lichtduschen haben einen hohen blauen Wellenanteil - ähnlich wie das echte Sonnenlicht am Morgen. Auf die Behandlung durch helles Licht ist man übrigens durch Zufall gekommen. In einer Klinik für Depressive gab es das Phänomen, dass die Patienten aus dem Südflügel immer zwei Wochen früher entlassen werden konnten als diejenigen aus dem Nordflügel. Am Ende kam man darauf, dass es nur am unterschiedlichen Licht liegen konnte.

Wie erkennt man, dass man nicht nur einfach schlecht gelaunt ist, sondern eine handfeste Winterdepression hat?

Wenn es einem richtig, richtig schlecht geht - und es dafür offensichtlich keinen anderen Grund als die Dunkelheit gibt. Und wenn eine solche Depression regelmäßig in der dunklen Jahreszeit kommt. Dann sollte man besser zum Arzt gehen und sich behandeln lassen.

Lichttherapie liegt in Deutschland zurzeit im Trend. Aber in Skandinavien ist sie schon länger bekannt.

Ja, dort gibt es wesentlich weniger Sonnenlichtstunden pro Tag. Das hat Folgen für die Psyche: Alkohol- und Koffeinkonsum sind höher als bei uns, und die Selbstmordrate ist deutlich höher als in Deutschland. Skandinavische Büros und Schulen sind deshalb häufig mit besonders hellem Licht ausgestattet. In Deutschland liegt die Beleuchtungsstärke fast aller Innenräume nur zwischen 600 und 800 Lux. Das ist viel zu wenig, um in dunklen Monaten morgens wirklich wach und fit zu werden. Früher haben die Menschen die meiste Zeit im Freien verbracht, heute sitzen wir den ganzen Tag über drinnen - der Tag-und-Nacht-Wechsel verschwimmt, dadurch kommt unsere innere Uhr durcheinander.

Wäre es dann am Ende nicht besser, einfach mehr Zeit draußen zu verbringen?

Ja, man kann auch eine halbe Stunde spazieren gehen. Selbst an einem bedeckten Tag hat das Licht draußen noch um die 3000 Lux. Natürliches Licht ist immer noch das Beste - und beim Spazierengehen hat man zusätzlich noch den Vorteil der Bewegung an der frischen Luft dabei.