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Deutscher BuchhandlungspreisZwei Kölner Buchläden unter den Preisträgern

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Buchhändler Jens Bartsch freut sich über den Preis für die „Buchhandlung Goltsteinstraße“, die er zusammen mit seiner Frau seit fast 30 Jahren führt.

Buchhändler Jens Bartsch freut sich über den Preis für die „Buchhandlung Goltsteinstraße“, die er zusammen mit seiner Frau seit fast 30 Jahren führt.

Die „Buchhandlung Goltsteinstraße“ und die „Agnes Buchhandlung“ sind unter den deutschlandweiten Preisgewinnern für das Jahr 2025. Doch die Freude darüber ist getrübt.

„Meine Frau und unser Mitarbeiter Lutz Prange hatten gemeinsam beschlossen, dass wir uns mal wieder für den Buchhandlungspreis bewerben. Sie haben mich damit also überrascht“, erzählt Buchhändler Jens Bartsch. Bei der Ausfüllung des Teilnahme-Fragenkatalogs sei er dann aber auch involviert gewesen. Es hat sich gelohnt: Die „Buchhandlung Goltsteinstraße“ bekommt zum zweiten Mal den Deutschen Buchhandlungspreis überreicht. Ein Preis, der an etwas mehr als 100 Buchläden deutschlandweit im Rahmen der in der kommenden Woche beginnenden Leipziger Buchmesse vergeben wird. Für Bartsch abermals ein Beweis, dass das Konzept des Buchladens in Bayenthal nicht nur seine Kunden, sondern auch eine Fach-Jury überzeugt.

Die etwas versteckt liegende Buchhandlung an der Goltsteinstraße, Ecke Tacitusstraße, ist vollgepackt mit Belletristik-Ausgaben, Sachbüchern, Comics und Kinderbüchern. Wer die Glastür öffnet und den kleinen Laden betritt, wird gleich von Bartsch, seiner Frau oder den Mitarbeitern begrüßt. Wer eine persönliche Beratung oder einfach nur ein wenig stöbern möchte, ist herzlich eingeladen. „Wir profitieren seit einigen Jahren auch davon, dass sich Bayenthal und die Goltsteinstraße gewandelt haben“, so Bartsch. Es sei mehr los in der Straße und häufiger jüngeres Publikum im Laden.

Buchhandlung mit „eigenem Kopf“

„Unsere Buchhandlung ist eine mit einem eigenen Kopf“, so beschreibt Bartsch das Geschäft. Man richte sich nicht an Buch-Ranglisten aus und müsse auch keine Rücksicht auf den Einkauf einer Unternehmenszentrale nehmen, sondern setze sich mit allen Mitarbeitern zusammen, um zu bestimmen, welche Bücher im Laden sein sollen. „Die Kunden spiegeln uns auch häufig, dass wir ein besonderes Angebot haben“, so Bartsch.

Der engagierte Buchhändler hebt insbesondere seine große Stammkundschaft hervor, die dem Laden treu ist. „Wir arbeiten mit viel Freude im Austausch mit unseren Kunden. Da wird ab und an auch mal ein Witz gemacht, um sich anschließend wieder über tolle Bücher zu unterhalten“, erzählt Bartsch. Wenn Familien in den Laden kommen, dann gehen die Kinder in die Kinderbuchecke und lesen, und die Eltern schauen nach ihren Interessen durch das Angebot. „Das ist toll.“

Regelmäßige Lesungen im Angebot

Neben den Buchangeboten fänden auch regelmäßig Veranstaltungen wie Lesungen statt oder auch mal ein eineinhalbstündiger Vortrag eines Musikprofessors zur deutschen Popmusik, erzählt Bartsch. Zehn bis zwölf Termine kämen da über das Jahr zusammen. Und manchmal passieren auch ungewöhnliche Dinge: „Der Musikprofessor war eine Idee eines Kunden. Das war eine tolle Veranstaltung mit ausverkauftem Haus.“ Finanziell lohnen, tue sich das nicht. Zudem seien diese Events auch mit viel Arbeit verbunden. „Wir müssen den Laden großzügig freiräumen, um die rund 50 Stühle unterzubringen. Das ist für uns viel Aufwand.“

Wenn das Inhaber-Ehepaar Bartsch auf den diesjährigen Preis schaut, dann werde ihre Freude aktuell durch das jüngste fragwürdige Vorgehen des Kultur-Staatsministers Wolfram Weimer getrübt (siehe Infotext). „Den Verfassungsschutz bei einer Preisvergabe für Buchhandlungen hinzuzuziehen ist seltsam“, so Bartsch. Aber das große Thema dabei sei die Intransparenz. Da werden Kollegen gebrandmarkt, und sie wissen nicht warum. „Deswegen ist das auch eine brandgefährliche Geschichte.“

goltsteinstrasse.buchhandlung.de

Auch die „Agnes Buchhandlung“ an der Neusser Str. 63 ist unter den Preisträgern.

Auch die "Agnes Buchhandlung" an der Neusser Str. 63 ist unter den Preisträgern.