Es zeichnet sich eine Mehrheit für einen SPD-Antrag ab, dem die Grünen als stärkste Ratsfraktion nur in Teilen zustimmen wollen.
Drei neue Plätze für den FCKölner Grüne könnten Kampf um die „Kampfbahn“ verlieren

So soll das Leistungszentrum des 1. FC Köln am Geißbockheim aussehen.
Copyright: Tim Hupe/1. FC Köln
Vor der nächsten Ratssitzung am kommenden Donnerstag bringt ein Antrag der SPD die Diskussionen innerhalb der Kölner Stadtpolitik zum Brodeln. Es geht um die so genannten Satellitenplätze für den 1. FC Köln und es sieht danach aus, als könnte sich die Partei von Oberbürgermeister Torsten Burmester gegen die im Rat zahlenmäßig überlegenen Grünen durchsetzen. Auch deshalb, weil CDU und Volt in dieser Ratsperiode anders entscheiden als in der vergangenen, als sie sich noch mit den Grünen in einem Bündnis befanden.
Der FC will im kommenden Jahr anfangen, sein neues Leistungszentrum zu bauen und braucht mehr Trainingsplätze für all seine Nachwuchstalente. Ob und wo diese entstehen können, darüber wird in der Stadt seit mehr als einem Jahrzehnt gestritten.
Was steht in dem Antrag der SPD?
Kurz gesagt: Die Verwaltung soll alles in die Wege leiten, damit der 1. FC Köln auf seine Kosten drei Flächen am und in unmittelbarer Nähe zum Geißbockheim modernisieren kann. Es soll, wie berichtet, wahlweise neuen Kunst- oder Hybridrasen geben, Drainagen, Flutlichtanlagen, Kabinen. Es geht um den Ascheplatz „Eichenkreuzanlage“, den Platz 2 auf dem FC-Gelände und die „Kampfbahn“ genannte Wiesenfläche am Fort Deckstein, die die Grünen unbedingt schützen wollen.
Und was ist mit der Gleueler Wiese?
Der ursprüngliche vorgesehene Plan des Klubs, drei Plätze auf der direkt an das FC-Gelände anschließenden Gleueler Wiese zu bauen, steht still. Zum einen, weil Umweltverbände gegen den entsprechenden Bebauungsplan geklagt hatten. Nach einigem Hin und Her will das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster am 14. August über dessen Gültigkeit entscheiden. Zum anderen aber auch, weil das letzte Ratsbündnis das Ja des vorletzten Ratsbündnisses zu dem Bebauungsplan wieder rückgängig gemacht hat. Selbst wenn das OVG den Bebauungsplan im August also für gültig erklärt, könnte der FC nicht einfach anfangen zu bauen. Es wären zunächst wieder Beschlüsse des jetzt amtierenden Stadtrates nötig – sowohl zum Bebauungsplan als auch zu einer dann erforderlichen Pacht der Flächen durch den FC.
Was sagt der FC zum SPD-Antrag?
Die drei genannten Plätze zu ertüchtigen, wäre für den Verein die am schnellsten umsetzbare Lösung für sein Trainingsflächen-Problem. Eine völlige Abkehr von der Gleueler Wiese wäre das aber wohl nicht: „Solange das Gericht in Münster nicht entschieden hat, können wir keine Option endgültig vom Tisch nehmen“, sagt FC-Geschäftsführer Philipp Türoff. „Heute geht es um Satellitenplätze – weil der Platzbedarf nicht wartet. Der geplante Antrag lindert unsere erste große Not.“ Die Kinder aus den Nachwuchsmannschaften „mit 30 Transportern einzusammeln, umzuladen, auf die Plätze zu verteilen und wieder nach Hause zu bringen ist ein logistischer Alptraum“, sagt Türoff. Man nehme das nur in Kauf, weil die naheliegende Lösung auf der Gleueler Wiese „auf absehbare Zeit politisch nicht realistisch ist“.
