Abo

WissenschaftBotanische Falschmünzerei weit verbreitet

3 min

Wir halten es täglich in den Händen. Trotzdem haben wohl die wenigsten von uns unser Kleingeld schon einmal richtig betrachtet. Dabei sind Münzen kleine Kunstwerke. Und deutsche Euro-Münzen gewissermaßen ein Aushängeschild unseres Landes. Wer genau hinsieht, kann allerdings nicht nur interessante, sondern auch falsche Details darauf entdecken. Denn botanisch gesehen sind einige unserer Euro-Münzen Falschgeld.

Die Vorderseite (Zahlseite) ist bei allen Euro- und Centmünzen gleichgestaltet. Die Rückseite trägt dagegen länderspezifische Motive: Auf den deutschen 1- und 2-Euro-Stücken räkelt sich zum Beispiel ein grafisch ziemlich misslungener, weil reichlich verfetteter Seeadler (BRD-Wappenvogel) mit bemerkenswert pathologischer Fußstellung.

Gänzlich blamabel sind aber die Eichendarstellungen auf den 1-, 2- und 5-Cent-Münzen: Angedacht war hier wohl – als charakteristisches Symbol – eine urgermanisch knorrige Wotanseiche, die botanisch zur Spezies Stiel-Eiche (Quercus robur) gehört. Dargestellt sind aber, wie schon auf den Pfennigmünzen der DM-Ära, fünf bemerkenswert regelmäßig gebuchtete Blätter mit verräterisch keilförmigem Blattgrund der eher osteuropäischen Trauben-Eiche (Quercus petraea).

Die Krönung ist jedoch der auf den Cent-Münzen rechts unten dargestellte Fruchtstand – er gehört tatsächlich zur Stiel-Eiche. Eine solche Mischform aus Trauben- und Stiel-Eiche, die ein naturkundlich offenbar uninformierter Münzdesigner im Auftrag des Bundesfinanzministeriums kreiert hat, kommt in der Natur gar nicht vor.

Und das ist nicht die einzige botanische Falschmünzerei: Im Jahre 2010 gab das Bundesfinanzministerium (BMF) als Sonderedition einen Goldmünzensatz mit Nennwert 20 Euro zum Thema „Deutscher Wald“ in Auftrag. Die für 2014 ausgegebene Münze zeigt nach Eiche (2010), Buche (2011), Fichte (2012) und Kiefer (2013) das Einzelblatt einer Kastanie. Nun mag man großzügig darüber hinweg sehen, dass die Münzvorderseiten eine Baumgattung benennen, aber eine konkrete Art zeigen – die für 2010 auserkorene Eiche ist tatsächlich eine Stiel-Eiche. Der Unterschied zwischen Gattung und Art ist im BMF offenbar nicht bekannt: Löwe, Jaguar und Tiger gehören beispielsweise alle zur Gattung der Großkatzen, aber natürlich zu unterschiedlichen Arten. Vollends irritiert aber das so bezeichnete Motiv „Kastanie“. Die betreffende Münze zeigt unzweifelhaft das Blatt einer Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), aber diese Baumart ist nun erwiesenermaßen etwas anderes als ein Vertreter der Gattung Kastanie (etwa Castanea sativa). Die beiden Bäume sind nämlich überhaupt nicht miteinander verwandt, sondern gehören unterschiedlichen Familien an. Im deutschen Wort „Rosskastanie“ kommt die „Kastanie“ nur aufgrund einer optischen Ähnlichkeit vor. Auch das könnte man, wenn auch mit gerunzelter Stirn, zur Not verkraften, sofern das Serienleitthema nicht der deutsche Wald wäre. Weder Aesculus hippocastanum noch Castanea sativa sind aber in Mitteleuropa heimische waldbildende Bäume, sondern geradezu klassische Parkgehölze.

Andere Länder sind da vorbildlicher in der Darstellung landestypischer Symbole: Auf dem finnischen 2-Euro-Stück findet sich zum Beispiel ein überaus gelungenes Artenporträt der Moltebeere, die eng verwandt ist mit unserer Brombeere. Auf dem 1-Euro-Stück ziehen zwei nordische Singschwäne über die finnische Seenlandschaft. Die österreichischen Cent-Münzen zeigen dagegen Alpenpflanzen: Enzian (1 Cent), Edelweiß (2 Cent) und Alpen-Primel (5 Cent).

Die schön gestaltete griechische 2-Euro-Münze präsentiert eine Szene aus der antiken Mythologie: Europa, die Tochter des phönikischen Königspaares Agenor und Telephassa, wird von Zeus in Gestalt eines Stiers entführt. Die Figur Europa symbolisiert zugleich den Namen und die kulturellen Wurzeln des europäischen Kontinents. Die griechische 1-Euro-Münze zeigt einen Steinkauz in der Darstellung eines antiken Drachmen-Stücks aus dem 5. Jahrhundert vor Christus. Wissenschaftlich heißt der Steinkauz Athene noctua – er war Symbol der griechischen Göttin Pallas Athene und gleichzeitig Namengeber der Landeshauptstadt.