Er soll im Kölner Süden monatelang Autoscheiben eingeschlagen, Reifen zerstochen und Lacke zerkratzt haben. Wegen einer psychischen Erkrankung droht ihm statt einer Haftstrafe auch die dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie.
In Köln vor Gericht39-Jähriger soll mehr als 220 Autos verwüstet haben

Das Landgericht Köln
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Er soll Scheiben eingeschlagen, Reifen zerstochen und Lackierungen an Autos zerkratzt haben: Seit Freitag steht nun ein 39-Jähriger wegen 223-facher Sachbeschädigung vor dem Landgericht. Der Schaden soll sich auf eine geschätzte Gesamtsumme von rund 226.000 Euro belaufen. Laut Anklage reicht der Tatzeitraum von Juni 2024 bis August 2025. In dieser Zeit soll der Palästinenser mit israelischer Staatsangehörigkeit, der zuletzt in Köln ohne festen Wohnsitz war, immer wieder mit einem spitzen Gegenstand Frontscheiben zerschlagen und beschädigt, Reifen zerstochen und Lackierungen zerkratzt haben. Tatort war der Kölner Süden: Vor allem die Stadtteile Bayenthal und Marienburg sollen betroffen gewesen sein, aber auch Raderthal und Raderberg. Die Anklageverlesung der 223 Fälle hatte derweil was von einem „Who is Who“ der derzeit erhältlichen Automodelle: Von Porsche, Mercedes-Benz und BMW über Audi, VW Skoda und Mitsubishi war alles unter den geschädigten Fahrzeugen.
Zunächst von der Untersuchungshaft verschont
Bereits im Oktober 2024 war der Mann von der Polizei festgenommen und anschließend vom Amtsgericht in Untersuchungshaft genommen worden. Aufgrund einer psychischen Erkrankung, war der Mann aber nach einem knappen Monat von weiterer Untersuchungshaft verschont worden, mit der Auflage, sich behandeln zu lassen. Das habe der Mann aber nicht gemacht und stattdessen die nächste Sachbeschädigungsserie begonnen, ehe er im August 2025 erneut festgenommen wurde. Nach kurzer Zeit in einer JVA war der Mann aufgrund seiner psychischen Erkrankung schließlich ins Justizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg bei Unna verlegt worden, wo er seither einsitzt. Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger Ingo Lindemann verständigten sich zu Prozessbeginn aber darauf, dass der 39-Jährige kurzfristig in eine Psychiatrie nach Köln verlegt werden soll. Dort sei der 39-Jährige besser aufgehoben und die Anreise zum Prozess gestalte sich einfacher. Die Kammer verkündete dann noch einen rechtlichen Hinweis, wonach dem Angeklagten statt einer Strafe auch die dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie drohen könnte.
Zu den Vorwürfen schwieg der Angeklagte zunächst. „Sie werden sich nicht wundern, aber wir werden zur Sache erst mal nichts sagen“, erklärte Lindemann, der über seinen Mandanten weiter berichtete, dass dieser „krankheitsbedingt nicht zu einer Behandlung“ bereit sei. Stattdessen wolle der 39-Jährige, der in Ramallah im von Israel besetzten Westjordanland geboren wurde, zurück in die Heimat. Die Chancen auf eine Rückkehr stünden für einen Palästinenser mit dem aktuellen Krankheitsbild derzeit äußerst schlecht, sagte der Verteidiger weiter. Der Mandant sei „in Deutschland gestrandet“ und sei traumatisiert aufgrund einer Inhaftierung in Israel im Jugendalter.
