Die Null-Toleranz-Strategie der Polizei funktioniert nach Einschätzung von Experten nur dann, wenn es ein Suchthilfezentrum gibt.

Neue HotspotsDie Verdrängung der Kölner Drogenszene verschiebt die Probleme nur

Die Polizei ist am Neumarkt in der Kölner Innenstadt im Dauereinsatz.
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Die Situation der Kölner Drogenszene ist völlig verfahren. Die Polizei muss am Neumarkt verstärkt gegen die ausufernde Kriminalität vorgehen, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Genau das sorgt aber dafür, dass jetzt auch Anwohner in bislang nicht betroffenen Teilen der Innenstadt plötzlich mit einer wachsenden Crackszene umgehen müssen. Es entsteht ein Dilemma, aus dem zurzeit scheinbar kein Weg herausführt.
Stadt Köln hat kein echtes Konzept
Die Null-Toleranz-Strategie der Polizei kommt zu früh. Denn sie funktioniert nach Einschätzung von Experten nur dann, wenn es gleichzeitig einen Ort gibt, an dem sich die suchtkranken Menschen aufhalten und ihre Drogen konsumieren können. Genau diesen Ort gibt es bislang aber noch nicht.
Das neue Suchthilfezentrum am Perlengraben eröffnet voraussichtlich erst im August 2027 – das ist viel zu spät. Die Polizei wird bis dahin weiterhin Druck ausüben, die Crackszene wird sich immer weiter über die Stadt verstreuen und die Folgen werden an Orten zu sehen sein, die jetzt noch niemand auf dem Schirm hat. Die Verdrängung löst die Probleme nicht, sie verschiebt sie nur.
Das alles zeigt, dass die Stadt Köln nach wie vor kein echtes Konzept verfolgt und viel zu sorglos mit der Drogenthematik umgeht. Wenn das Suchthilfezentrum erst in einem Jahr fertig sein wird, dann muss es jetzt eine schnelle Übergangslösung geben. Dass sich Sozialdezernent Harald Rau so vehement dagegen sperrt, ist nicht nachvollziehbar. Schlimmstenfalls wird ihm diese Entscheidung in einem Jahr um die Ohren fliegen.
Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) sollte sich gut überlegen, ob sich die Stadt Köln wirklich auf dem richtigen Kurs befindet. Das Suchthilfezentrum ist derzeit der einzige Plan, den es gibt, um die Situation zu verbessern. Dieser Plan darf nicht scheitern. Was spricht dagegen, schon jetzt ein Interim aufzubauen? Das würde der Stadt auch helfen, rechtzeitig das nötige Personal für das spätere Zentrum zu gewinnen und einzuarbeiten.
Und ganz am Ende sollten sich die Verantwortlichen auch sehr ernsthaft die Frage stellen, warum die Stadt Zürich innerhalb von drei Monaten ein Suchthilfezentrum auf die Beine stellen kann und die Stadt Köln nicht.
