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„Komplett überwältigend“Großer Andrang bei Charity-Party für an ME/CFS gestorbene Kölnerin Kathi

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Die Party im Ehrenfelder Club Odonien vereinte hunderte Menschen, die mehr Forschung im Bereich ME/CFS fordern.

Die Party im Ehrenfelder Club Odonien vereinte hunderte Menschen, die mehr Forschung im Bereich ME/CFS fordern. 

Weil ihre Freundin mit 30 Jahren an den Folgen von ME/CFS starb, sammeln Joana und Johanna Spenden für eine Aufklärungskampagne.

TRIGGERWARNUNG: In diesem Beitrag geht es um Suizid.

Auf der Tanzfläche im Außenbereich des Odonien war am Sonntag kaum ein Durchkommen. Überall auf dem Gelände des Kölner Clubs hingen Fotos einer jungen Frau. Sie zeigten die Kölnerin Kathi, die mit nur 30 Jahren im März verstarb. Sie war schwer von der unheilbaren Krankheit ME/CFS betroffen und nahm vier Jahre nach ihrer Diagnose Sterbehilfe in Form von assistiertem Suizid in Anspruch.

An diesem Abend wurde in ihrem Namen gefeiert, weil Kathi das genauso gewollt hätte, wie ihre Freundinnen Johanna Wolff (31) und Joana Welsing (30) erklären. Sie sind die Veranstalterinnen des Events und klären unter dem Namen „Freu dich nicht zu spät“ – Kathis Lebensmotto – über ME/CFS auf. Durch den Erlös der Charity-Party soll eine deutschlandweite Aufklärungskampagne mit dem Verein „startaMEvolution“ entstehen. Welche Summe zusammengekommen ist, ist noch nicht klar. 

Die Erwartungen an den Tag seien übertroffen worden. „Es steht auch immer noch eine Schlange vor dem Eingang, was crazy ist, weil wir zwischenzeitlich wirklich Angst hatten, ob überhaupt genügend Leute kommen“, sagte Joana. Im Vorverkauf waren 400 Tickets weggegangen, am Abend kamen aber deutlich mehr Menschen.

Weil Kathi sich überall auf der Welt Tattoos stechen ließ, war auch ein Tattoo-Artist Teil der Party. Joana ließ sich deshalb die Worte „Freu dich nicht zu spät“ stechen. Spenden wurden außerdem über eine Tombola sowie über den Verkauf von Shirts und Postkarten gesammelt.

„Der Tag ist genauso, wie Kathi ihn geliebt hätte“, sagte Joana. Das bestätigt auch Chrissi, die Kathi seit der Grundschule kannte und den Abend mit organisierte: „Sie wäre die ganze Zeit vorne direkt an der Bühne gewesen und hätte getanzt.“

Für sie sei der Tag „komplett überwältigend“ gewesen. Auch weil so viele Menschen durch die Party erstmals von ME/CFS erfuhren. Rund 650.000 Menschen in Deutschland sind laut der „Deutschen Gesellschaft für ME/CFS“ daran erkrankt.

Ein Arm auf dem die Worte „Freu dich nicht zu spät“ tätowiert sind.

Auf der Party konnten Gäste sich unter anderem das Lebensmotto von Kathi tätowieren lassen.

In schweren Fällen führe die Multisystemerkrankung zu Symptomen wie Schmerzen am ganzen Körper, Reizempfindlichkeit, Muskelschwäche, Herzrasen und Atemnot. Schwerstbetroffene sind deshalb bettlägerig und pflegebedürftig. Es gebe zudem nur wenig Forschung zu der Erkrankung und nur wenige Ärztinnen und Ärzte, die sich auskennen. 

Auch ernste Momente gehörten zu der Charity-Party in Köln. Zu Beginn des Events sprach Kathis Mutter zu den Gästen. Später trugen Johanna und Joana auf der Bühne die Trauerreden von Kathis Beerdigung vor. Im Publikum standen Menschen mit Tränen in den Augen.

Unter den Gästen war auch Becci aus Werl. Von ME/CFS erfahren habe sie durch Kathis Geschichte – inzwischen sei auch eine sehr gute Freundin von ihr betroffen. Die beiden haben sich schon lange nicht mehr gesehen. Denn ein Kernsymptom von ME/CFS ist eine starke Verschlechterung des Zustands schon durch geringe kognitive und körperliche Reize, wie ein Gespräch. 

Die Krankheit sei sehr einschränkend, erklärte auch Becci. Es sei daher wichtig, Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Was ihr an diesem Abend auffiel: „Alle sind für das gleiche Ziel hier. Und das ist einfach richtig schön.“


Haben Sie selbst Suizidgedanken oder leiden Sie unter einer schweren Krise? Hier finden Sie rund um die Uhr anonyme und kostenlose Hilfe: Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222, Nummer gegen Kummer (für Kinder und Jugendliche): 116/111. Weitere Hilfsangebote und Beratungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie unter www.suizidprophylaxe.de oder bei der Deutschen Depressionshilfe.