Erst vor vier Jahren wurde der FC Chorweiler gegründet. Nun wird er das Opfer seines eigenen Erfolgs. Die Nachfrage übersteigt das Angebot an Trainingskapazitäten.
Mehr PlatzFC Chorweiler fordert mehr Kapazitäten

Die Mannschaften des FC Chorweiler spielen in weißen Trikots.; Spieler des FC Chorweiler in Aktion
Copyright: FC Chorweiler
Fußball ist im Kölner Norden gelebte Alltagskultur: Mit dem FC Pesch, dem SV Auweiler-Esch, dem SC Köln-Weiler, dem KSV Heimersdorf, dem SV Fühlingen-Chorweiler, der SpVg Rheindörfer Köln-Nord und der SG Worringen finden Fußballbegeisterte eine seit Jahrzehnten etablierte Vereinslandschaft mit eigenen Trainings- und Sportstätten vor. Dennoch ist hier auch Raum für Neues, das zeigt der FC Chorweiler: Der wurde erst 2022 gegründet, verfügt aber bereits über neun Jugendmannschaften und zwei Herrenmannschaften in der Kreisliga D, die erste Mannschaft spielt um den Aufstieg in die Kreisliga C mit. Jeweils montags und mittwochs haben die 135 Mitglieder Gelegenheit, auf dem Kunstrasenplatz der Bezirkssportanlage Chorweiler zu trainieren – über eigene Trainingsstätten verfügt der Verein nicht.

Die Mannschaften des FC Chorweiler spielen in weißen Trikots.
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Gegründet wurde der FC Chorweiler von seinem ersten Vorsitzenden, Kerim Akpinar: Der 26-Jährige ist mitten in Chorweilers Zentrum aufgewachsen. „Mein Vater hat jahrelang den Kiosk am Pariser Platz am Eingang zur S-Bahnstation geführt“, erzählt er, „ich kenne Chorweiler in- und auswendig: die schönen Seiten, aber auch die Herausforderungen“. Auch Fußball ist seit seiner Kindheit fester Bestandteil seines Lebens - Lange Zeit war er als Trainer beim SV Fühlingen-Chorweiler aktiv. Dann trennte man sich jedoch und Akpinar stand eine Weile ohne Verein da. „Danach hatte ich Angebote von anderen Vereinen, teilweise außerhalb Kölns“, sagt er, „aber ich dachte mir, warum soll ich zu irgendeinem Verein gehen, mit dem ich mich gar nicht identifiziere?“ Der Entschluss, einen neuen Verein zu gründen, sei „aus einer Laune heraus entstanden, die sich verselbstständig hat“, meint er.
Zwar gibt es auch in Chorweiler bereits organisierten Fußball, so etwa die Mannschaften der Ditib Chorweiler. „Es blieb hier bisher aber alles sehr getrennt“, so Akpinars Beobachtung, „es gibt etwa ausdrücklich türkische oder muslimische Mannschaften. Das interessiert mich aber nicht, ich bin international aufgewachsen und das möchte ich auch in unserem Verein wiederfinden.“
Spieler aller Nationalitäten, auch geflüchtete Jugendliche sind dabei
Darum sind die Jugendmannschaften des Vereins so bunt zusammengewürfelt wie Chorweiler selbst – auch aus der benachbarten Geflüchtetenunterkunft finden viele Jugendliche den Weg zum FC Chorweiler. „Da sind Nationalitäten dabei, von denen hatte ich vorher noch nie gehört“, meint Akpinar lachend. Die Jugendlichen „so schnell wie möglich von der Straße zu holen“, ist ihm eine Herzensangelegenheit. „Ich bin selbst hier groß geworden, ich weiß, wie schnell man abrutschen kann. Darum brauchen die Kinder einen Ort, an dem sie sich sicher und dazugehörig fühlen, an dem sie sich entwickeln können“.
Für Frust sorgen allerdings zurzeit die begrenzten Trainingsmöglichkeiten – noch acht weitere Vereine nutzen den Kunstrasenplatz, die verfügbaren Trainingszeiten sind hart umkämpft. „Der Ascheplatz nebenan ist die meiste Zeit eben kaum bespielbar“, sagt Akpinar.
Er versucht vieles, um die Spielräume für den Verein zu erweitern – so sucht er etwa das Gespräch mit dem Sportamt und fragt bei den großen Vereinen der Umgebung an, ob sie freie Platzzeiten hätten – bisher jedoch ohne Erfolg. Ende des vergangenen Jahres wandte er sich schließlich an die Politik: In einer Bürgereingabe vor der Bezirksvertretung Chorweiler regte er den Bau eines zweiten Kunstrasenplatzes auf der Bezirkssportanlage an: „Das würde den Druck von den Vereinen nehmen, die Schulen entlasten und wäre ein deutliches Zeichen, dass Chorweiler unterstützt wird“.
Zwar zollten ihm die Bezirksvertreter Anerkennung und Respekt für sein Engagement, doch konnten sie ihm angesichts der Haushaltslage und der Prioritätenliste für den Bau von Kunstrasenplätzen nur wenig Hoffnung machen. Ein wenig im Stich gelassen fühlt sich Akpinar durchaus: „Wir könnten etwas Unterstützung gut brauchen“, sagt er. „Wir wollen einfach zeigen, dass wir hier wertvolle, ehrenamtliche Arbeit leisten und zur Integration beitragen.“
