Am alten Schornstein des Merkenicher Heizkraftwerks, eines der höchsten Gebäude Deutschlands, müssen dringend Schäden ausgebessert werden.
Industriekletterer im EinsatzSchäden am höchsten Aussichtspunkt in Köln werden beseitigt

Der Schornstein des Merkenicher Heizkraftwerks, mit seinen 250 Metern das zweithöchste begehbare Gebäude Kölns.
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Der höchste begehbare Aussichtspunkt Kölns findet sich in Merkenich. Richtig gelesen: Sowohl die Aussichtsplattform des Kölner Doms, und der Kölntriangle in Deutz als auch der Colonius müssen sich dem Schornstein des Heizkraftwerks Köln-Merkenich geschlagen geben. Zwar ist der Colonius mit 266 Metern noch höher, doch dessen Aussichtsplattform liegt auf „nur“ 166 Meter Höhe, während man vom höchsten Punkt des Schornsteins aus 250 Metern Höhe über das Land blicken kann. Er ist damit nicht nur das zweithöchste Gebäude in Köln, sondern gehört auch zu den 100 höchsten Gebäuden Deutschlands. Auch wenn er schon lange nicht mehr in Betrieb ist, lässt die Rhein-Energie zurzeit die Außenhülle des Turms durch eine Spezialfirma aufwendig restaurieren.
In Betrieb genommen worden war das Heizkraftwerk mitsamt seines Schornsteins 1958, zunächst um die umliegenden Industriebetriebe mit Wärme und Prozessdampf zu versorgen. Damals wurde es noch mit Schweröl befeuert, was die enorme Höhe des Schornsteins erklärt. „Damals galt eben noch: Je höher man den Dreck in die Atmosphäre bläst, desto besser verteilt er sich und belastet nicht die unmittelbare Umgebung“, so Christoph Preuss, Pressesprecher der Rhein-Energie.
Vom Klimaschutz-Vorbild zur Vergangenheit
1989, die Anlage diente mittlerweile auch zur Versorgung von Merkenich, Chorweiler und Bocklemünd, wurde der Betrieb auf einen Braunkohle-Wirbelschichtkessel umgestellt, was damals als leuchtendes Beispiel für angewandten Klimaschutz galt. „Aus heutiger Betrachtung erscheint das völlig lächerlich“, meint Preuss, „aber damals wurde argumentiert, Braunkohle sei ein heimischer Rohstoff, der keine langen Transportwege brauche, und dessen Bezug sicher vor irgendwelchen internationalen Verwerfungen sei.“
Da die ausgestoßenen Mengen von Feinstaub, Schwefel- und Stickoxiden deutlich geringer waren als vorher, wurde der alte Schornstein nicht mehr benötigt – dennoch hatte man sich dagegen entschieden, ihn abreißen zu lassen. „Einen 250-Meter-Turm legt man nicht eben so nieder“, sagt Preuss, „er steht mitten auf dem Werksgelände und außerdem nicht weit von der Wohnbebauung entfernt, eine Sprengung wäre also zu riskant gewesen. Bliebe nur, ihn stückweise zurückzubauen, aber die Turbinen in solchen Anlagen reagieren extrem sensibel auf Erschütterungen, also wollte man auch das nicht riskieren.“ Seitdem lässt die Rhein-Energie einmal im Jahr eine Inspektion durchführen, um die Sicherheit des Gebäudes zu überprüfen.
Verwitterung gefährdet Merkenicher Schornstein
„Bei der diesjährigen Inspektion wurde nun festgestellt, dass sich an der Stahlbetonhülle durch Verwitterung Abplatzungen gebildet haben“, sagt Yves Noël, Leiter des Merkenicher Heizkraftwerks. Durch den jahrzehntelangen abwechselnden Einfluss von Wärme und Kälte dehnt sich der Stahlbeton aus und zieht sich wieder zusammen, so dass sich Risse bilden. Dringt Wasser ein und gefriert, dehnt es sich ebenfalls aus und sprengt Teile der äußeren Schicht ab. „Die Bruchteile haben Größen zwischen einer Murmel und einem Hühnerei – das stellt natürlich eine Gefahr für unsere Beschäftigten dar“, so Noel.
Übernommen werden die Arbeiten durch die Schornsteinbau-Firma Willems & Schüller, die dafür Industriekletterer einsetzt, die sich von der Turmspitze aus abseilen. „Das ist wesentlich einfacher als die Alternative, das wäre ein fahrbarer Korb, den wir an der Brüstung des Schornsteins befestigen müssten“, sagt Geschäftsführer David Schüller, „aber so ein Korb wiegt auch seine 700 bis 800 Kilo und die Brüstung hier eignet sich nicht wirklich dafür.“ Daher seilen sich die Mitarbeitenden jeweils zu zweit ab, entfernen lose Betonteile und versiegeln die Bruchflächen. Die Fachleute der Firma sind Einsätze in so extremen Höhen gewöhnt, etwa durch Arbeiten an Windrädern.
Um die Verwitterung der Betonhülle weiter zu beobachten, sollen ab dem nächsten Jahr Drohnen zum Einsatz kommen. „Die werden die gesamte Oberfläche des Schornsteins abfliegen – gut 7500 Quadratmeter – und dabei vollständig abfotografieren, so dass wir uns ein lückenloses Bild machen können“, sagt Noel.
