Bis vor kurzem ist Viktoria Ernst noch jeden Tag mit ihrem Porsche zur Schule gefahren. Bald möchte sie mit dem Oldtimer eine Reise durch Europa machen.
Alte Liebe rostet nichtIhr erstes Auto – 19-Jährige fährt einen Porsche aus den 80ern

Viktoria Ernst hat gerade das Abi in der Tasche, demnächst will sie mit ihrem Porsche nach Spanien fahren.
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Das Abi hat sie gerade in der Tasche und der Porsche steht vor der Haustür. Für Viktoria Ernst könnte es schlechter laufen im Moment. Die 19-Jährige nennt einen 39 Jahre alten 924 S mit immerhin 150 PS ihr Eigen. Mit dieser Baureihe ging Porsche in Zusammenarbeit mit VW in den 1970er Jahren neue Wege. Erstmals saß der Motor nicht im Heck, sondern vorne, während das Getriebe an der Hinterachse seinen Dienst tat. Das Ergebnis war eine optimale Gewichtsverteilung und eine ausgezeichnete Straßenlage. Porsche-Puristen lehnten das für die Marke untypische Design und die Motorisierung ab. Viktoria Ernst allerdings kommt damit überall gut an. Die lustigen Klappscheinwerfer stehen besonders bei Kindern hoch im Kurs.
- Typ: Porsche 924 S
- Baujahr: 1987
- PS: 150
- Zylinder: 4
- Km/ h max: 205
- Hubraum: 2479 Kubikzentimeter
- Verbrauch: 13-14 Liter
- Neupreis: Ca. 42 000 D-Mark
- Gebaute Exemplare: 16.282
Deshalb habe ich ihn:
Bis vor kurzem hat er noch meinem älteren Bruder gehört. Wir sind eine echte Oldtimer-Familie und er hatte sich für diesen Porsche entschieden. Jetzt fährt er aber etwas Neueres, so dass ich die Möglichkeit hatte, den Wagen zu übernehmen. Und ich meine: Wer hat schon einen Porsche als Erst-Auto? Ich finde den einfach sehr, sehr schön. Bis vor kurzem bin ich damit jeden Tag zur Schule gefahren, aktuell bringt er mich regelmäßig zum Training beim ESV Olympia Köln, wo ich Fußball spiele. Dazu passt so ein sportliches Auto natürlich ganz gut.
Das kann er:
Der fährt sich wie ein Go-Kart. Man sitzt halt sehr tief. Und man kann damit auf der Autobahn auch auf der linken Spur gut mithalten. Aber ich übertreibe es nicht, es ist ja ein Oldtimer. Gut finde ich, dass der nicht so viele technische Spielereien an Bord hat wie aktuelle Fahrzeuge. Da piepst die Rückfahrkamera, obwohl du noch zwei Meter Platz hast. Da parke ich lieber nach Gefühl ein.

Auch im Inneren brach Porsche mit Markentraditionen.
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Der Porsche ist auch nicht so klein wie er aussieht. Wenn man die Rücksitze umklappt, hat der hinten genug Platz, zum Beispiel für die Ballsäcke vom Verein. Meine Freunde finden ihn auch cool. Aber besonders kleine Kinder gucken ganz glücklich, wenn ich an ihnen vorbeifahre. Wenn ich dann die Klappscheinwerfer kurz hochfahre, sind sie noch glücklicher. Die alten Autos sehen eben besser aus als die neuen.
Das kann er nicht:
Aus meiner Sicht hat er keine Schwächen, außer dem ziemlich großen Verbrauch natürlich.
Das habe ich für ihn getan:
Da es mein Auto ist, muss ich mich damit auch auskennen. Wenn irgendwas zu machen ist, bin ich dabei. Zusammen mit meinem Vater habe ich schon einen neuen Luftmengenmesser eingebaut, die Reifen gewechselt und die Scheibenwischerblätter ausgetauscht. Demnächst würde ich den Porsche gerne folieren, das heißt, mit weiteren Farben bekleben lassen. So ein Bordeaux-Rot matcht sicher schön mit dem Gold und vielleicht auch ein tiefes Grün. Was genau machbar ist, muss mir aber der Folierer sagen.

Beim Porsche 924 sitzt der Motor vorn, bei Porsche-Puristen kam dieses Konzept nicht gut an.
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Das haben wir erlebt:
Ab und zu kommen in unpassenden Situationen Menschen auf einen zu, die etwas über das Auto hören wollen. Generell ist das total okay, aber vielleicht nicht auf einer Kreuzung. Letztens standen wir an der Ampel, als tatsächlich ein Mann vor uns ausgestiegen ist, zu uns kam und über das Auto plaudern wollte. Er erzählte, dass er dieses Auto in Blau hatte und ich gut darauf aufpassen solle. Das Gespräch war dann schnell beendet, weil es grün wurde.

Wenn Viktoria Ernst kleine Kinder beeindrucken will, lässt sie die Klappscheinwerfer ihres Porsches aufblinken.
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Auf dem Schulparkplatz hatte ich außerdem einen Unfall mit einem Lehrer. Er hat mich übersehen und fuhr beim Rückwärts-Ausparken in meine Front. Aber es war keine große Sache und er hat seine Schuld sofort zugegeben.
Das haben wir vor:
Demnächst wollen mein Freund und ich einen kleinen Europa-Roadtrip machen. Mit dem Porsche wollen wir bis nach Barcelona fahren und unterwegs campen. Höchstwahrscheinlich werde ich mehr fahren als er. Er hat sehr großen Respekt vor dem Auto, glaube ich. Er will einfach nicht der Grund sein, dass etwas kaputt geht. Außerdem ist er 1,90 Meter groß. Dieses Auto ist nicht für große Leute gemacht. Auf dem Beifahrersitz hat er auf jeden Fall mehr Platz als am Steuer.
Den 924-er werde ich so schnell nicht abgeben, das steht fest. Aber noch schöner finde ich den alten Porsche 911. Mir den eines Tages leisten zu können, wäre ein Traum. Ab jetzt heißt es also Karriere machen.
Aufgezeichnet von Tobias Christ