Es gehe jetzt darum, endlich einen Schritt voranzukommen und die Dinge in Angriff zu nehmen, „wo nicht zur Debatte steht, wer sie bezahlt“. Wo also der FC zahlt – aber natürlich auch nutzt, was wiederum den Breitensportvereinen Sorgen bereitet, die aktuell auf dem Ascheplatz und am Fort Deckstein trainieren. Das sind die DJK Südwest, der SC Blau-Weiß Köln und Ballfieber Colonia. Sie teilen sich die Nutzungszeiten auf dem Ascheplatz – der in seinem aktuellen Zustand allerdings bei schlechtem Wetter nicht zu bespielen ist. Eine Sanierung auf Kosten des FC würde die mögliche Auslastung der Fläche deutlich erhöhen, die mögliche Nutzung durch die Vereine aber auf nach 19.30 Uhr verschieben. Dafür könnten die Vereine die Plätze an den Wochenenden komplett nutzen, etwa für ihren Spielbetrieb, sichert Türoff zu.
Was sagen die Vereine?
Bei der DJK Südwest und bei Ballfieber Colonia ist man verunsichert. Die DJK hatte zugesagt, auf die Zeiten auf dem Ascheplatz verzichten zu können, wenn sie im Gegenzug künftig einen noch zu sanierenden Platz in der Bezirkssportanlage Weiden nutzen kann. Diese Sanierung will die Stadt Köln am Montag im Finanzausschuss mit sieben Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur des Bundes auf den Weg bringen. „Doch das löst nicht unsere Probleme“, sagt Michael Kosche, der Vorsitzende der DJK. Der Verein brauche „die Zusage für ein verbindliches Nutzungsvorrecht für Weiden und gleichzeitig eine Alternative für die Übergangszeit“. Schließlich werde der FC bald mit dem Umbau beginnen, die Stadt den Platz in Weiden aber wohl erst in den 30er-Jahren fertigstellen.
Ballfieber Colonia hofft, bei einer Sanierung ein Stück vom Kuchen der „Kampfbahn“ am Fort Deckstein abzubekommen. Man befinde sich in konstruktiven Gesprächen mit dem FC, ob Ballfieber dort eine Fläche überlassen werden kann, die der Verein als Naturrasen erhalten würde, teilte der Klub mit. Blau-Weiß wiederum hatte bislang ohnehin die wenigsten Probleme mit einem Umbau des Ascheplatzes und einer Nutzung in den Abendstunden angemeldet.
Was sagen die Grünen?
Man habe dem Bau des Leistungszentrums im Landschaftsschutzgebiet am Geißbockheim nur zugestimmt, wenn im Gegenzug Gleueler Wiese und Kampfbahn geschützt bleiben, sagt Christiane Martin, die Fraktionschefin der Grünen: „Ich erwarte, dass sich CDU und Volt daran erinnern und den Schutz der Kampfbahn aufrecht erhalten.“ Der Umwandlung des Ascheplatzes werde man erneut zustimmen. Diese sei in jenem Kompromiss, der in der vergangenen Ratsperiode zum Bau des Leistungszentrums getroffen worden war, ja ohnehin vorgesehen gewesen. Beim Umbau von Platz 2 am Geißbockheim würden die Grünen auch mitmachen – vorausgesetzt, die umweltrechtliche Prüfung ermöglicht das.
Sie verstehe die Not des FC, sagt Martin: „Es liegt ja an der SPD-geführten Sportverwaltung, dass es noch nicht voran gegangen ist.“ Für die maßlose Forderung nach immer mehr Flächen habe sie aber kein Verständnis. Kunstrasen könne heutzutage zwar schonender verbaut werden als vor 20 Jahren: „Aber der kühlt ja nicht, da ist am Morgen kein Tau drauf, der heizt sich auf und ist für das Stadtklima eine Katastrophe.“
Findet die SPD auch ohne volle Unterstützung der Grünen eine Mehrheit für ihren Antrag?
Es sieht danach aus. Die CDU (18 Sitze im Stadtrat) und die FDP/KSG-Fraktion (4) haben bereits ihre Zustimmung signalisiert, mit kleinen Änderungswünschen. Volt (5) hat sich intern noch nicht abschließend festgelegt, möchte aber wohl vor allem eine Bebauung der Gleueler Wiese verhindern und würde einer Modernisierung der Kampfbahn daher zustimmen. Zusammen mit den Stimmen der SPD-Fraktion (18) und des Oberbürgermeisters Torsten Burmester (SPD) käme man exakt auf die für eine Mehrheit nötigen 46 Stimmen im 90-köpfigen Stadtrat plus OB – ohne die Stimmen der AfD, mit deren Hilfe die demokratischen Fraktionen keine Entscheidungen durchbringen wollen. Möglicherweise kämen sogar noch die Stimmen der Linken hinzu, die ihre internen Besprechungen allerdings auch noch nicht abgeschlossen haben.