Die Bickendorfer Kultkneipe „Im Rondellchen“ wird weitergeführt, die beiden Töchter des bisherigen Wirtes übernehmen die Traditionsstätte.
Urzustand wird weiter gepflegtIn der Bickendorfer Kneipe „Im Rondellchen“ übernimmt die nächste Generation

Maria Polch (M.) und Anne Polch-Jahn unterstützen Vater Dieter Polch beim Betrieb der Kneipe „Im Rondellchen“.
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Ein Viertel und seine Kneipe: Dieses typisch kölsche Zusammenspiel funktioniert in Bickendorf seit fast hundert Jahren ohne Unterbrechung. Der Ort, an dem sich die Nachbarschaft trifft, heißt „Im Rondellchen“.
Es ist eine besondere Beziehung: Die Kneipe wird schon seit geraumer Zeit nebenberuflich geführt. Geöffnet ist nur von dienstags bis freitags. Und mit 50 Gästen wird es hier schon fast überfüllt. „Eine Existenzgrundlage ist das wirklich nicht. Es ist reine Liebhaberei, gewissermaßen eine Nachbarschaftsinitiative, damit das Lokal weiterbesteht“, sagt Dieter Polch.

Das Rondellchen befindet sich bereits seit 1929 am Bickendorfer Akazienweg. (Archivbild)
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Er übernahm vor zehn Jahren den Dienst zwischen Tresen und Büffetschrank, dem seit der Eröffnung 1929 unveränderten Mobiliar. Zusammen mit Wilfried Kelm führte er das Lokal in seinem gepflegten Urzustand weiter. Beide kannten die Kneipe, deren Grundriss ein Halbrund bildet, schon seit ihren Kindertagen. Einst war vor der Tür die Wendeschleife der Straßenbahn – das Rondell. Im Lokal konnte man damals auch Fahrscheine kaufen. Aber das wissen nur noch die ältesten Gäste.
Junge Generation führt das „Rondellchen“ weiter
Als Wilfried Kelm zum Jahresende 2025 seinen „Ruhestand“ verkündete, meldeten sich Maria Polch und Anne Polch-Jahn sofort bei ihrem Vater Dieter: „Das Rondellchen muss weiter bestehen, und deswegen steigen wir jetzt ein.“ Im Wortsinn übernimmt nun die nächste Generation.
„Das ganze Viertel verjüngt sich allmählich. Aber auch die jungen Leute, sind froh über diesen Treffpunkt. In meinem Bekanntenkreis waren alle begeistert, als klar war, dass wir das machen“, sagt Anne Polch-Jahn, die erst vor Kurzem mit ihrer Familie wieder nach Bickendorf zurückgekehrt ist. Ihre jüngere Schwester Maria betont: „Davon leben zu können, ist ganz bestimmt nicht unser Ansporn.“
Es geht um mehr: Mehrere Stammtische und Vereine haben hier, am Akazienweg 54a, ihr Stammlokal. Würfel- oder Skatrunden, Sportler oder Karnevalsjecke wie die „Beckendorfer Maatpöppcher“, die hier vor 50 Jahren gegründet wurden.
Karnevalstrubel und großer Andrang zum Neustart
Die beiden Schwestern sind Mitglieder der KG Stunk und Prunk, einer bunten, generationenverbindenden Karnevalsgruppe, die seit Jahren den Veedelszoch in Bickendorf bereichert. Apropos Zoch: Der zieht am Karnevalssonntag an der Kneipentür vorbei. An den tollen Tagen ist im Rondellchen Ausnahmezustand. Etliche Gäste nehmen dann sogar weite Anfahrtswege in Kauf. Alle Tische und Stühle werden entfernt, aber eng ist es trotzdem.
Auch als Dieter Polch vor wenigen Tagen das erste Mal im Jahr 2026 die Kneipentür aufgeschlossen hatte, war der Schankraum schon nach wenigen Minuten gut gefüllt. Natürlich hatte es sich herumgesprochen, dass ein Generationswechsel vollzogen würde. Einige hatten kleine Geschenke dabei.
Zunächst wollen die Töchter ihren Vater bei der Bewirtung unterstützen. Buchhaltung und Wareneinkauf macht Dieter Polch weiter. Außer Getränken stehen im Lokal nur Kleinigkeiten wie Halve Hahn oder Frikadelle auf der Karte. „Ich mache das gerne weiter“, sagt Dieter Polch, der bald seinen 70. Geburtstag feiert.
Auf jeden Fall möchte er das 100-jährige Bestehen des Rondellchens feiern, das im Jahr 2029 ansteht. „Mehr als ein halbes Jahrhundert davon, bin ich eng mit dieser Kneipe verbunden“, erzählt Polch, der im Viertel aufgewachsen ist. Als Student jobbte er hinter dem Tresen. Doch die besondere Beziehung begann sogar noch früher: schon in den 1960er Jahren, als ihn der Vater ab und zu mitnahm. „Mit zehn habe ich schon mal ein Bier zapfen dürfen“, erinnert sich Dieter Polch.

