Mehr Kontrollen, kaum Straftaten: Polizei und Kreis ziehen nach der Donatus-Kirmes in Euskirchen eine positive Sicherheitsbilanz.
Messer und Schlagstock sichergestelltEuskirchener Polizei ist mit Bilanz zur Kirmes zufrieden

Bei der Euskirchener Kirmes waren Polizei und Ordnungsamt gemeinsam im Einsatz.
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„Niemand braucht einen Teleskopschlagstock, wenn er Autoscooter fahren will“, sagt Polizeidirektorin Gabriele Mälchers. Die Leiterin der Euskirchener Polizei zog am Montagnachmittag ein positives Zwischenfazit der strategischen Fahndung.
Diese läuft seit dem 4. Mai für 28 Tage und fand nun im Rahmen der Euskirchener Donatus-Kirmes ihren ersten Höhepunkt. Angeordnet hat die Maßnahme, die Kontrollen ermöglicht, ohne dass es einen konkreten Anlass oder Verdacht gibt, Landrat Markus Ramers.
Während der ersten Tage der Kirmes mehr als 130 Personen kontrolliert
Während der ersten Tage der Mai-Kirmes seien mehr als 130 Personen kontrolliert worden. Neben dem Teleskopschlagstock sei bei den Kontrollen noch ein Messer festgestellt worden. Darüber hinaus wurden laut Mälchers vereinzelt Betäubungsmittel gefunden.
Nach Angaben der Polizeidirektorin wurde die starke Präsenz von vielen Besucherinnen und Besuchern ausdrücklich positiv aufgenommen. Zahlreiche Bürger hätten die sichtbaren Kontrollen und die hohe Zahl eingesetzter Kräfte als beruhigend empfunden.

Vor allem am Freitag und Samstag war auf der Euskirchener Kirmes die Hölle los.
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Zahlreiche Besucher schlenderten am Samstag bei schönem Wetter über die Donatus-Kirmes.
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Ziel der verstärkten Präsenz sei gewesen, Straftaten frühzeitig zu verhindern und zugleich das Sicherheitsgefühl der Besucher zu stärken. Nach Einschätzung der Polizei ist dieses Konzept aufgegangen: Die Kirmes sei vollkommen friedlich verlaufen. Weder Schlägereien noch Bedrohungen oder sexuelle Übergriffe seien registriert worden.
Auch bei den Verkehrskontrollen rund um die Kirmes gab es laut Mälchers kaum Auffälligkeiten. Mehr als einige BTM-Verstöße seien auch dabei nicht festgestellt worden.
Natürlich fragen Menschen kritisch nach, wenn sie ohne Anlass kontrolliert werden. Aber die Stimmen werden weniger.
Behördenleiter und Landrat Markus Ramers berichtete im Gespräch mit dieser Zeitung, dass man die Strategische Fahndung auch künftig nutzen werde, um den Kontrolldruck in der Innenstadt aufrechtzuerhalten. Es gebe nach wie vor auch kritische Stimmen. „Natürlich fragen Menschen kritisch nach, wenn sie ohne Anlass kontrolliert werden. Aber die Stimmen werden weniger“, so Ramers.
Im Fokus stehe die sogenannte subjektive Sicherheit. Dafür seien grundsätzlich alle bereit, sich mal in die Taschen schauen zu lassen. Gleichwohl betonte der Landrat, dass es eine 100-prozentige Sicherheit nicht gebe – weder bei der Kirmes noch in der Innenstadt.
Euskirchener Bahnhof ist weiter im Fokus der Behörden
Zu dieser gehört auch der Euskirchener Bahnhof. Dort sind seit dem Herbst sogenannte Quattro-Streifen im Einsatz . Dabei arbeiten Polizei, Ordnungsamt, Bundespolizei und Deutsche Bahn zusammen, um den Bereich rund um den Bahnhof regelmäßig zu kontrollieren. Ziel sei es, gegen Verwahrlosung, Vandalismus und das subjektive Unsicherheitsgefühl vieler Bürger vorzugehen.
„Wir überlassen einen solch exponierten Raum nicht sich selbst. Wir bündeln unsere Kräfte. Das ist ein starkes Zeichen, auch wenn es nicht jeden Tag blühende Landschaften gibt“, sagt Landrat Ramers.

Seit Oktober 2025 laufen Polizei, Ordnungsamt, Bundespolizei und Deutsche Bahn am Euskirchener Bahnhof gemeinsam Streife.
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Nach Einschätzung von Polizeidirektorin Mälchers zeigen die Maßnahmen weiter Wirkung. Es gebe weniger Beschwerden aus der Bevölkerung. Und auch die Zahl der Straftaten sei zurückgegangen. Besonders hervorgehoben wurde von ihr die Zusammenarbeit mit der Bundespolizei, die trotz eigener Belastungen regelmäßig Kräfte für die gemeinsamen Einsätze bereitstelle.
Die Quattro-Streifen würden inzwischen auch über Euskirchen hinaus als gelungenes Beispiel wahrgenommen. Behördenleiter Ramers betonte, dass es nicht darum gehe, Menschen aus bestimmten Bereichen zu verdrängen. Vielmehr solle deutlich gemacht werden, dass öffentliche Räume sicher und nutzbar bleiben müssten. „Der Bahnhof ist ein wichtiger Eingangspunkt für die Stadt“, sagte er: „Wir wollen zeigen, dass sich der Rechtsstaat kümmert.“
Euskirchener Bahnhof: 523 Einsätze in nur 14 Monaten
Eine Analyse der Polizei hatte zuvor gezeigt, wie ernst die Lage war: Innerhalb von 14 Monaten registrierten die Beamten 523 Einsätze rund um den Bahnhof – das Spektrum reichte von Ruhestörungen und Belästigungen bis hin zu Körperverletzungen und Drogendelikten.
„Es handelt sich nicht um schwere Kriminalität, aber die Vielzahl kleiner Vorfälle summiert sich und sorgt dafür, dass viele Menschen den Bahnhof meiden“, hatte Polizeihauptkommissar Robert Schmitz, Leiter der Euskirchener Wache, die Situation zu Beginn der Kampagne skizziert. Besonders Frauen, ältere Menschen und Familien fühlten sich unsicher.
Nach Angaben der Polizei ist die Zahl der Einsätze am Bahnhof gesunken – bis Ende Januar um ein Drittel. Nicht wenige rechneten bei wärmeren Temperaturen wieder mit steigenden Einsatzzahlen. Dem widerspricht Mälchers. Zwar widersetze sich der eine oder andere dem ausgesprochenen Platzverweis, doch das halte die Beamten nicht davon ab, diesen einfach zu erneuern.
Zudem hat die Deutsche Bahn am Euskirchener Bahnhof eine moderne Videoüberwachungsanlage installiert. Nachts wird das Bahnhofsgebäude geschlossen, um die Nutzung als Schlafstätte zu verhindern. Diese Maßnahme hat laut Polizei zu mehr Sauberkeit und Ruhe geführt.
