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Armbrust-Attacke in Köln 33-Jähriger vor Gericht – Pfeil blieb in Opfer stecken

Ein 33-Jähriger steht in Köln vor Gericht, weil er mit einer Armbrust auf einen 26-Jährigen geschossen hat. (Symbolbild)

Ein 33-Jähriger steht in Köln vor Gericht, weil er mit einer Armbrust auf einen 26-Jährigen geschossen hat. (Symbolbild)

Köln – Er wollte seine Freundin besuchen. Doch im Treppenhaus zu ihrer Wohnung wird ein 26-Jähriger zur Zielscheibe eines Armbrustschützen – und entgeht knapp am Tod. Seit Mittwoch steht der Täter (33) unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Kölner Landgericht. 

Es ist eine filmreife, irgendwie surreale Szene, die sich am Nachmittag des 7. August 2021 in einem Mehrfamilienhaus in Buchheim abspielt. Von der Arbeit kommend, will der 26-Jährige der Tochter (5) seiner Freundin (26) noch Spielsachen vorbeibringen. Doch die Klingel für die Wohnung der Liebsten ist kaputt, also textet er ihr, sie möge die Haustür aufsummen. Da erscheint ein Unbekannter, klingelt und bekommt von einem anderen Hausbewohner geöffnet. Der 26-Jährige nutzt die Gelegenheit und folgt ins Treppenhaus.

Mit Armbrust bedroht: 26-jähriger Kölner glaubt erst an einen Scherz

Im ersten Obergeschoss steht der Angeklagte vor seiner Wohnung. Ein muskulöser Mann, der mit freiem Oberkörper, nur mit einer Hose bekleidet, in seiner Wohnungstür steht. Zunächst richtet er seine Armbrust auf den Unbekannten, der vor dem 26-Jährigen ins Haus gegangen ist. „Ein Scherz“, vermutet das spätere Opfer im Zeugenstand. Denn die Männer lachen, umarmen sich zur Begrüßung und der Unbekannte verschwindet in der Wohnung.

Dann richtet der Angeklagte, so schildert es der 26-Jährige und so ist es in der Anklage der Staatsanwaltschaft niedergelegt, die gespannte und mit einem Pfeil mit Stahlspitze bestückte Armbrust auf den 26-Jährigen und sagt: „Stell Dich an die Wand wie ein Mann.“ Der 26-Jährige antwortete: „Das mach’ ich nicht.“ Weiter berichtet der in dem Prozess als Nebenkläger auftretende Geschädigte: „Dann hat der die Armbrust angesetzt und abgedrückt.“

Einen halben Millimeter weiter und Opfer wäre tot gewesen

Der Pfeil dringt auf Herzhöhe in die Brust ein. Es fehlt ein halber Millimeter, sonst wäre die Herzwand eröffnet worden und der 26-Jährige wäre wohl tot gewesen, wie es in der Anklageschrift heißt. Die Pfeilspitze berührt die Herzwand lediglich, der hierdurch hervorgerufene Bluterguss bildet sich ohne operativen Eingriff zurück. Glück muss man haben.

Nach dem Brusttreffer geht der 26-Jährige vor Schmerz in die Knie. „Verpiss Dich von hier“, sagt der Täter noch und tritt dem Opfer vor die Schulter, wie der Nebenkläger im Zeugenstand sagt. Der Mann rappelt sich auf, schleppt sich die Treppe hinunter und bemerkt erst auf dem Weg vors Haus, dass ein Pfeil in seiner Brust steckt. „Den habe ich mir dann selber rausgezogen.“ Es sei ein blauer Pfeil gewesen, den er vermutlich im Hausflur weggeworfen habe. Gefunden wird er später nicht.

In Streit eingemischt: Armbrustattacke in Köln aus Rache?

Vor dem Haus kann er sich nicht mehr auf den Beinen halten, setzt sich an die Hauswand. Seiner Freundin schickt er eine Sprachnachricht: „Auf mich wurde geschossen.“ Die Frau glaubt an einen Scherz, findet ihren Freund dann aber blass, schwer atmend und kurz vor der Ohnmacht auf.

Als Motiv deutete der Geschädigte einen möglichen Racheakt an. Er habe sich einige Monate vor der Tat in einen Streit zwischen seiner Freundin und der Ehefrau des Angeklagten eingemischt und sei später von dem 33-Jährigen bedroht worden. Verteidiger Gottfried Reims erklärte, dass der 33-Jährige die Tat einräume. Der Prozess wird fortgesetzt.