Schokoriegel kaufen bei Schauspielern und Drag Queens? Das wird im Buehnchen bald Realität. Der Social-Media-Kiosk ist in Köln der erste seiner Art.
Das BuehnchenEin Kölner Kiosk wird zur TikTok-Bühne

Der neue Kiosk in der Kyffhäuserstraße 15 hat am vergangenen Wochenende seine Eröffnung gefeiert.
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An der Tür des neuen Kiosks in der Kyffhäuserstraße hängt ein grüner Buzzer. Wer ihn nicht drückt, kauft ein Kölsch und geht. Wer ihn drückt und aktiv zustimmt, kriegt eine Show geboten. Wobei, eigentlich ist der Kunde selbst die Show. Ein kurzer Jingle ertönt und dann erklärt Betreiberin Anna Pittelkow hinter ihrem pinken Tresen die Regeln: Fünf Produkte, einmal merken, dann rennen und alles so schnell wie möglich finden. Das Ganze wird gefilmt, später geschnitten und auf TikTok und YouTube gepostet. Für den schnellsten Finder gibt es einen Gutschein.
Seit dem vergangenen Wochenende hat der Kiosk offiziell geöffnet. Am Freitag sei durch den Regen kaum jemand auf der Straße gewesen, doch am Samstag seien einige gekommen. „Die Leute haben cool reagiert. Wir hatten viele interessante Gespräche, die Aufmachung des Ladens scheint schon die richtigen Leute anzuziehen“, sagt Pittelkow. Der Kiosk ist in buntem 80er-Look gestaltet: neonpink, neongelb, neongrün. Im Schaufenster hängt ein aufgeblasener, freundlicher Kaktus. Das Licht ist so gewählt, dass es im Video nicht flackert, die Kühlschränke dürfen nicht brummen.

Geschäftsführerin Anna-Lena Pittelkow lehnt an der Theke ihres Kiosks.
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Das Konzept funktioniert so: Täglich gibt es neue Programmpunkte im Buehnchen, die den Kioskbesuch unterhaltsam machen sollen. Jeder Kunde, der zustimmt, wird gefilmt und gepostet. In den Videos werden gleichzeitig Marken beworben, mit denen der Kiosk kooperiert. Das Buehnchen verdient also durch den Verkauf im Kiosk, die Werbeeinnahmen auf Social Media und durch die Markenpartner. „Wir wissen noch nicht, womit wir reich werden. Es ist zu früh zu sagen, ob wir überhaupt reich werden“, sagt Pittelkow und lacht.
Theater und Spiele im Kiosk
Die 46-Jährige hat lange im Marketing gearbeitet, bevor sie mit ihrer eigenen Marketingfirma „LePitt“ das Buehnchen ins Leben gerufen hat. Ihr Team besteht aus drei weiteren Leuten: Gaming-Moderatorin Melly Balgün, Creative Director Alex Aussem und Schauspieler Stefan Hartmann. Die Events, die die vier planen, sind facettenreich. Bereits am vergangenen Freitag hat die Schauspielgruppe Büdchen Theater eine Probe im neuen Kiosk der Kyffhäuserstraße abgehalten. Währenddessen lief der normale Kioskbetrieb weiter. Geplant ist außerdem, dass die Kunden im Buehnchen regelmäßig von Schauspielern bedient werden. An einem Regler können sie bestimmen, in welcher Emotion ihnen etwa ein Schokoriegel verkauft wird: wütend, euphorisch oder heute lieber traurig?
„Ein Kiosk ist das ideale fiktionale Set. Alles kann passieren“, findet Pittelkow. Deswegen will das Team sogenannte Microdramas produzieren. Das ist eine Art Miniserie im Hochkant-Format. Das Buehnchen will fiktive Geschichten mit dem festen Kioskpersonal erzählen. „Es ist dann, als ob ich die Schauspieler von GZSZ bei der Arbeit besuchen kann und von denen mein Kölsch bekomme“, sagt sie.

Das Buehnchen hat sogar schon eigene Merchandise-Produkte: Zwei Teddybären dienen als Models.
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Frauen zahlen 16 Prozent weniger
Der Social Media Kiosk will gleichzeitig auch eine Botschaft vermitteln. Das Motto lautet „funny feminist“. Das heißt konkret: Es gibt im Buehnchen einen Gender Pay Gap. „Frauen zahlen hier 16 Prozent weniger, weil sie ja auch weniger bezahlt bekommen“, sagt Pittelkow. Außerdem gibt es ein Sixpack Getränk und einen Fettlöser kostenlos für jeden, der ein Statement für Bodypositivity in die Kamera spricht. Auch das zu Beginn beschriebene Spiel hat einen feministischen Hintergrund: Männer sollen zeigen, dass sie genau so gut und schnell einkaufen können wie Frauen.
Auf der Internet-Plattform Reddit sind viele User nicht einverstanden mit dem grundsätzlichen Konzept. „Ja, also ich würde dort keinen Fuß mehr reinsetzen und mir ein anderes Stammbüdchen suchen“, lautet der Topkommentar mit mehr als 500 Likes. Der Grund für die negativen Kommentare: datenschutzrechtliche Bedenken. Pittelkow kann das nicht nachvollziehen. „Wir filmen nur Menschen, die das möchten, es gibt keine versteckte Kamera“, sagt sie. „Und wenn jemand offensichtlich betrunken hier reinkommt, dann posten wir ihn nicht. Da haben wir auch gar kein Interesse dran, weil das kein guter Content ist.“
Ob das Konzept dauerhaft trägt, wird sich zeigen, noch liegen die Followerzahlen auf TikTok erst bei 239 Menschen. Die ersten Videos mit Kunden werden bald veröffentlicht. Der Kiosk öffnet jede Woche mittags bis abends von Mittwoch bis Sonntag.