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Wegen Niedrigwassers
Weltkriegsbombe im Rhein gefunden – RTL-Sendezentrum geräumt

4 min

Im Rhein in Deutz ist ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Die Bombe muss am Donnerstag entschärft werden.

In Deutz ist im Rhein am Mittwochabend ein Sprengsatz aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden, wie die Stadt Köln mitteilte. Der Blindgänger, der in der Nähe des rechten Ufers auf Höhe des Rheinparks liegt, soll am Donnerstag entschärft werden. Der Evakuierungsradius beträgt 400 Meter, betroffen ist auch das linke Rheinufer mit der Altstadt Nord.

„Die Weltkriegsbombe wurde im Zusammenhang mit dem niedrigen Pegelstand des Rheins entdeckt“, berichtet die Pressestelle. Der Fund am Vortag sei zu spät gemacht worden, um die Entschärfung direkt durchzuführen. Eine Bergung benötige einiges an Vorbereitung, sagte der Leiter des Amts für öffentliche Ordnung, Dirk Käsbach.

Rund 360 Menschen müssen evakuiert werden. Der Großteil lebt im Vincenz-Haus am linksrheinischen Konrad-Adenauer-Ufer, die Bewohnerinnen und Bewohner können aber innerhalb des Gebäudekomplexes in sichere Bereiche gebracht werden. Allein diese Evakuierung werde voraussichtlich bis zu drei Stunden dauern. Krankentransporte werden aber wohl nicht benötigt.

Der Evakuierungsradius für die Entschärfung des Blindgängers im Rhein in Köln-Deutz beträgt 400 Meter.

Der Evakuierungsradius für die Entschärfung des Blindgängers im Rhein in Köln-Deutz beträgt 400 Meter.

Wie inzwischen bekannt wurde, war der Blindgänger von Passanten entdeckt worden. Er liegt offenbar 50 cm unter Wasser, was zu Verzögerungen bei der Entschärfung führen kann. Ordnungsamtsleiter Käsbach sagte: „Wir müssen den Fund zunächst aus dem Wasser an Land bringen, damit dort die Entschärfung stattfinden kann.“

Zunächst müsse ein passender Radlader organisiert werden. Hierbei helfe das Technische Hilfswerk aus. „Wir gehen davon aus, dass die Bombe gestern durch die Sogwirkung eines Schiffes kurz freigelegt wurde.“ Bei der Bombe handelt es sich um eine amerikanische Fünf-Zentner-Bombe mit Heckaufschlagzünder.

RTL-Mitarbeitende müssen Gebäude verlassen

Auch der Sender RTL liegt im rechtsrheinischen Evakuierungsbereich. Die Gebäude müssen komplett geräumt werden, bevor die Bombe entschärft werden kann. Der Sendebetrieb lief bis 15 Uhr weiter, danach mussten alle Mitarbeitenden bis 15.15 Uhr die Räumlichkeiten verlassen. „RTL Aktuell“ um 18.45 Uhr wird nicht aus Köln, sondern aus dem Hauptstadtstudio in Berlin gesendet, „Explosiv“ vorab aufgezeichnet. 

RTL-Mitarbeitende müssen wegen des Bombenfunds am 6. August das Gebäude verlassen.

RTL-Mitarbeitende müssen wegen des Bombenfunds am 6. August das Gebäude verlassen.

Der Nachrichtensender ntv, der ebenfalls zu RTL gehört, bezog um 15 Uhr ein mobiles Studio vor dem Hyatt-Hotel in Köln. Dieses liegt direkt außerhalb des Evakuierungsbereichs.

Die Sperrungen rechts- und linksrheinisch – Hohenzollernbrücke betroffen

Die Rheinbrücken und auch die DB-Strecke sind bis auf eine Ausnahme nicht von Sperrungen betroffen.

Gesperrt werden folgende Bereiche für den Fuß-, Rad- und motorisierten Verkehr: alle Zugänge zum Rheinpark, Auenweg/Ecke Rheinparkweg, Rheinparkweg, Charles-de-Gaulle-Platz, Kennedyufer/Ecke Norbert-Burger-Platz, Rheinboulevard Richtung Rheinpark, die Nordseite der Hohenzollernbrücke Nordseite für Fuß- und Radverkehr

Linksrheinisch sind betroffen: Konrad-Adenauer-Ufer Ecke Goldgasse bis Theodor-Heuss-Ring, Servasgasse/Am Alten Ufer, Makabäerstraße/Am Alten Ufer, Kunibertsgasse/Konrad-Adenauer-Ufer, Kunibertsklostergasse ab Hsnr. 3, Dagobertstraße ab Hausnummer 43, Thürmchenswall ab Hausnummer 77, Theodor-Heuss-Ring ab Hausnummer 60, Sedanstraße/An der Münze.

Rechtsrheinisch wurden die Absperrungen bis 14.30 Uhr bereits errichtet. Linksrheinisch erfolgt dies zu einem späteren Zeitpunkt sukzessive, so die Stadt.

Eine Anlaufstelle ist nach Angaben der Stadt in der Cafeteria des Marienhospitals, Kunibertskloster 11-13, eingerichtet.  

Autofahrende werden dringend gebeten, den Bereich um das Evakuierungsgebiet weiträumig zu umfahren. Fußgänger und Fußgänger sowie Radfahrende werden gebeten, insbesondere den Rheinpark nicht mehr zu betreten bzw. zu befahren. 

Die Seilbahn, die zwischen Zoo und Rheinpark verkehrt, stellt ihren Betrieb ein. Auch der Beach Club „km 689“ bleibt am Donnerstag ebenso geschlossen wie der Biergarten der Rheinterrassen.

Auch Kampfmittel im Rhein bei Bonn gefunden – Stadt warnt

Erst vor wenigen Tagen war am Rhein ein weiterer Kampfmittelfund gemeldet worden: Zwei Frauen entdeckten bei Niedrigwasser im Trockenbett des Flusses nahe der Bonner Südbrücke eine Mörsergranate aus dem Zweiten Weltkrieg, wie der General-Anzeiger berichtete. Der alarmierte Kampfmittelbeseitigungsdienst nahm die Granate mit.

Angesichts des anhaltenden Niedrigwassers warnen die Stadt Bonn und die Abfallwirtschaftsbetriebe „Bonnorange“ eindringlich vor möglichen Kampfmitteln im freigelegten Rheinbett. Neben Müll könnten dort auch Patronen, Granaten oder andere Kriegsmunition aus dem Zweiten Weltkrieg zum Vorschein kommen, heißt es in einer Pressemitteilung. Auch wenn der niedrige Wasserstand im Rhein der Schifffahrt derzeit Probleme bereite, so begünstige er die Bergungsarbeiten, sagt Käsbach. Für das freigelegte Rheinufer in Köln gilt dementsprechend ebenso Vorsicht beim Spazieren. Mehr Funde könne man nicht ausschließen, das Ordnungsamt rechne damit auch nicht zwingend, sage er: „Wir sind auf die Situation eingestellt.“

Die Behörden appellieren deshalb, die trockenen Uferbereiche möglichst zu meiden und verdächtige Gegenstände keinesfalls anzufassen oder zu bewegen, da sie auch nach Jahrzehnten noch lebensgefährlich sein können. Stattdessen sollten Funde umgehend der Polizei, Feuerwehr oder dem Ordnungsamt gemeldet werden. Aufgrund der Gefahrenlage unterstützt „Bonnorange“ derzeit zudem keine Müllsammelaktionen in den betroffenen Rheinbereichen und empfiehlt, auf sichere Sammelorte auszuweichen. (red)