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Wohnen mit intelligenten GeräteSmart muss simpel sein - zur IMM

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Frau Varga, die erste Generation vernetzter Küchengeräte ist auf dem Markt. Aus Sicht der Trendforschung müsste die smarte Küche doch schon Normalität sein.

Es gibt immer eine recht weite Kluft zwischen dem, was in der Technologie möglich ist und dem, was im Mainstream tatsächlich schon ankommt. Das ist im Wohnen extrem. Unsere vier Wände sind ein Rückzugsort, ein besonders sensibler Ort, an dem Menschen viel vorsichtiger sind als in anderen Umgebungen. Das Zuhause zu vernetzen ist ein anderer Schritt, als sich ein neues Handy oder Fernseher zu kaufen.

Die Küche ist ein technischer Raum – ist der nicht gerade prädestiniert für neue Technologien?

Auf jeden Fall. Auch weil mehr Männer als Hobbyköche aktiv sind und Technikaffinität mitbringen. Aber: In der privaten Küche darf Technik das Leben nicht komplizierter machen, als es eh schon ist.

Ist die smarte Küche aber nicht dafür da, das Leben zu erleichtern?

Im Idealfall genau dafür. Das Bedürfnis entsteht ja aus der Verdichtung des Alltags. Die sogenannte smarte Technik soll einerseits dabei helfen, diesen Alltag zu erleichtern. Andererseits soll sie Komfort bieten. In der heutigen Lebensweise ist Konnektivität ein Megatrend. Über das Smartphone hat man fast immer und fast überall Internetzugang – da treffen sich Bedürfnis und technische Möglichkeit. Aber was immer noch zu häufig fehlt ist die Usability, also die einfache Anwendung der Smart-Home-Angebote.

Was ist im Haushalt bisher ein gelungenes Beispiel?

Die Firma Nest hat ein kleines Thermostat entwickelt, das über eine Woche die Gewohnheiten im Haushalt erlernt. Dann regelt es zu den belebten oder ruhigen Zeiten automatisch die Heizung. Das bildet eine intuitive Technik gut ab – ein erkennbarer Nutzen für die Bewohner, es ist einfach zu bedienen, zeigt seinen Sinn offensichtlich und kann aber auch von jedem bei Bedarf manuell geregelt werden. Das ist so wichtig, weil sich die Biografien schnell verändern. Singlehaushalt, Familie, Trennung, Patchwork-Situation – der Haushalt ist weniger statisch als früher, deshalb können Geräte, die Spezialwissen vom Bediener erfordern, nicht mehr bestehen.

Wie ist denn die grundsätzliche Stimmung des Verbrauchers zur Vernetzung, auch im Hinblick auf Datenströme und Datenschutz?

Der Konsument will vom Hersteller Transparenz in den elektronischen Systemen. Es muss klar sein, dass es eine End-to-End-Verschlüsselung gibt, also Daten nur hausintern übertragen werden oder zwischen Gerät und Smartphone. Aber die Haltung ist auch positiv. Eine Studie zeigte im vergangenen Jahr, dass das Nutzungsinteresse viel größer ist, als die tatsächlich Umsetzung. Ein Hauptgrund dafür ist, dass Konsumenten die Technik als zu kompliziert empfinden. Zudem mangelt es Verbrauchern an Information. Das müssen Hersteller beachten.

Ist das nicht auch eine Frage der Sprache? Wenn über Vernetzung gesprochen wird, bedient man sich doch eines regelrechten Codes.

Das stimmt. Zu fachspezifische, zu technische, zu exklusive Sprache ist eine Hemmschwelle und trägt dazu bei, dass Technik als zu komplex wahrgenommen wird.

Was braucht also ein erfolgreiches Gerät, gerade wenn es auch von älteren Menschen bedient werden soll?

In der Trend-Analyse wurde dafür ein Kunstwort geschaffen, weil es in diesem Feld noch viele Leerstellen gibt: Simplexity – das gilt für den ganzen Bereich: Technisch komplexe Gräte müssen leicht bedienbar sein, sicher und kontrollierbar. Generell geht man bei der Entwicklung von Technik und Design aber sowieso nur noch von hoch ausdifferenzierten Lebensstilen aus. Die Unterscheidung nach Generationen macht beim Wohnen keine Sinn mehr, deshalb redet man in der Branche auch von Universal Design. Kompliziertes ist für alle unangenehm. Da spielt das Alter keine Rolle.

Geht es beim Gerätedesign jetzt darum, möglichst viele Spielereien anzubieten?

Der Wert von Technik bemisst sich in diesem Kontext nur im Beitrag zur Lebensqualität. Es ist für den Verbraucher spannend zu lesen, was alles möglich ist. Er nutzt aber nur, was persönlichen Mehrwert schafft.

Kommunizierende Küchengeräte die Nachrichten aufs Handy schicken – hat das nicht auch ein hohes Nerv-Potenzial?

Das ist eine Relevanzfrage. Man stellt das auch nur ein, wenn es für einen persönlich wichtig ist, ob genug Klarspüler in der Spülmaschine ist. Wenn ich den ohne Hinweis zum dritten Mal beim Einkaufen vergessen habe, macht die Funktion vielleicht doch Sinn.

Also kein Technik-Überdruss in der Wohn-Küche der Zukunft?

Überdruss und Begeisterung existieren durchaus nebeneinander. Bei diesen Gadgets geht es um Planung und Planbarkeit. Planen wird immer schwieriger, wenn wir immer mobiler sind, ständig an anderen Orten. Siemens wird wohl im Herbst einen Kühlschrank mit Kamera in der Tür auf den Markt bringen, der den Inhalt immer aktuell zeigt und für die vorhandenen Produkte Rezepte samt Einkaufsliste vorschlägt. Das werden viele gut finden, weil es Mehraufwand und Zeit spart. Weil ich dann abends – und das ist die Parallelbewegung – nur mit meinen Freunden in meiner Küche kochen und essen und mich unterhalten möchte. Und dabei will ich dann gar nichts von online und Vernetzung wissen. Das ist eine Qualitätszeit, die man sich nimmt. Es ist also in diesem Leben nicht nur so, dass man alles beschleunigt, sondern das auch nutzt, um zu anderer Zeit zur Ruhe zu kommen.