Köln – Im Deutzer Hafen entsteht ein neues Quartier mit 3000 Wohnungen für 6900 Menschen, 6000 Arbeitsplätzen, Kindertagesstätten, einer Grundschule, Gastro-Betrieben, Kultur- und Freizeitangeboten sowie Parkanlagen und Plätzen. Gegen die Stadtentwicklung an dieser Stelle regte sich vor allem wegen der befürchteten Belastungen durch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen Widerstand.
Video kann im Internet abgerufen werden
Um Bürgerinnen und Bürger wie vorgeschrieben an der Planung zu beteiligen und sie von dem Vorhaben zu überzeugen, luden die Stadt Köln, die Gesellschaft zur Förderung des Städtebaus und der Gemeindeentwicklung „moderne Stadt“ sowie das beauftragte Planungsbüro Rudolf Keller Verkehrsingenieure (RK) zu der digitalen Infoveranstaltung „Verkehrsgutachten Deutzer Hafen“ ein. Das Video ist bis 30. September im Internet abrufbar.
Die Ziele des Verkehrsgutachtens sind klar umrissen: Der Deutzer Hafen soll bestmöglich ans städtische Verkehrsnetz angebunden werden, zusätzliche Belastungen durch das höhere Verkehrsaufkommen im benachbarten Poll sind zu vermeiden. Klaus Harzendorf, Amtsleiter Straßen und Verkehrsentwicklung, betonte, das Gutachten sei auf der Grundlage realistisch erreichbarer Ziele bis 2035 erstellt worden. „Es ist sogar ein Worst-Case-Szenario, das die mögliche Entlastung durch leistungsfähigere ÖPNV-Anschlüsse noch nicht berücksichtigt“, so Harzendorf.
Verlängerung der Linie 7 und Bushaltestelle
Kommen sollen eine Fahrtaktverdichtung der Stadtbahnlinie 7 und eine Bushaltestelle in dem künftigen Quartier. Ob die Stadtbahnline bis zum Deutzer Bahnhof verlängerbar ist, wird derzeit in einer Machbarkeitsstudie geprüft. Überlegungen, einen S-Bahn-Anschluss über die Südbrücke zu schaffen, die dafür allerdings umgebaut werden müsste, sind dem Amtsleiter zufolge erst möglich, wenn das Quartier errichtet ist.

Visualisierung des Deutzer Hafen
Copyright: Cobe
Eine Verkehrszählung ergab, dass binnen 24 Stunden etwa 15 800 Kraftfahrzeuge auf der Siegburger Straße unterwegs sind, davon 47 Prozent Durchgangsverkehr. Trotz verkehrslenkender Maßnahmen würde sich die Zahl zwar auf etwa 16 500 Kfz täglich erhöhen, jedoch muss das nicht zwangsläufig zu einer Mehrbelastung der Wohngebiete führen, wie RK-Experte Martin Busse erläuterte. Denn die favorisierte Planungsvariante sieht vor, den ausfahrenden Individualverkehr vom Deutzer Hafen über eine Linksabbiegespur auf die Siegburger Straße zum Knotenpunkt Im Hasental geleitet. Die Straße mündet in den östlichen Zubringer zur Autobahn 4, ist also geeignet, Verkehr schnell ins übergeordnete Straßennetz abzuleiten.
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Die Siegburger Straße hat Kapazität für eine Ertüchtigung in Richtung Autobahnzubringer und gleichzeitig Verkehrsberuhigung in Richtung Poll. Durch Verbreiterung der Radspuren bleibt für Kfz und Straßenbahn in beiden Richtungen eine gemeinsame Spur, außer an den Knotenpunkten, wo die Bahn dank Vorrangschaltung freie Fahrt vorbei an Autos bekommt. Von überall in dem 37 Hektar großen neuen Quartier sollen öffentliche Verkehrsmittel nur fünf Minuten zu Fuß entfernt liegen. Den Verzicht auf eigene Pkw sollen fußläufig und mit dem Fahrrad bequem erreichbare Nahversorgung und Freizeitangebote für künftige Bewohner attraktiv machen.
Amtsleiter Harzendorf, der sich selbst zu anfänglichen Zweifeln bekannte, zog ein erstes Fazit: „Ich glaube, wir haben gute Ergebnisse.“


