Fahrrad-BoomDeutlich mehr Kölner steigen aufs Rad

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Radfahrer auf der Rheinuferstraße in Köln.

Radfahrer auf der Rheinuferstraße in Köln.

Im Jahr 2022 sind mehr Menschen in Köln Fahrrad gefahren. An den Dauerzählstellen wurden knapp neun Prozent mehr Radfahrten gezählt. Der ADFC fordert, beim Ausbau der Radinfrastruktur in größeren Maßstäben zu denken.

Der Radverkehr in Köln ist im vergangenen Jahr wieder kräftig gewachsen. An 15 Dauerzählstellen wurden nach Angaben der Stadt insgesamt 16,6 Millionen Radfahrten erfasst, das sind 8,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen weitere 2,3 Millionen Radbewegungen an den Zählstellen Neusser Straße, Hohe Pforte und Gladbacher Straße, die erst im Laufe der Jahre 2021 und 2022 eingerichtet wurden.

2021 war der Radverkehr stark geschrumpft

Im zweiten Corona-Jahr 2021 hatte der Fahrrad-Boom in Köln einen erheblichen Dämpfer erlitten. Damals schrumpfte die Zahl der erfassten Radfahrten um 11,2 Prozent – unter anderem wegen Ausgangssperren und viel Regen im Sommer. Nun bestätigt der kräftige Zuwachs im Jahr 2022 wieder den langfristigen Wachstumstrend beim Radverkehr in Köln. Laut Stadt wurden dabei fast wieder die Rekordzahlen aus dem ersten Corona-Jahr 2020 erreicht, als der Radverkehr um 10,9 Prozent zugenommen hatte.

Die meisten Radfahrer werden weiterhin an der Venloer Straße gezählt. Im vergangenen Jahr wurden hier 2.011.322 Radfahrten erfasst, im Schnitt rund 5500 pro Tag. Auf Platz zwei liegt die Zülpicher Straße mit 1.778.874 Fahrten, hier gab es 2022 ein starkes Plus von 18,4 Prozent. Die Zählstellen registrieren jedes vorbeifahrende Rad, je nach Route kann derselbe Radfahrer also auch mehrfach gezählt werden.

Autoverkehr rückläufig

Als Gründe für den kräftigen Zuwachs im Jahr 2022 nennt die Stadt den Wegfall von Corona-Einschränkungen und das „milde Wetter im Frühjahr und Herbst“, das mehr Menschen aufs Rad habe steigen lassen. An den Zählstellen Venloer Straße und Bonner Straße wurden parallel auch die Autofahrten gezählt. Auf der Venloer Straße ging der Kfz-Verkehr laut Stadt 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 5,1 Prozent zurück, auf der Bonner Straße um 10,7 Prozent.

Die Stadt erklärte, es sei ihr Ziel, „den Radverkehr als wichtigen Teil der Mobilitätswende zu fördern und dafür die entsprechende Infrastruktur stetig weiter zu verbessern“. Dafür würden viele Maßnahmen umgesetzt, wie „die Einrichtung von Fahrradstraßen, die Umwandlung von Kfz-Fahrstreifen in Radfahrstreifen, der breite Ausbau von Abstellplätzen oder der Ausbau des Radverkehrsnetzes“.

Um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir den Radverkehr bis 2030 verdoppeln. Dazu brauchen wir Wachstumsraten von 10 bis 15 Prozent pro Jahr.
Christoph Schmidt, Vorsitzender ADFC Köln

Für Christoph Schmidt, Vorsitzender des Kreisverbands Köln des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC), ist der starke Zuwachs beim Radverkehr 2022 zwar ein erfreuliches Zeichen, aber bei weitem nicht genug. „Um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir laut Wuppertal-Institut den Radverkehr bis 2030 verdoppeln. Dazu brauchen wir Wachstumsraten von 10 bis 15 Prozent pro Jahr.“

Zwar habe es in den vergangenen Jahren viele Fortschritte bei der Fahrradinfrastruktur in Köln gegeben. Doch nun brauche es einen großen Wurf, betont Schmidt. „Wenn die Stadt ihr Ziel Klimaneutralität ernst nimmt, muss sie auch an die strittigen Themen ran wie die Luxemburger Straße oder den Rheinufertunnel.“

ADFC fordert Hochradweg über das Messegelände

Wichtige Projekte seien auch die diskutierten beiden neuen Brücken für Radfahrer über den Rhein zum Anschluss an die Ringe. Von der Bastei aus solle künftig eine Fahrrad-Trasse nicht nur über den Rhein, sondern am besten auch gleich als Hochradweg über das Messegelände und den Güterbahnhof Kalk führen, um Kalk und Mülheim besser an die City anzubinden und mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf das Fahrrad zu bewegen. „Über solche Projekte müssen wir reden, wenn wir die Mobilitätswende konsequent voranbringen wollen“, so Schmidt.

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