Ein LSU-Mitglied äußert sich zum Widerspruch zwischen Parteipolitik und der Teilnahme der CDU am Kölner CSD – und kritisiert dabei auch den Kanzler.
„Merz ist kein gutes Aushängeschild“Buhrufe in Köln – Hat die CDU einen Platz auf dem CSD?

Der Wagen der CDU war während der CSD-Demonstration in Köln Buhrufen ausgesetzt.
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Am vergangenen Sonntag, dem 4. Juli, rollten 90 Wagen bei der Parade anlässlich des Christopher Street Days durch die Kölner Innenstadt. Ein Wagen stach dabei heraus, denn er wurde von Buhrufen begleitet.
Peter Sturm-Breil fuhr mit auf diesem Wagen der „Lesben und Schwulen der Union“ (LSU), eine Interessenvertretung aus den Reihen der CDU/ CSU. „Ich hatte Panik in den Augen“, erzählt der 66-Jährige dieser Redaktion. „Junge und Alte haben einen Wagen beschimpft, der versucht, sich für ihre Rechte einzusetzen.“
„Für mich liegt der Widerspruch in der Tatsache, dass viele Zuschauer zu einer Demonstration gehen, die sich für die Rechte von Minderheiten einsetzt, um dann Teilnehmer dieser Demonstration bewusst zu beleidigen und auszugrenzen“, sagt Sturm-Breil dazu.
Dabei geht es für die Buhrufer anscheinend nicht unbedingt die Frage, ob sich eine Gruppierung innerhalb der CDU für queere Rechte einsetzt, sondern ob die Öffentlichkeit das glauben kann und will.
Die LSU beim PrideCologne: Ein unsichtbares Engagement?
Sturm-Breil betont, dass die LSU und CDU bereits viel erreicht hätten. Die Anwesenheit von NRW-Innenminister Herbert Reul beim CSD in Köln ist für ihn ein Beweis dafür. Gleichzeitig sieht er einen Wandel innerhalb der Partei – betont aber auch die Grenzen dieser Veränderungen.
„Natürlich können wir nicht so große Schritte machen, wie andere Parteien“, betont er. „Es ist ein schwerer Prozess in der heterogenen CDU.“ Dennoch ist für ihn die CDU immer noch die Partei, der er sich am meisten zugehörig fühle. „Für mich ist die CDU die Volkspartei“, erklärt der Kölner.
Er erkennt auch, dass sein eigenes Engagement von der Parteiführung untergraben werde. „Merz ist kein gutes Aushängeschild“, kritisiert er den Bundeskanzler. Er sieht ihn als schädlich für eine Partei, die viele „gute Leute“ habe, die auch bereit wären, einen liberaleren Kurs zu fahren.
Für Sturm-Breil ist es ein Spagat zwischen dem, wofür er sich mit der LSU einsetzt, und dem, wofür die christdemokratische Partei noch immer stehe und wie sie wahrgenommen werde. Es sei eine Glaubwürdigkeitslücke, die sich in den Reaktionen auf die CSD-Teilnahme zeige.
Die Glaubwürdigkeitslücke der CDU
Wie setzt man sich dann für queere Rechte ein – aus einer Partei heraus, die in den letzten Jahren immer wieder mit restriktiven Positionen in der Kritik stand?
In den mehr als 800 Kommentaren unter dem Artikel des „Kölner Stadt-Anzeiger“ zu der Teilnahme der CDU am CSD zeigt sich dieses Problem. Die Kritik richtet sich nicht nur gegen einzelne Politiker oder Positionen, sondern gegen die Grundstruktur.
Immer wieder taucht derselbe Vorwurf auf: Die LSU sitze in einer Partei, die – zumindest in den Augen vieler – nicht für die Toleranz stehe, die beim CSD zentral sein sollte, heißt es.
Ein Nutzer schreibt: „Trennt euch konsequent von eurer Parteispitze und sorgt dafür, dass eure Partei sich freimacht von Menschen, die queeres Leben als Zirkus bezeichnen. Dann werdet ihr auch mit offenen Armen wieder empfangen und wieder als Teil der Community gesehen und seid herzlich willkommen.“
Andere Kommentare sind schärfer: „Wir schränken eure Rechte immer weiter ein, aber seid bitte nicht gemein zu uns“, spöttelt ein Nutzer. Ein anderer schreibt: „Alles, was die LGBTQAI-Bewegung erreicht hat, etwa eingetragene Lebenspartnerschaften für homosexuelle Paare oder die gleichgeschlechtliche Ehe, hat sie vor allem gegen CDU/CSU erkämpfen müssen – daran ändert auch eine Lesben- und Schwule Interessengemeinschaft innerhalb der CDU/CSU nichts. Buhrufe also voll berechtigt – ganz unabhängig von der Kritik an Friedrich Merz.“
Diese Reaktionen sind Ausdruck einer Unzufriedenheit, die sich nicht erst seit dem CSD zeigt. Schon länger kritisieren Fachverbände wie der CSD Deutschland e.V. oder LSVD+-Verband Queere Vielfalt die Haltung der Union, die die Verankerung des Diskriminierungsschutzes wegen „sexueller Identität“ im Artikel 3 des Grundgesetzes ablehnt, das Selbstbestimmungsgesetz kritisiert und 2017 mehrheitlich gegen die Ehe für Alle stimmte.
Das Dilemma der CDU-Queeren
Peter Sturm-Breil arbeitet für queere Rechte innerhalb einer Partei, die nach außen hin für viele queere Menschen nicht wie der richtige Platz wirkt. Sein Engagement ist real – aber es bleibt für viele unsichtbar.
Dabei zeigt sich immer wieder ein strukturelles Problem: Interne Veränderung kann nicht glaubwürdig wirken, solange die nach außen sichtbare Politik dem widerspricht. Peter Sturm-Breil arbeitet gegen einen Widerstand, der größer ist als sein Engagement.