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Die Kölner RheinbrückenWas kaputt ist und wann saniert werden soll

Lesezeit 4 Minuten
Schön anzuschauen sind die Brücken in Köln (hier zu sehen: die Zoobrücke). Doch in den kommenden 15 Jahren muss an ihnen allen gearbeitet werden.  Die Lasten sind zu groß, und zu lange wurden die Sanierungen aufgeschoben.  

Schön anzuschauen sind die Brücken in Köln (hier zu sehen: die Zoobrücke). Doch in den kommenden 15 Jahren muss an ihnen allen gearbeitet werden.  Die Lasten sind zu groß, und zu lange wurden die Sanierungen aufgeschoben.  

Köln – Mit ihr steht und fällt alles: die Leverkusener Brücke. Zur einen Hälfte gehört sie zu Köln, zur anderen zu Leverkusen. Und weil eine Autobahn darüber führt, ist der Landesbetrieb Straßen NRW zuständig. 1965 gebaut, war die Leverkusener Brücke nie vorgesehen für die Lasten, die heute über sie rollen.

Der Wegfall des „Eisernen Vorhangs“ und der seitdem rasant zunehmende Warenverkehr hat noch etwas drauf gepackt. Das kann das 52 Jahre alte Bauwerk nicht mehr stemmen. Eine neue Brücke soll in direkter Nachbarschaft entstehen. 2027 soll das 740-Millionen-Euro-Projekt fertig sein. Doch Gegner des Projektes ziehen vor Gericht. Ende offen.

Mülheimer Brücke

Sie ist das Sorgenkind der Stadt Köln. Der Verkehr, der über die Mülheimer Brücke rollt, korrespondiert mit dem Verkehr auf der Leverkusener Brücke. „Dass das Lkw-Verbot jetzt dank der Sperranlagen auf der Leverkusener Brücke greift, bekommen wir nun auf der Mülheimer Brücke zu spüren“, sagt Gerd Neweling, Leiter des Amtes für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau.

„Das macht uns doppelt Sorge: Wir haben jetzt vermehrten Lkw-Verkehr auf einer eh schon stark sanierungsbedürftigen Brücke.“ Der Stahl der Brücke aus dem Jahr 1951 ist ermüdet. Die Rampen sind nicht mehr zu retten. Und die Sanierung musste nochmals um rund ein Jahr verschoben werden. Weist doch der Asphalt auf Teilen der Zoobrücke Risse bis auf das Stahlgerüst auf. Der muss nun vorrangig erneuert werden, damit er sich nicht in Schollen ablöst.

An beiden Brücken zugleich kann nicht gearbeitet werden. Der Verkehr würde kollabieren. An der Mülheimer Brücke sollen die Arbeiten im Herbst dieses Jahres beginnen, wenn bis dahin der Asphalt auf der Zoobrücke erneuert ist. Voraussichtlich bis Ende 2020 wird sie umfangreich verstärkt und in Abschnitten verbreitert. Die Rampen werden neu gebaut. Kosten: 116 Millionen Euro.

Zoobrücke

Zur Abwechslung mal eine gute Nachricht: „Die Strombrücke ist tipptopp“, sagt Neweling über den Teil der Zoobrücke, der direkt über den Rhein führt. Doch bevor Euphorie aufkommt: Für die großen Rampen der Zoobrücke sieht es umso schlechter aus. Noch werden sie von Ingenieuren auf Herz und Nieren geprüft. Doch Neweling hält es für wahrscheinlich, dass die Rampen abgerissen und neu gebaut werden müssen. Beginnen sollen die Sanierungsarbeiten im Jahr 2022 und bis 2028 andauern. Soweit der Plan. Sollten die Prüfingenieure den Daumen über die Rampen senken, dürfte dieser Plan Makulatur sein. Wie schnell so was geht, zeigt zurzeit der Asphalt auf der Zoobrücke. Alles in allem geht die Stadt von einem zweistelligen Millionenbetrag aus.

Deutzer Brücke

Das Schlusslicht im städtischen Sanierungsplan. An die Deutzer Brücke wollen die Sanierer erst 2025 ran. Das bedeutet aber nicht, dass es um das Bauwerk zum Besten steht. Vielmehr wurde die rechtsrheinische Rampe bis 2015 bereits in Teilen neu gebaut. Weil dort die Standhaftigkeit ernsthaft bedroht war, musste dieser Abschnitt der Generalsanierung vorgezogen werden. Dazu kommt, dass die Deutzer Brücke nur zur Hälfte ein altes Bauwerk ist. Der nördliche Teil entstand 1948. 1980 wurde der südliche Teil angebaut. Neweling geht davon aus, dass bei der Restsanierung die linksrheinische Rampe den Löwenanteil ausmachen wird. Weil die Lkw-Belastung auf der Deutzer nicht so hoch ist wie auf anderen Brücken, bereitet die Strombrücke nicht so große Sorgen.

Severinsbrücke

Sie lässt Ingenieure mit der Zunge schnalzen, die Severinsbrücke aus dem Jahr 1959 „ist sehr filigran gebaut“, sagt Neweling. Das Tragsystem besteht aus zwei Hohlkästen. Die Brücke ist ein Paradebeispiel der Schrägseiltechnik. Doch was so leichtfüßig daherkommt, ist der heutigen Belastung nicht mehr gewachsen. „Wir kommen um eine Verstärkung nicht herum“, sagt Neweling. Vor rund fünf Jahren wurde schon eine Teilsanierung durchgeführt. Seitdem dürfen sich wieder Stadtbahnen auf der Severinsbrücke begegnen. 2020 wollen die Ingenieure nochmals an das Bauwerk ran. „Der Belag ist nicht mehr der allerbeste“, sagt Neweling. Die Pylone und die Seile sollen verstärkt werden, damit sie mehr Lasten aufnehmen können. Bei der Gelegenheit wird dann auch der Korrosionsschutz der Brücke aufgefrischt.

Rodenkirchener Brücke

Zurzeit wird auf dem Mittelstreifen der Rodenkirchener Brücke der Rostschutz erneuert. In wenigen Wochen kommen die Randbereiche dran. Für beides gilt: Die sechs Fahrstreifen müssen bestehen bleiben. Zwar sind die verkleinert und verschwenkt, jedoch behält die Brücke ihre Leistungsfähigkeit. Anders wäre es auch nicht zulässig. Warum ist das so wichtig? Die Rodenkirchener ist neben der Leverkusener eine Autobahnbrücke und für die Lkw die wichtigste Ausweichroute. „Und bevor die neue Leverkusener Brücke nicht steht, werden wir auch nicht an die anstehende Generalsanierung der Rodenkirchener Brücke herangehen “, sagt Timo Stoppacher, Sprecher von Straßen NRW.

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