Ehrenfeld ist der Bezirk mit den meisten Gesamtschulen Kölns, selbst eine Lindenthaler Gesamtschule steht hier. Die Verteilung der Schüler ist sehr uneinheitlich.
Bildungslandschaft KölnWeshalb sich in Ehrenfeld die Gesamtschulen häufen

Sie steht auf dem Gebiet des Bezirks Ehrenfeld, gehört planerisch zu Lindenthal: die Gesamtschule Wasseramselweg.
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667 Kinder stadtweit haben kürzlich in der ersten Runde des Anmeldeverfahrens keinen Platz an der Gesamtschule ihrer Wahl erhalten. Gleichzeitig meldeten vier Gesamtschulen, sie könnten jeweils noch mehr als zehn freie Plätze anbieten. Das ist nicht ungewöhnlich, freie Plätze werden schließlich nicht immer dort angeboten, wo gerade Bedarf herrscht. Andererseits fällt eine Voraussage darüber, wo der Mangel auftreten wird, nicht sonderlich schwer.
Dass zwölf der insgesamt 19 städtischen Gesamtschulen im linksrheinischen Köln liegen und nur sieben im rechtsrheinischen, geht rein rechnerisch noch in Ordnung. Schließlich leben auch „nur“ knapp 40 Prozent der Kölner rechts des Rheins. Doch auf der „schäl Sick“ sind die Kölner im Schnitt jünger als auf der linken Rheinseite, und die Nachfrage nach Gesamtschulplätzen ist dort regelmäßig sehr hoch.
Fünf Gesamtschulen konzentrieren sich im Bezirk Ehrenfeld
Merkwürdig an der Verteilung der Gesamtschulen im Stadtgebiet ist aber vor allem, dass allein der Stadtbezirk Ehrenfeld derzeit über fünf der zwölf linksrheinischen Gesamtschulen verfügt: Max-Ernst-Gesamtschule, Gesamtschule Helios, Gesamtschule Am Wassermann, Gesamtschule Ossendorf und die Gesamtschule Wasseramselweg. Eine Sprecherin der Stadt besteht allerdings darauf, dass „die gesamten Kapazitäten der Gesamtschule Wasseramselweg planerisch dem Stadtbezirk Lindenthal zugeschrieben“ werden. Weil in Lindenthal kein geeigneter Schulstandort gefunden werden konnte, war die Wahl auf ein Grundstück im Vogelsanger Gewerbe- und Landschaftspark Triotop gefallen. Der liegt ganz nah an der Stadtbezirksgrenze zu Lindenthal.
Was jedoch nicht bedeutet, dass nur Kinder und Jugendliche aus dem Bezirk Lindenthal diese Gesamtschule besuchen. Ein erheblicher Teil der Schülerschaft stammt aus dem Bezirk Ehrenfeld, was aber nicht weiter aufgedröselt wird, weil man bei der Schulverwaltung ohnehin davon ausgeht, dass „stets Schülerströme zwischen den Stadtbezirken bestehen“, wie die Sprecherin der Stadt mitteilt. Es wird halt dort gebaut, wo die Stadt geeignete Grundstücke besitzt – wenn man nicht gleich ganze Gebäude übernimmt, die ein Investor anbietet.
Nachfrage nach Gesamtschulen in Chorweiler am größten
Immerhin konnte man auf diese Weise in den vergangenen Jahren im Bezirk Ehrenfeld vier – beziehungsweise drei – neue Gesamtschulen auf den Weg bringen, denn die Verwaltung stand unter Zugzwang: Eine Elternbefragung im Zusammenhang mit der bislang jüngsten „Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung“ im Jahre 2023 hatte ergeben, dass die Zahl der Schüler und Eltern, die einen Platz an einer Gesamtschule bevorzugen, weiter ansteigt. 38 Prozent waren das im Bezirk Ehrenfeld, er belegte gleichauf mit Mülheim den zweiten Platz stadtweit, nur in Chorweiler war der Anteil etwas höher (39 Prozent). Zum Vergleich: Im Bezirk Lindenthal entschieden sich nur 18 Prozent der Befragten für die Gesamtschule.
Weil angesichts des anhaltenden Zuzugs in die Domstadt ohnehin ein Mangel an Schulplätzen herrschte, hatte die Verwaltung mit der Planung neuer Gesamtschulen für den Bezirk Ehrenfeld also keine ganz schlechte Wahl getroffen.
Allerdings ergab die Befragung auch, dass die Länge des Schulwegs neben Faktoren wie dem pädagogischen Angebot, der Qualität der Lehrer oder dem Renommee einer Einrichtung durchaus ein Faktor bei der Wahl der weiterführenden Schule ist. Für passende Angebote nehmen Schüler und Eltern auch mal längere Schulwege in Kauf. Andererseits dürften nur wenige versucht sein, die gesetzlich erlaubten drei Stunden Schulweg täglich – Hin- und Rückreise, mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwa – voll auszureizen.
So betont der Fortschreibungs-Text von 2023: „Der Rhein muss als natürliche Barriere bei der Anwahl einer weiterführenden Schule angesehen werden.“ Gesamtschulplätze in Ehrenfeld helfen Schülern aus Neubrück daher nicht weiter. Angesichts der mittelfristig wieder sinkenden Schülerzahlen muss sich die Politik also fragen, ob man den Bogen in Ehrenfeld in puncto Gesamtschulen nicht ein wenig überspannt hat. Die Stadtsprecherin teilt auf Anfrage mit, die Verwaltung habe 2018 „die Errichtung eines Schulgebäudes für ein Gymnasium in Ossendorf vorgeschlagen“, der Rat aber entschied sich seinerzeit für eine Gesamtschule mit sechs Eingangsklassen.
Und es geht weiter: Die etwas angelegene Max-Ernst-Gesamtschule in Bocklemünd, die älteste Gesamtschule im Bezirk, wird demnächst auf ebenfalls sechs statt bisher fünf Eingangsklassen erweitert. Dabei gehörte sie zu den vier Gesamtschulen, die nach der ersten Runde im Anmeldeverfahren noch freie Plätze hatte. Die Stadtsprecherin teilte aber mit, das sämtliche Gesamtschulen bestehen bleiben, mit „Umwidmungen von Gesamtschulgebäuden“ sei „nicht zu rechnen.“ Vielleicht gar keine schlechte Lösung: So haben Schüler und Lehrer in den kommenden Jahren endlich mal genug Platz.
