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74 Winzer in KölnWeinmesse „Salon Natürel“ zeigt Vielfalt des vergorenen Traubensafts

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Eine Frau in roter Strickjacke und Jeans steht in einem Weinladen. Hinter ihr und auf einem großen Weinfass stehen und hängen zahlreiche Flaschen.

Naturwein-Händlerin Surk-ki Schrade veranstaltet wieder den Weinsalon Natürel in den Balloni-Hallen. 

Seit 17 Jahren führt Surk-ki Schrade ihren Naturwein-Laden in Köln. Am Wochenende lädt sie erneut in die Balloni-Hallen. 74 Winzer aus acht Ländern sind zu Gast.

Nicht nur die jecke Session hat Jahr für Jahr ein neues Motto, auch die Kölner Messe für Naturwein, der „Wein Salon Natürel“ . „In diesem Jahr ist es die Beständigkeit“, sagt Surk-ki Schrade, die Veranstalterin, die sich mit Leib und Seele ihrem Thema Naturwein verschrieben hat. „In Zeiten, in denen zehn verrückte Männer die Welt aus den Fugen bringen, vermitteln wir Kontinuität“, sagt Schrade, die in Frankreich aufgewachsen ist und seit Jahren in Köln die Trommel für den Naturwein schlägt. „Wir haben Winzer aus acht europäischen Ländern vor Ort, insgesamt 74“, berichtet Schrade über die Naturwein-Messe, die am kommenden Wochenende in den Balloni-Hallen stattfindet.

Als junge Frau kam Schrade auf einer Weinmesse in Marseille zum ersten Mal mit dem Vin naturel, den die Franzosen auch Vin nu, also nackter Wein, nennen, in Berührung. „Ich stellte fest, dass Wein als Genuss- und nicht als Lebensmittel von einer Auflistung der Inhaltsstoffe befreit ist. Aus meiner Sicht führt dies zu einer kompletten Intransparenz“, erzählt Schrade. „Für mich ist wichtig, dass die Winzer sagen, was sie mit ihren Trauben tun. Ob sie Hefe zusetzen oder Schwefel, wenn ja, wie viel.“

Winzer setzen den Trauben im Keller meist Hefe zu oder Schwefel, eine geübte Praxis, in vielen Weinbau-Regionen der Welt Tradition. Dass es auch ohne geht, davon ist Schrade überzeugt. „Ein Naturwein ist nichts weiter als vergorener Traubensaft. Er ist lebendig, authentisch, hat einen ganz eigenen Charakter.“ Meist gäben sich Winzer aber nicht die Zeit, die es braucht, um die Trauben einfach sich selbst zu überlassen. Doch Zeit sei eben häufig das Problem. Viele Weingüter müssten auf ihre Umsatzzahlen kommen, da seien lange Lagerzeiten und geringe Produktionsmengen eher hinderlich. „Natürlich habe ich dafür Verständnis, die Leute leben ja von ihrem Produkt. Ich plädiere nur für mehr Ehrlichkeit und Offenheit.“

Weinmesse Salon Natürel in den Balloni-Hallen

Immerhin, eine EU-Verordnung aus dem Dezember 2023 verpflichtet Weinproduzenten zur Angabe von Zutaten, Nährwerten und Allergenen – wahlweise direkt auf dem Etikett oder per QR-Code. Winzer, die sich  für die Teilnahme am Salon Natürel bewerben, müssen eine Art Selbstauskunft ausfüllen. Wie groß ist der Weinberg? Wie viele Sorten Wein stellen sie her? Wie viele Liter produzieren sie? Welche Zusatzstoffe nutzen sie? Fest steht, dass immer mehr Winzer ihr Herz für den nackten Wein entdecken.

Flaschen und das Buch „Natürlich Wein“ stehen im Schaufenster eines Ladens.

Im Laden „La Vincaillerie“ in der Leostraße gibt es auch theoretisches Wissen über Naturwein.

Längst gibt es auch Schaumweine und Champagner ohne Zusatzstoffe, doch gehe die Nachfrage nach dem Genussmittel Alkohol insgesamt derzeit eher zurück. „Der Markt für Wein, ob konventionell erzeugt oder Natur, wird kleiner. Jeder Artikel eines Gesundheitsexperten, der den Alkoholkonsum verdammt, schadet der Branche“, sagt Schrade. Zwischen August 2024 und Ende Juli 2025 tranken Deutsche über 16 Jahre laut Deutschem Weininstitut im Schnitt nur noch 21,5 Liter Wein pro Jahr – im Vorjahreszeitraum waren es noch 22,2 Liter. Schrades Anliegen ist es, Menschen neben dem Wissen um den unbehandelten Wein schlicht das Bewusstsein für den Genuss zu vermitteln. 

Neben den 74 Winzern, deren Weine Besucher für einen Pauschalpreis von 23 Euro/ Tag (plus 2 Euro Glaspfand) probieren können, gibt es am Sonntagmorgen Mettbrötchen aus der Lindenthaler Fleischerei Eckart. Ihren würdigen Abschluss findet die Messe mit der „Destroy-Party“ am Sonntagabend im Bumann & Sohn. „Da werden dann der Inhalt von 240 geöffneten Flaschen gepflegt vernichtet“, verspricht Gastgeberin Schrade.


Wein Salon Natürel, Samstag und Sonntag, 14. und 15. März, Samstag, ab 14 Uhr für alle, vorher von 11 bis 14 Uhr für Fachbesucher, Sonntag, 11 bis 18 Uhr, Balloni-Hallen, Ehrenfeldgürtel 96, Sonntag, ab 18 Uhr, Destroy-Party im Bumann & Sohn, Bartholomäus-Schink-Straße 2

Weinhandel La Vincaillerie, Leostraße 57, 50823 Köln, geöffnet Donnerstag und Freitag, 14 bis 19 Uhr, Samstag, 11 bis 14 Uhr www.la-vincaillerie.de