Die Worringer Karnevalsgesellschaft Änze Kääls feiert genau wie „die Grosse“ in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Anfangs ging die KG sehr eigene Wege.
100 JahreÄnze Kääls aus Köln-Worringen feiern ihr Jubiläumsjahr

Das Traditionstanzkorps „Burgwache“ der KG Änze Kääls im Worringer Rosenmontagszug 2025.
Copyright: Roland Meurer
Schwarz-Weiß waren die neuen Farben, oder besser Nichtfarben, in Worringens „Goldenen Zwanzigern“. Schon bei ihrer Gründung vor 100 Jahren war für die Karnevalsgesellschaft Änze Kääls klar: bloß nichts Buntes und in jedem Fall abgrenzen von den bereits bestehenden farbenfrohen Worringer Gesellschaften „Immerfroh“, „Närrische“ oder „Löstige“. Hervorgegangen aus dem feierfreudigen Wanderclub Morgenrot, nannte sich das neue „schwatz-wieße“ Klübchen 1926 zunächst Casino-Gesellschaft. Schon früh wollten sich die Gründer im Worringer Karneval beteiligen – allerdings auf eigene Art. Immer gegen den Strich, immer schwarz-weiß kostümiert und geschminkt, veranstaltete die neue Gesellschaft ihren eigenen Rosenmontagszug, mit freiziehenden Originalgruppen und eigenem Zugweg, entgegen des gemeinsamen Rosenmontagszuges der anderen Gesellschaften.

Wurringer Buure Schnäuzerballett der KG Änze Kääls im Jahr 2014
Copyright: Änze Kääls
Jahrelang gingen sie weiterhin eigene Wege. Im Jahr 1933 wurde der Name Casino-Gesellschaft in Karnevalsgesellschaft geändert. Zwei Jahre später nahmen die Änze Kääls erstmals an einem gemeinsamen Rosenmontagszug unter der Regie des „Karnevals-Festausschuß“, dem heutigen Festkomitee Worringer Karneval, teil. Das Motto passte: „Alles unger eine Hot“. Man verabschiedete sich damals von bisherigen Schreibweisen wie „Äänze Käls“, „Aenze Käls“ oder „Ähnze Kääls“ und einigte sich auf den Eigennamen „Änze Kääls“, berichtet Jürgen Winters, Ex-Prinz der „Änze“ in der Session 2001/2002 und aktuell Zugleiter des Worringer Rosenmontagszuges. Wie viele andere Worringer Karnevalsgesellschaften sind auch die „Änze Kääls“ ein großes Familienunternehmen. Seit vier Generationen sind die Winters in der Gesellschaft aktiv. Sein Großvater Josef Winters sei einer der zwölf Gründungsmitglieder gewesen, erzählt der Enkel.

Das Traditionstanzkorps „Burgwache“ der KG Änze Kääls im Worringer Rosenmontagszug 1959
Copyright: Heimatarchiv Worringen
Die ersten Vereinsjahre waren nicht leicht. Erst 1939 bekam die Gesellschaft den Zuschlag für eine Prinzengestellung. Beworben hatten sich die beiden Herren Hermann Heier und Hermann Hüsch. Da beide stur an ihrer Kandidatur festhielten, wurde die Nominierung durch einen sportlichen Ringkampf entschieden, den Hermann Heier gewann. In dessen Prinzenjahr stellte die Gesellschaft erstmals ihr Tanzkorps „Burgwache“ vor. Der Name entstand ein Jahr zuvor bei einem Festumzug anlässlich der 650-Jahr-Feier zur Schlacht bei Worringen. Darin stellten die „Änze“ einen Wagen mit einer erzbischöflichen Burg, dem Burgvogt und der Burgwache. Bis heute hat das Traditionstanzkorps der Gesellschaft den historischen Namen Burgwache behalten.
Erste Sitzung nach dem Krieg fand 1948 im Saal Matheisen statt
Mit Kriegsbeginn 1939 endeten auch in Worringen alle Vereinstätigkeiten. Erst 1948 fand die erste Karnevalssitzung der KG Änze Kääls im Saal Matheisen statt. Seit der Session 1952/1953 stellen die „Änze“ mit vier anderen Gesellschaften und dem Männergesangverein im Rhythmus von sechs Jahren den Prinz Karneval in Worringen. Obwohl die Mitgliedschaft bei den Änze Kääls bis Mitte der 1970er Jahre reine Männersache war, gab es Frauen im Verein, die schon in den 1960er Jahren sehr aktiv waren. Auf Initiative von Thea Anton gründete sich 1965 ein Kindertanzkorps, 1977 das „Wurringer Buure Schnäuzerballett“. Im gleichen Jahr erlebten die Worringer Jecken an Weiberfastnacht eine weitere Neuerung. Erstmals eröffnete Änze-Prinz Harry I. (Krusche) um 11.11 Uhr den Straßenkarneval auf dem Worringer Zillikensplätzchen neben der katholischen Kirche. Bis heute ein Highlight im Worringer Karneval. Die jüngste Vereinstruppe sind die „Junge Änze Kääls“ (JÄK), gefolgt von den noch jüngeren JÄKe Früchtchen, die schon fleißig Bühnenerfahrung sammeln.
Unter dem Vereinsmotto „Änz et Levve, Freud dernevve“ waren und sind die Änze Kääls immer für eine Überraschung gut. In seinem Prinzenjahr 1996 informierte Prinz Eddy I. (Edgar Müsch) seine Gesellschaft darüber, dass er an Weiberfastnacht seine „Prinzessin“ Vicki im Kölner Rathaus heiraten werde – natürlich im Prinzenornat. Gemeinsam mit der Worringer Feuerwehr, bei der Müsch aktives Mitglied war, begleitete die Gesellschaft ihren Eddy ins Rathaus. Von 2002 bis 2022 führte er als Präsident die Gesellschaft an. Im letzten Jahr musste der Verein die Spitze neu besetzen. Müsch war als Interimslösung im Gespräch. Sein Änze-Ruhestand währte nur kurz. An einem Wochenende im Oktober feiert der Verein gemeinsam mit der Grossen Karnevalsgesellschaft, die auch in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag feiert, eine große Jubiläumsparty im Vereinshaus.

