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Alkleiderhandel der Kölner AWBDas schlechte Geschäft mit billiger Mode

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In den Altkleidercontainern landet immer mehr Billigmode.

Köln – Einst war es cool, Jeans und Turnschuhe solange zu tragen, bis die wilden Spuren des unangepassten Lebens dem Spießbürger wie ein Dorn ins Auge stachen. Vorbei. Längst. „Fast Fashion“ (schnelle Mode) ist der Trend der Zeit. „Wir reden längst nicht mehr von Winter- oder Sommerkollektion“, sagt Silke Sinesi, die im Umweltamt der Stadt Köln unter anderem für die Altkleidersammlung zuständig ist. „Wir reden mittlerweile von monatlich wechselnden Kollektionen.“ Die schnelle Mode zu kleinen Preisen und geringer Qualität bereitet ihr zunehmend Kopfschmerzen. Durch sie steigt die Menge an Altkleidern in den städtische Containern stetig an – bei abnehmender Quote der Wiederverwendbarkeit. Eine Entwicklung, die auch der Gebührenzahler zu spüren bekommt, denn seit Jahren schreibt die städtische Altkleidersammlung rote Zahlen.

Stadt beauftragte AWB mit Altkleidergeschäft

2014 hat die Stadt Köln alle privaten oder gemeinnützigen Altkleidercontainer von öffentlichem Grund verbannt. Sie beauftragte die stadteigenen Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) mit dem Geschäft. Zwar wurde Anfangs auch von einem wirtschaftlichen Überschuss ausgegangen. Wichtig war den Entscheidungsträgern aber zudem, dem „Wildwuchs“ an Containern und illegalen Sammlungen einen Riegel vorzuschieben. Nun, rund sieben Jahre später, hat Rolf Albach als umweltpolitischer Sprecher der FDP mal nachgefragt, wie es um die hehren Ziele von einst steht. Nun liegt die Antwort vor, und für Albach ist klar, da muss sich etwas ändern am System.

Anfangs kalkulierte die Stadt mit einem Überschuss von rund 400 000 Euro im Jahr, der sich daraus ergeben sollte, dass die AWB die Altkleider an entsprechende Firmen verkauft. Das Geld sollte in den Gebührenhaushalt fließen, dem Bürger also Kosten ersparen. 2015 wurde dieses Ziel noch erreicht. Von da an fraßen die Logistikkosten die Einnahmen auf. In allen folgenden Jahren lag das Defizit zwischen rund 123 000 bis zu 240 000 Euro. „Die Kosten fließen in den Gebührenhaushalt ein“, sagt Sinesi. Will sagen, die Bürger zahlen das Defizit. Die städtische Expertin gibt aber zu bedenken, private Sammler würden sich angesichts der Probleme mit „Fast Fashion“ aus dem Markt zurückziehen. Die Kleider landeten dann im Müll, würden nicht mehr einem Kreislauf zugeführt, und das wäre noch belastender für die Bürger.

„Fast Fashion“ erschwert das Geschäft

Jedoch zeigen die Antworten auf die Fragen des FDP-Politikers Albach auch: So ganz uninteressiert sind private Betreiber wohl nicht an Kölner Altkleidern. Zwar nimmt die Zahl er illegal aufgestellten Container ab. Dennoch: 725 von ihnen ließ die Stadt seit 2014 abtransportieren.

Schuld am Defizit habe laut Sinesi die Billigmode. Mit ihr lasse sich die aktuelle Wiederverwendungsquote von 65 Prozent und der Recyclinggrad von 30 Prozent nicht halten. Die Malteser sammeln seit vielen Jahren über Container Altkleider ein, auch direkt jenseits der Kölner Stadtgrenze. Ein Sprecher bestätigt auf Anfrage der Rundschau: „Wir können damit immer noch Gewinne erwirtschaften, die in unsere Projekte fließen.“ Die Bodelschwinghsche Stiftung Bethel stellt in Köln Container auf den Grundstücken evangelischer Gemeinden auf. Auch hier bestätigt ein Sprecher, dass Gewinne möglich sind. Jedoch gesteht er zu, das Geschäft werde zunehmend schwerer.

Alles in allem für Albach genug Gründe, das städtische System infrage zu stellen. „Es wird zu sehr auf Masse gesetzt. Aus ideologischen Gründen wurde das System zu stark ausgeweitet“, kritisiert er die 540 städtischen Container-Standorte. Sein Ansatz: Das Geschäft sollte privatwirtschaftlichen und gemeinnützigen Sammlern überlassen werden. Statt die Kraft in ein eigenes System zu setzten, könnte sie verwandt werden, um die Einhaltung der Standorte zu kontrollieren.