Nach einem Jahr Pause ist die Kölner Museumsnacht zurück. Tausende Besucher erlebten Kunst, Musik und ungewöhnliche Aktionen bis tief in die Nacht.
„Da ist mehr Leben drin“Köln feiert die Rückkehr der Museumsnacht
Kölner Museumsnacht
Das Museum für Angewandte Kunst ist nur der Ausgangspunkt für Vincent, seine Freundin Sofia und drei weitere Begleiter. Von hier aus wollen sie erkunden, was Köln kulturell zu bieten hat. Auf dem Programm stehen das Museum Ludwig, das Kölnische Stadtmuseum, aber auch ein Besuch im Fernwärmetunnel unterhalb des Rheins. „Heute wird alles durchgezogen“, sagt Sofia, bevor es losgeht.
Möglich machte es am Wochenende die Kölner Museumsnacht, die im vergangenen Jahr wegen Finanzierungsproblemen pausieren musste und nun wieder an den Start ging. 13 Museen und rund 20 temporäre Locations öffneten bis 1 Uhr nachts ihre Pforten und präsentierten sich mit DJ-Musik, Mitmachaktionen und Artistik-Aufführungen von ihrer lockeren Seite. „Es kommen Leute, die vielleicht bisher nicht so gern ins Museum gegangen sind“, so Rita Kersting, stellvertretende Direktorin des Museum Ludwig. Sie verspreche sich die „Aktivierung neuer Energie“.
Neues Konzept lockt Tausende in die Museen
Nachdem der Stadtrevue-Verlag 25 Jahre lang das Heft in der Hand hielt, entschied sich die Stadt im Frühjahr für die Event-Agentur „Zwo Zwo Eins“ als Veranstalter. Der Fokus liege nun stärker auf den Museen der Innenstadt, erläuterte Geschäftsführer Sebastian Lange das Konzept, auch Räume dazwischen würden bespielt: „Die räumliche Nähe wird jedem einzelnen Ort mehr Frequenz geben.“

Rund 300 Kerzen tauchten den historischen Kirchenraum der Minoritenkirche beim Konzert der Band Cage in ein warmes, sanftes Licht.
Copyright: Martina Goyert
Das sollte sich bewahrheiten. Lange Schlangen bildeten sich vor den Hotspots, die mit Lichtinstallationen feierlich in Szene gesetzt wurden. Schon gegen 18 Uhr meldete Sebastian Lange 16.000 verkaufte Tickets, womit er sich sehr zufrieden zeigte. Das Ticket deckte auch die „Art Cologne“ in der Deutzer Messe ab, wo sich besonders vor dem Start der Museumsnacht um 18 Uhr die Besucher drängten.
Zwischen Partystimmung und stiller Erinnerung
„Es ist schön, dass man sich verschiedene Sachen angucken kann und nicht auf eine Sache fokussiert ist“, sagt Sarah Schuh, gemeinsam mit ihrer Schwester Nele auf Tour. Gerade haben die beiden beim „Speed-Friending“ im Rautenstrauch-Joest-Museum teilgenommen. Wildfremde Menschen sitzen sich gegenüber und sprechen über Themen, die Moderatorin und Dragqueen Miss Roxy Rex in den Raum wirft. So sollen Freundschaften entstehen.
Im Foyer legt ein DJ Poppiges auf, die Installation „Baraza“ im Rahmen der Sonderausstellung „Return“ bietet Kulinarisches und Sitzplätze an einem riesigen Tisch. Der Andrang ist groß. „Cool“ seien solche „Activities“, findet die 25-jährige Nele: „Da ist mehr Leben drin.“ Sie sei ohnehin kein Fan der Stille.

Das Foyer zwischen RJM und Museum Schnütgen wurde von Künstlern aus den Bereichen Tanz, Akrobatik und Performance bespielt.
Copyright: Martina Goyert
Meditativ geht es dagegen in der Minoritenkirche zu, wo Sängerin Cage Kurzauftritte gibt. 300 Kerzen tauchen den Kirchenraum in warmes Licht. Auch im NS-Dokumentationszentrum am Appellhofplatz findet die Partystimmung ihre Grenzen.
Dicht an dicht zwängen sich die Nachtschwärmer durch die ehemaligen Gefängniszellen des EL-DE-Hauses, in dem die Geheime Staatspolizei während der Nazi-Zeit ihre Gefangenen unter katastrophalen Bedingungen einsperrte und brutal behandelte. Betretenes Schweigen macht sich breit am Ort des vielfachen Verbrechens.
Max Giermann wünscht sich eine neue Kunstmetropole
Im historisch unbelasteten Nebengebäude setzt das NS-Dok einen bewussten Kontrast zum ernsten Museumsbetrieb. Ein Bad mit 12.000 bunten Bällen steht im Kellergewölbe zur Verfügung, daneben können skurrile Masken aus Schaumstoff ausprobiert werden. Kiara und Miriam, vor Kurzem für ihr Studium der Medienkulturwissenschaft nach Köln gezogen, nutzen die Nacht, um die Kölner Kulturszene besser kennenzulernen. Der erste Eindruck: In dieser Hinsicht seien sie in der richtigen Stadt gelandet.
Dabei klaffen derzeit große Lücken in der Museumslandschaft. Mehrere Einrichtungen sind wegen Sanierungen geschlossen oder müssen sich mit Interimslösungen zufriedengeben. „Umso wichtiger ist, dass den Menschen der Stellenwert von Kunst nochmal vor Augen geführt wird“, sagt Schauspieler und Comedian Max Giermann, der sich an diesem Abend im Filmforum des Museum Ludwig zu seinem zweiten Standbein interviewen lässt: die Malerei im Stil des Neo-Expressionismus. In den 1980-er Jahren sei Köln eine Kunst-Metropole gewesen, so der 51-Jährige: „Ich würde mich freuen, wenn das wiederbelebt würde.“