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BauaufsichtsamtBuntenbroich seit 30 Jahren im Amt

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Nach dem Absturz eines Rettungspodests 2001 am Zülpicher Wall mit zwei Toten ließ Buntenbroich mehr als 3000 Notleitern in der Stadt überprüfen. (Foto: Belibasakis)

Köln – Gefragt nach dem hässlichsten Bauwerk, dessen Bauantrag auf seinem Schreibtisch gelegen hat, lächelt Prof. Lothar Buntenbroich – und schweigt. Als stellvertretender Leiter des Bauaufsichtsamt hat er in seiner 30-jährigen Tätigkeit für die Stadt Köln einiges genehmigen müssen, was nicht seinem ästhetischen Empfinden entsprach. Aber sein Einfluss auf die Ästhetik sei rechtlich sehr begrenzt gewesen, sagt Buntenbroich.

Für ihn galt es vielmehr, die Bauanträge auf Rechtmäßigkeit zu prüfen. Oft seien dabei die kleinen Vorhaben viel komplizierter gewesen, sagt Buntenbroich. Ein Grund: Nachbarschafts-Streitigkeiten. „Wenn wir genehmigt haben, hat der Nachbar geklagt. Haben wir nicht genehmigt, klagte der Bauherr“, nennt der städtische Bedienstete, der Anfang des Monats in den Ruhestand wechselte, ein Dilemma seiner Arbeit.

Besondere Projekte

Die hat ihm ganz besondere Projekte beschert. Etwa den Bau des Schokoladenmuseums, bei dem die Herausforderung die Schnelligkeit gewesen sei. „Herr Imhoff hat hier sehr viel Druck gemacht, weil ihm das Projekt so wichtig war“, erinnert sich Buntenbroich.

Unweit vom Museum stehen die Kranhäuser – noch so ein besonderes Projekt. Dass diese Konstruktion überhaupt stehen bleibt, wundert den Laien: „Sie ruhen nur auf einem Mikado-Stäbchen – so haben es die Statiker genannt. Und die Last, die darauf ruht, entspricht umgerechnet rund 600 Müllfahrzeuge“, weiß der studierte Diplom-Ingenieur, der auch Baurecht an der RWTH Aachen lehrt.

Spannend sei zudem die Entwicklung des Müngersdorfer Stadions gewesen. In den 90er Jahren sei der Wunsch aufgekommen, hier auch Open-Air-Konzerte stattfinden zu lassen. „Doch der Innenraum war für 22 Spieler gedacht und nicht für 30 000 Zuschauer“, sagt der Vater dreier Kinder und vierfache Großvater. Neben der Schaffung von Fluchtwegen sorgten schwingende Oberränge, auf denen die Zuschauer hüpften, für Probleme. „Es kam zu Abplatzungen am Spannbeton.“ Die Konsequenz: Bei jedem Konzert saß ein Mitarbeiter auf dem Oberrang bei den Messinstrumenten und ein weiterer am Mischpult – vor ihm eine rote Lampe. „Wenn die aufgeleuchtet hätte, hätte er die Musik abstellen müssen“, so Buntenbroich. Aber es sei nur einmal kurz davor gewesen. „Bei einem Stones-Konzert Ende der 90er.“

Schlimme Erinnerungen

Bei solch charmanten Anekdoten vergisst Buntenbroich nicht, zwei große Unglücke, die in seine Amtszeit fielen. Da sei der Einsturz des Stadtarchivs gewesen, bei dem seine Behörde zwar nicht die Bauaufsicht gehabt habe, danach allerdings intensiv im Einsatz gewesen sei. „Es war eine Zeit, die für jeden Kölner wohl schrecklich war“, sagt der gebürtige Domstädter.

Das zweite Unglück war der Absturz von vier Studenten mitsamt einem Rettungspodest am Zülpicher Wall im Jahr 2001 mit zwei Toten. Anschließend entschied Buntenbroich, alle Podeste in der Stadt auf ihre Standsicherheit zu überprüfen. 230 000 Hauseigentümer wurden angeschrieben, am Ende über 3000 Podeste überprüft. „Davon mussten fast alle saniert werden, so dass Köln heute die wohl sichersten Notleitern und Rettungspodeste in ganz NRW hat.“

Bleibt die Frage, was denn nun das schönste Bauwerk ist, das als Plan auf seinem Schreibtisch gelegen hat? Prof. Lothar Buntenbroich lächelt wieder – und sagt: „Kolumba, das Diözesanmuseum.“

In einer Anfrage der FDP befürchtet die Partei, dass Baugenehmigungsverfahren in der Stadt zu lange dauern und so die städtische Entwicklung hemmen.

Ohne explizit darauf angesprochen worden zu sein, gab Prof. Lothar Buntenbroich einige interessante Einblicke in die Baugenehmigungsverfahren. So habe sich in den vergangenen Jahren die Zahl der Anträge bei durchschnittlich rund 6000 eingependelt. Insgesamt könnten rund 1000 davon durch die 24-Stunden-Baugenehmigung abgewickelt werden, die in der Amtszeit Buntenbroichs eingeführt wurde.

Ein Problem sieht er in der immer schlechter werdenden Antragsqualität der Architekten. „Über zehn Prozent der Anträge schicken wir zunächst zurück, weil sie noch nicht einmal die Mindestanforderungen erfüllen“, so der stellvertretende Leiter des Bauaufsichtsamts. Seine Wunschvorstellung sei, dass die Behörde die Antragsteller intensiver betreuen könnte, um diese Fehler im Vorhinein bereits zu vermeiden. „Doch dafür fehlt einfach das Personal.“

Laut FDP-Antrag bietet die Stadt Neuss ihren Bürgern eine ausführliche und verbindliche Beratung vor Erstellung der Bauantragsunterlagen an. Die Liberalen wollen im Ausschuss für Stadtentwicklung daher von der Verwaltung wissen, wie sie das Neusser Modell beurteilt und ob nicht eine Einführung auch in Köln möglich sei. (ron)