Köln – „Bei denen, die die Schüppe in die Hand nehmen, bleibt nichts mehr übrig.“ Mit deutlichen Worten beschreibt Jens Ahland die perfide Kette der Ausbeutung, gegen die seine Behörde vorgeht. Am Donnerstag war das Hauptzollamt, zuständig für den Bereich von Leverkusen bis Bonn, vom Rhein-Erft-Kreis bis ins Oberbergische, wieder auf etlichen Baustellen unterwegs. In Köln unter anderem am Rudolfplatz, wo aber laut Ahland nur wenige Arbeiter angetroffen wurden. Fündig wurden die mehr als 100 eingesetzten Zöllner aber anderenorts: Mehr als 400 Arbeitnehmer und 125 Firmen wurden überprüft, dabei gab es 110 Anhaltspunkte auf Verstöße gegen das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz. „Mit solchen Zahlen hatten wir selbst nicht gerechnet.“ Die Razzia legt den Finger in die Wunde der Branche: Aufträge werden an Sub- und Subsubunternehmer weitergegeben, am Ende stehen schlecht bezahlte Arbeiter, die oft aus Osteuropa kommen. Viele halten sich illegal in Deutschland auf. So fielen bei den Kontrollen gestern zehn Männer ohne gültige Arbeitserlaubnis auf, einer wollte sich mit einem gefälschten Pass ausweisen.
In mehr als 60 Fällen stellten die Zöllner fest, dass der Mindestlohn unterschritten wurde. Häufig registriert wurden zudem der Missbrauch von Sozialleistungen und falsche Meldungen zur Sozialversicherung. In acht Fällen gab es Anhaltspunkte für Scheinselbstständigkeit. (sts)
