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Baubeginn für 2040 geplantStadt Köln kann intakte Zoobrücke bis zur Sanierung nicht garantieren

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Die Zoobrücke gehört zu den Hauptverkehrsachsen in Köln

Die Zoobrücke gehört zu den Hauptverkehrsachsen in Köln

Tempo 50 gilt in den nächsten 20 Jahren. Erst danach sollen die Schutzplanken erneuert und wieder Tempo 80 eingeführt werden.

Die Rheinbrücken in städtischer Hand stellen Köln in den kommenden 20 Jahren vor gewaltige Probleme: Das Mobilitätsdezernat muss alle vier Brücken instandsetzen lassen, was während der Bauarbeiten zumindest zeitweise zu Engpässen führen wird. „Die Rheinbrücken sind für Köln unverzichtbar, insbesondere für die Wirtschaft“, sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) am Freitag anlässlich des sechsten Kölner Brückengipfels. Neben den Verkehrseinschränkungen belastet die Stadt vor allem der enorme Investitionsbedarf von insgesamt deutlich mehr als einer Milliarde Euro. Allein die laufende Sanierung der Mülheimer Brücke liegt derzeit bereits bei 500 Millionen Euro.

325 Millionen Euro für Severinsbrücke

Für die Severinsbrücke, die ab 2030 an der Reihe sein soll, hat Mobilitätsdezernent Ascan Egerer am Freitag erstmals eine Zahl genannt: Eine Grobschätzung geht von 324,5 Millionen Euro aus. Es ist nach allen Erfahrungen mit anderen Großprojekten davon auszugehen, dass es dabei nicht bleiben wird. Was die Instandsetzungen von Deutzer Brücke und Zoobrücke kosten werden, ist derzeit laut Egerer nicht seriös zu beantworten. Die Tatsache, dass die Zoobrücke ungefähr so lang ist wie die Severinsbrücke, lässt allerdings nichts Gutes erahnen.

Die Sanierung der Severinsbrücke soll 324,5 Millionen Euro kosten.

Die Sanierung der Severinsbrücke soll 324,5 Millionen Euro kosten.

Oberbürgermeister Burmester wollte angesichts der  hohen Summen und der schwierigen Haushaltslage am Freitag nicht ausschließen, auch über den Abriss und Neubau von Rheinbrücken nachzudenken. Abgesehen von der Zoobrücke stehen die Bauwerke in städtischem Eigentum unter Denkmalschutz. Kritiker und Bauexperten vertreten die Ansicht, dass Abriss und Neubau der Mülheimer Brücke  billiger gewesen wären als eine Sanierung. „Das ist immer ein Abwägungsprozess, weil die Brücken das Stadtbild prägen, aber wir müssen uns da alle Wege offenhalten“, sagte Burmester.

Land NRW soll sich stärker beteiligen

Auf die seit elfeinhalb Jahren laufende Sanierung der Mülheimer Brücke  mit einer Verfünffachung des ursprünglich geplanten Budgets blickte der OB kritisch. „Wir wollen daraus lernen und in Zukunft die Auftragnehmer früher in die Planungen einbeziehen“, sagte er. Überdies müsse die Stadt für die Bauunternehmen größere Anreize schaffen, innerhalb der Zeitplanung zu bleiben. Burmester forderte zudem, dass sich das Land Nordrhein-Westfalen stärker an den Kosten von Brückensanierungen beteiligen solle – nicht nur Kölner nutzten die Kölner Brücken.

Die Instandsetzung der Mülheimer Brücke kostet 500 Millionen Euro.

Die Instandsetzung der Mülheimer Brücke kostet 500 Millionen Euro.

Sonja Rode, Leiterin des Amtes für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau, räumte ein, dass die Stadt Köln die Mülheimer Brücke vor dem Baubeginn noch intensiver hätte untersuchen müssen. „Es wurden aber keine Fehler gemacht“, sagte sie. Die Stadt Köln habe zuvor eben noch keine Erfahrung mit der Sanierung einer älteren Rheinbrücke gehabt. Als große Herausforderung bezeichnete sie das Bauen unter laufendem Verkehr. Dass die Mülheimer Brücke für den Autoverkehr kaum gesperrt war, habe das Projekt deutlich erschwert. Man müsse deshalb zumindest darüber nachdenken, ob es mit einer Vollsperrung nicht schneller gegangen wäre.

Kein nahtloser Übergang möglich

Mobilitätsdezernent Ascan Egerer betonte, dass die Stadt Köln an der Strategie festhalten wolle, die Brücken hintereinander zu sanieren, um  weitere Verkehrsengpässe zu vermeiden. Für Überraschung sorgte allerdings, dass die Mülheimer Brücke zwar bereits im Herbst 2028 wieder für den Autoverkehr freigegeben sein soll, die Instandsetzung der Severinsbrücke aber dennoch erst im Jahr 2030 beginnen wird. Ein nahtloser Übergang sei nicht möglich, da die städtischen Planer nach dem Herbst 2028 zunächst noch mit Restarbeiten an der Mülheimer Brücke beschäftigt seien, die keine Auswirkungen auf den Verkehr haben. Erst danach könne die Stadt vollständig in die Planungen für die Severinsbrücke einsteigen. Einen politischen Beschluss will Egerer noch in diesem Jahr einholen.

Blick auf die Deutzer Brücke, die ab 2036 saniert werden soll.

Blick auf die Deutzer Brücke, die ab 2036 saniert werden soll.

2035 soll die Severinsbrücke fertig sein, ab 2036 soll dann die Deutzer Brücke an der Reihe sein. Erst im Jahr 2040 soll die wichtigste der vier Brücken folgen: die Zoobrücke, eine der Hauptverkehrsachsen in Köln, auf der jeden Tag zwischen 120.000 und 150.000 Autos unterwegs sind. Die Frage, ob die Stadt Köln sicherstellen kann, dass die Zoobrücke in den nächsten 20 Jahren auch wirklich durchhalten wird, verneinte die Amtsleiterin. „Garantieren können wir gar nichts“, sagte Rode. Die Stadt unternehme alles für den Erhalt, was sie könne. „Deshalb gehen wir von möglichst wenig Einschränkungen aus“, so Rode. Regelmäßig werden die Brücken notdürftig geflickt, um ihre Lebensdauer zu verlängern.

Eine Einschränkung wird es allerdings in den nächsten 20 Jahren dauerhaft geben: Die Stadt Köln will an Tempo 50 auf der Zoobrücke festhalten, bis die Generalsanierung abgeschlossen ist. Das wird frühestens Mitte der 2040er Jahre der Fall sein. Das Mobilitätsdezernat hatte die Höchstgeschwindigkeit am 1. Oktober 2023 von Tempo 80 auf Tempo 50 herabgesetzt. Nach einem Unfall sei aufgefallen, dass die Schutzplanken an der Seite und in der Mitte nicht mehr den aktuellen Sicherheitsanforderungen genügen. Die Politik drängte darauf, die Schutzeinrichtung möglichst schnell zu erneuern – doch die Stadt will das erst im Zuge der Sanierung erledigen.

Sollte Köln im Rahmen der Bewerbung der Region Rhein-Ruhr den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 erhalten, müsste die Stadt ihren Sanierungsplan wohl noch einmal überarbeiten. Ansonsten stünde während der Spiele eine wichtige Rheinbrücke nicht zur Verfügung.