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Zum Spielen am NachmittagAuch Bonn und Essen öffnen Schulhöfe – Stadt Köln prüft weiter

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An Kölner Schulhöfen hängen Schilder, die den Zutritt für die Öffentlichkeit verbieten.

An Kölner Schulhöfen hängen Schilder, die den Zutritt für die Öffentlichkeit verbieten.

In Köln sind Schulhöfe nach dem Unterricht noch immer geschlossen, obwohl die Politik mindestens öffnen wollte. Nach Düsseldorf beweisen auch Essen und Bonn, wie es funktionieren kann.

In Köln können Kinder und Jugendliche nach Unterrichtsende nicht auf Schulhöfen spielen – und das, obwohl es an Spielflächen mangelt. Vor einem Jahr hat die Stadt von der Politik den Auftrag erhalten, zumindest einige Höfe möglichst schnell zu öffnen. Passiert ist bis heute nichts.

Während Köln weiter prüft, machen andere Städte vor, wie es funktioniert. Nicht nur in Düsseldorf (wir berichteten), auch in Bonn und Essen stehen die Schulhöfe Kindern und Jugendlichen nach dem Unterricht zur Verfügung. Mehr noch: Während das Kölner Pilotprojekt für neun Schulhöfe 500.000 Euro pro Jahr kostete, sagen Düsseldorf, Bonn und Essen: Mehrkosten fallen nicht an.

Es ist also möglich, ohne zusätzliche Kosten die Schulhöfe nach Schulende zu öffnen – nur nicht in Köln. Warum?

Sprecherin verteidigt Kölner Vorgehen

Eine Sprecherin der Stadt Köln sagte: „Das Modell der Schulhoföffnung, das Düsseldorf zurzeit praktiziert, und das ehemalige Pilotprojekt in Köln sind sowohl konzeptionell als auch bezüglich der damit verbundenen Kosten nicht unmittelbar vergleichbar.“

Eine Düsseldorfer Sprecherin hatte bereits mitgeteilt, die Stadt habe seit den 1970er-Jahren gute Erfahrungen mit dem Betrieb von Schulhöfen als Spielhöfen gemacht. Der Düsseldorfer Stadtrat weitete 2025 die Öffnung von Schulhöfen noch aus, indem er entschied, nicht nur einzelne Schulhöfe offen zu lassen, sondern grundsätzlich alle zu öffnen, außer es gebe dort Probleme. Die Stadt Düsseldorf zahlte nur für neue Schilder. Seitdem spielen die Kinder dort. 

Stadt Köln bewertete offene Schulhöfe selbst positiv

Köln hatte von 2021 bis 2024 ein Pilotprojekt durchgeführt, in dem die Stadt eine Schule in jedem der neun Bezirke öffnete. Die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) reinigten die Schulhöfe täglich, ein  Schließdienst kümmerte sich.

Nach zwei Jahren bewertete die Stadt das Projekt selbst als erfolgreich und verlängerte es um ein Jahr. Nur kostete es sie rund 500.000 Euro im Jahr (233.236 Euro für die Reinigung und 265.499 Euro für das Schließen). Wegen „haushalterischer Gründe“ beendete die Stadt das Projekt ohne Vorwarnung im Dezember 2024.

Im Januar 2025 forderte der Schulausschuss des Stadtrats die Verwaltung auf, „kurzfristig geeignete Maßnahmen zu treffen“, damit die Schulhöfe außerhalb der Schulzeit wieder für Sport und Spiel genutzt werden können. Auch soll sie die Kosten optimieren und weitere Schulhöfe öffnen.

Stadt Köln: Wir arbeiten dran

Dem Schulausschuss teilte die Stadt nach 15 Monaten im März dieses Jahres dann mit, sie arbeite noch daran und werde unter anderem andere Städte nach ihrer Erfahrung fragen. Gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichteten diese auf Nachfrage von ihren größtenteils positiven Erfahrungen.

Auf das Beispiel aus Düsseldorfer angesprochen, sagte die Kölner Sprecherin jetzt: „Wie in der Zwischeninformation für Politik bereits ausgeführt, prüft die Stadt Köln im Zuge dessen zurzeit die Möglichkeiten einer dauerhaften Schulhoföffnung.“

Auf Basis der Ergebnisse wolle die Verwaltung dann mit allen Beteiligten das Gespräch suchen, um schließlich der Politik einen Beschlussvorschlag vorzulegen. „Auch das Düsseldorfer Modell wird dabei in Erwägung gezogen.“

Eine Nachfrage, was dagegen spricht, die Schulhöfe einfach länger offen zu lassen, und wann die angekündigte Beschlussvorlage kommt, konnte die Stadtverwaltung zeitnah nicht beantworten.

Bonn lässt Schulhöfe grundsätzlich offen

In Bonn öffnen die Schulhöfe außerhalb der Unterrichtszeiten schon seit 2007, Geld kostet das nicht.

Die Regeln auf dem Schulhof einer Bonner Gesamtschule (Archivbild).

Die Regeln auf dem Schulhof einer Bonner Gesamtschule (Archivbild).

Die Schulhöfe sind bis längstens zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet, in jedem Fall jedoch bis 19 Uhr. Am Wochenende und in den Ferien kann auf den Flächen ab 9 Uhr gespielt werden. Nach einem Ratsbeschluss kann in Einzelfällen die Nutzung der Schulhöfe begrenzt werden: Denn die Sprecherin teilte auch mit, dass Vandalismus und Verschmutzung der Höfe und angrenzenden Schulgebäude zunehme.

Essen schließt Schulhöfe nur, wenn die Schulkonferenz es wünscht

In Essen, der drittgrößten Stadt im Bundesland, sind die Schulhöfe ebenfalls grundsätzlich nach Unterrichtsende offen. Erst wenn es Probleme gibt, werden einzelne auf Wunsch geschlossen. Ein Sprecher teilte mit: „Die Öffnung an Sonn- und Feiertagen haben in Essen insgesamt 26 Schulen per Schulkonferenz-Beschluss zurückgenommen, damit steht dennoch der größte Teil der Schulhöfe offen.“

2022 erweiterte der Essener Verwaltungsvorstand die Spielzeit für Kinder bis 14 Jahre auch aufs Wochenende, nachdem Eltern und Anwohner das gewünscht hatten. Die Stadt teilte damals mit, dazu habe sie sich vor dem Hintergrund entschieden, „dass nahezu alle Stadtteile mit Spielflächen unterversorgt sind, sowie der Tatsache, dass die Schulhöfe für die Kinder bekannte und vom Verkehr geschützte Spielorte darstellen“.

In Essen bedeutet das nicht, dass ein zusätzlicher Schließdienst abends durch die Stadt fährt oder die Hausmeister mehr Arbeit haben. Im Gegenteil, die Hausmeister der Schulen schließen die Tore einfach nicht mehr ab.

Ein Essener Stadtsprecher sagte: „Die Schulhöfe bleiben dauerhaft geöffnet. Die Nutzungszeiten sind ähnlich wie bei Spielplätzen ausgeschildert.“ Auch in Essen gibt es keine zusätzliche Reinigung oder zusätzliche Investitionen. „Dadurch entstehen keine zusätzlichen Kosten durch die Öffnungen.“