Das Café Impi in Ehrenfeld zieht mit dem Trendgetränk Iced Matcha zahlreiche Besucher an. Zu viele, finden Nachbarn, die jetzt eine Petition gestartet haben.
Ärger ums ImpiNachbarn starten Petition gegen Ehrenfelder Café

Tyra, Christopher, Linda (v.l.) stehen im Impi hinter der Theke. Saskia Groß (l.) führt den Laden zusammen mit ihrem Partner Robin Bohn (r.)
Copyright: Lioba Lepping
Lange war das „Impi“ an der Kreuzung Barthelstraße/Piusstraße nur ein kleines, unscheinbares Café neben dem Hotel Imperial. Hier traf man oft die Schülerinnen und Schüler des gegenüberliegenden Berufskollegs, Kinder mit einer Kugel Eis oder schwarz gekleidete Menschen, die nach einer Beerdigung auf dem Melatenfriedhof noch einen Kaffee trinken wollten.

Plastikmüll aus dem Impi findet sich allerorten rund ums Café in der Piusstraße.
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Diese Gemütlichkeit endete mit dem Einzug des Iced Matcha Latte im Mai 2025. Inhaberin Saskia Groß hatte mit dem Verkauf des grünen Trendgetränks offenbar den richtigen Riecher. Plötzlich war der Laden immer rappelvoll, vor allem abends bildeten sich lange Schlangen vor der Tür, die Gäste kamen zum Teil aus ganz NRW nach Ehrenfeld. Influencer und Gäste fotografierten das bunte Getränk, posteten das Bild in den sozialen Medien, und so verbreitete sich die durchsichtige Plastikdose mit Impi-Aufdruck tausendfach im Netz und lockte immer neue Besucherinnen und Besucher an.
Anwohner in Köln-Ehrenfeld starten Petition gegen das Impi
Mittlerweile sind es so viele geworden, dass es den Anwohnern zu viel geworden ist: Sie haben eine Online-Petition mit dem Namen „Für mehr Ruhe, Sicherheit und Sauberkeit rund ums Impi“ gestartet. Ein Foto auf der Seite zeigt Autos, die in zweiter Reihe, auf Gehwegen oder einer Feuerwehrzufahrt gegenüber parken. Dazu kommt der Müll: Im ganzen Viertel liegen die leeren Matcha-Becher und Plastikverpackungen für die Speisen, die das Café ebenfalls anbietet.

Impi-Dosen finden sich rund um das kleine Café an der Piusstraße in Ehrenfeld.
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In der Begründung der Petition, die sich an den Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) und den Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Volker Spelthann (Bündnis 90/Grüne) richtet, heißt es: „Seit Mai 2025 ertragen wir vor Ort den Hype um den Gastronomiebetrieb Impi, ausgelöst in den sozialen Medien sowohl durch das Impi selbst als auch durch Influencer. Dieser Hype bringt unserem Veedel Lärm, Autoposer, Raser und Müll. Die nicht recycelbaren und massenhaft achtlos weggeworfenen Einwegverpackungen für die verkauften Speisen und Getränke vermüllen zudem das Veedel. Nachdem das Impi seine Öffnungszeiten erneut ausgeweitet hat, halten der Lärm und das Verkehrschaos bis in die späten Abendstunden an.“ Viele Monate lang sei man sehr verständnisvoll gewesen, doch jetzt seien die Zustände untragbar geworden.
Unterzeichner fordern eingeschränkte Öffnungszeiten und Pfand
Die Unterzeichner fordern, dass die Öffnungszeiten eingeschränkt werden, um vor allem am Abend die Lärmbelästigung und das Park- und Verkehrschaos zu reduzieren. Außerdem soll verstärkt gegen Raser, Falschparker und Autoposer vorgegangen werden. Mit einem Becherpfand soll im Übrigen der Müll reduziert werden.
Mehr als 800 Menschen haben bisher unterschrieben. „Ich bin ebenfalls Anwohner und finde die Rücksichtslosigkeit und Ignoranz der Gäste unerträglich“, schreibt einer von ihnen. „Parkchaos & Lärm stören massiv“, ein anderer. „Müll, Lärm, Verkehrschaos“, heißt es am häufigsten. „Wir sollten alle unseren Hausmüll sammeln und denen vor die Tür stellen“, schlägt ein Anwohner vor, der nicht genannt werden möchte.

Die Betreiber haben ein großes Schild am Impi aufgehängt, um ihre Gäste zu sensibilisieren.
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Die Betreiber des Cafés sind sich der Problematik bewusst. Robin Bohn, der das Impi mit seiner Partnerin Saskia Groß betreibt, bedauert das mangelnde Verständnis der Nachbarn. „Wir haben hier einen Treffpunkt für Jugendliche geschaffen, abseits von Alkohol oder Shisha-Rauchen. Wir weisen unsere Gäste darauf hin, dass unsere Becher wiederverwendbar sind, man muss sie nicht versiegeln lassen.“ Von Anfang an seien er und Saskia Groß im Gespräch gewesen mit Nachbarn, immerhin sei seine Partnerin im Veedel großgeworden, habe den Laden von ihrem Großvater übernommen.
„Wir haben alle eingeladen, mit uns Lösungen zu entwickeln. Wir sind auch in Gesprächen mit der Stadt, es fehlen einfach Mülleimer, wir selbst dürfen die nicht einfach im öffentlichen Raum aufstellen.“ Mit dem Ordnungsamt habe man außerdem die Schlangen, die sich oft vor dem kleinen Ladenlokal bilden, neu geordnet. „Die Leute stehen jetzt auf unserem Grundstück, nicht mehr um die Ecke vor anderen Häusern. Dafür haben wir Tische draußen weggeräumt und verzichten auf Umsatz.“
Betreiber fühlen sich gemobbt, Ordnungsamt kontrolliert
Auch bei den Öffnungszeiten sei man den Nachbarn entgegengekommen. Eigentlich dürfte der Laden bis nach Mitternacht öffnen, sagt Bohn. Dass sie um 22 Uhr schließen, sei ein weiteres Zugeständnis. Er und Saskia Groß fühlen sich von einigen Nachbarn inzwischen regelrecht gemobbt. Einige warteten nur darauf, dass ein Auto zu schnell fährt oder an der Feuerwehreinfahrt hält. „Natürlich gibt es immer jemanden, der sich danebenbenimmt, aber die allermeisten unserer Gäste wissen sich zu benehmen.“
Bohn wünscht sich, dass beide Seiten wieder offen miteinander sprechen können, die Fronten sich nicht weiter verhärten. Es gebe auch Nachbarn, die auf ihrer Seite seien, sich aber nicht mehr trauten, das zu sagen. Ordnungsamt und Polizei kontrollierten regelmäßig. Die Inhaber weisen mit einem großen Schild an der Tür darauf hin, ihre Becher nicht einfach wegzuwerfen, ruhig zu sein und vernünftig zu parken.
Bleibt abzuwarten, wie es weitergeht. Bohn und Groß wünschen sich, dass Ruhe einkehrt am Impi, die Nachbarn auch. Doch der Sommer steht erst noch bevor. Schön wäre es, wenn sich das Impi zu einem echten Veedelstreffpunkt für alle entwickeln würde. Dafür sollten alle Seiten mit mehr Verständnis aufeinander zugehen. Und die Gäste ihren Müll dort entsorgen, wo er hingehört, im Zweifel zu Hause.

