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Neues AngebotChorweilerbad führt Schwimmzeiten für Frauen ein

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Sultan Kulak (2. von links) und Marita Heider (4. von links) stellten das Frauenschwimmen mit Vertretern der Kölnbäder, des Bäderbeirats und der Bezirksvertretung vor.

Sultan Kulak (2. von links) und Marita Heider (4. von links) stellten das Frauenschwimmen mit Vertretern der Kölnbäder, des Bäderbeirats und der Bezirksvertretung vor.

In einem dreimonatigen Pilotprojekt bleibt der Samstagnachmittag weiblichen Gästen vorbehalten. Dafür setzte sich eine Bürgerinitiative ein.

Beim Schwimmen gibt man seinen Körper zwangsläufig den Blicken anderer preis – für viele Frauen kein angenehmes Gefühl, gerade, wenn es sich um männliche Blicke handelt. Manche meiden Schwimmbäder daher und verzichten aufs Schwimmen, doch denen bietet das Chorweilerbad demnächst eine neue Anlaufstelle.

Ab dem 19. September findet hier, zunächst für eine Testphase von drei Monaten, jeden Samstag ein Frauenschwimmen statt. Zwischen 15 und 17 Uhr wird das Bad Mädchen, Frauen und ihren Kindern vorbehalten bleiben – bis zum Alter von sechs Jahren dürfen auch Söhne mitgebracht werden. Das neue Angebot ergänzt das bereits seit ein paar Jahren bestehende Frauenschwimmen im Genovevabad in Mülheim, das sehr gut angenommen wird.

Bürgerplattform „Stark!“ ermöglicht geschütztes Frauenschwimmen

Die Einrichtung des neuen Frauenschwimmens ist dem Engagement der Bürgerplattform „Stark! Im Kölner Norden“ zu verdanken, primär Marita Heider und Sultan Kulak, die vor zwei Jahren mit „Partizipation und Teilhabe im Kölner Norden“ ein Bürgerbeteiligungsprojekt angestoßen hatten. „Wir sprachen damals darüber, was Frauen im Kölner Norden fehlt. Dabei stellte sich heraus, dass sich viele Frauen wünschen, in einem geschützten Rahmen schwimmen gehen zu können“, sagt Marita Heider.

Um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln, hatten sie eine Umfrage durchgeführt, zum Teil vor Ort am Eingang des Chorweilerbads. So hatten sie gut 800 Stimmen sammeln und ein genaueres Stimmungsbild ermitteln können. „Dadurch war für uns klar, dass es nicht nur ein Wunsch einiger weniger war, sondern dass es konkreten und nachweisbaren Bedarf für ein solches Angebot gibt“, sagt Kulak.

Im vergangenen Jahr stießen sie ihre Kampagne an und knüpften Kontakte zu Kommunalpolitikern sowie zur Kölnbäder GmbH, um sie von diesem Bedarf zu überzeugen. „Als etwa die Bezirksvertretung Anfang des Jahres das Frauenschwimmen mit einem Antrag unterstützt hatte, war das für uns ein großer Etappenerfolg“, so Heider.

Grüne und Kölnbäder unterstützen Frauenschwimmen

Eike Danke, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, hat selbst kein Problem mit gemischtem Badbetrieb, „aber als Schulleiterin kenne ich die Situation, dass viele junge Mädchen den Schwimmunterricht meiden“, sagt sie. Auch die Geschäftsführerin der Kölnbäder, Claudia Heckmann, zeigte sich offen für die Idee. „Wir wollen möglichst vielen Menschen den Zugang zu unseren Bädern ermöglichen. Dazu gehört auch, unterschiedliche Bedürfnisse ernst zu nehmen und gemeinsam mit den Menschen vor Ort nach Lösungen zu suchen.“

Um tatsächlich einen geschützten Rahmen bieten zu können, bedurfte es auch baulicher Anpassungen, wie bei einer gemeinsamen Besichtigung der Schwimmhalle deutlich wurde. „Das erschien zuerst nicht ganz einfach“, sagt Marc Riemann, Leiter des Bäderbetriebsmanagements. „Vor allem wegen der hohen Glasfronten, durch die man von außen gut Einblick hat.“ Die notwendigen Installationen, um diese blickdicht zu machen, hätten also durchaus kostspielig werden können.

Das Schwimmerbecken im Chorweilerbad. Im Hintergrund sind die hohen Glasfronten zu sehen.

Das Schwimmerbecken im Chorweilerbad. Im Hintergrund sind die hohen Glasfronten zu sehen.

„Glücklicherweise haben wir aber festgestellt, dass das Chorweilerbad bereits über ein Rollladensystem verfügt“, sagt Riemann. Die Kosten für die Überarbeitung belaufen sich nun auf etwa 20.000 Euro – die Hälfte davon können die Initiatorinnen dank einer Spendenaktion selbst beisteuern. Um genügend rein weibliches Aufsichtspersonal aufbieten zu können, werden die Mitarbeiterinnen der Kölnbäder von Rettungsschwimmerinnen zweier Sportvereine unterstützt.

Die Möglichkeit, ohne Männer schwimmen zu können, spricht längst nicht nur muslimische Frauen an, wie Kulak und Heider betonen. „Frauen haben die unterschiedlichsten Gründe, unter sich bleiben zu wollen – zum Beispiel auch Missbrauchserfahrungen“, sagt Heider. „Es sollen sich alle willkommen und niemand ausgeschlossen fühlen.“

Ob das Angebot über die Testphase hinaus Bestand haben wird, ist noch nicht entschieden, aber der Wille ist bei allen Beteiligten vorhanden. „Im Genovevabad ist der Freitagnachmittag mit dem Frauenschwimmen die besucherstärkste Zeit“, weiß Riemann.