In den Ossendorfer Gartenhöfen sollen bis Ende des Jahres 42 Photovoltaikanlagen den Strombedarf zum Großteil nachhaltig abdecken.
Innovatives Projekt in KölnMieterstromprojekt in Ossendorfer Gartenhöfen setzt neue Maßstäbe

Mieterstrom im Quartiersmaßstab: Andrea Pera, Mathias Weidle und Markus Grüßer begutachten fertiggestellte Photovoltaikanlagen.
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Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt – und mit ihr Sonnenschein ohne Ende. In den Ossendorfer Gartenhöfen ist man dann bestens vorbereitet: In diesen Tagen sollen die ersten Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Häuser an der Rochusstraße in Betrieb gehen und tüchtig Strom liefern. Nach und nach werden in den kommenden Monaten die übrigen Dächer auf den zehn Gebäuderiegeln der zwischen 2018 und 2022 errichteten Siedlung der Wohnungsgenossenschaft „Die Ehrenfelder“ folgen: „Wenn alles gut läuft, sind wir im November fertig“, meint Markus Grüßer vom Kölner Ingenieurbüro und Installationsbetrieb Heimwatt.
Dann soll „Kölns größtes Mieterstromprojekt“ – so der künftige Betreiber Green Planet Energy – fertiggestellt sein. Insgesamt 42 Photovoltaikanlagen auf 55 Wohngebäuden mit 435 Wohnungen werden dann jährlich rund 690.000 Kilowattstunden Strom erzeugen: „Damit können die Haushalte in den Ossendorfer Gartenhöfen etwa die Hälfte ihres Bedarfs selbst decken“, erklärt Andrea Pera, Projektleiterin bei der Wohnungsgenossenschaft. Wenn die Sonne nicht scheint und die Batterien leer sind, liefert der Betreiber die übrigen 50 Prozent übers Stromnetz: „Dabei handelt es sich zu 100 Prozent um Ökostrom“, versichert Mathias Weidle, Projektingenieur bei Green Planet Energy.
Solarstrom für 700 Wohnungen
Green Planet Energy wurde 1999 von Greenpeace gegründet und ist mit rund 50.000 Mitgliedern Deutschlands größte Energiegenossenschaft. Sie setzt auf Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, betreibt unter anderem Wind- und Solarparks und unterstützt Privatleute, Unternehmen, aber auch Kommunen bei der Energiewende – ob es um den Einbau von Wärmepumpen geht, um Photovoltaikanlagen auf dem Dach oder auch um die kommunale Wärmeplanung. „Wir sind hauptsächlich in Hamburg und im Norden aktiv, zunehmend aber auch im Rheinland“, sagt Mathias Weidle.
Mit den „Ehrenfeldern“ hat Green Planet Energy mit Unterstützung von Heimwatt bislang acht Projekte umgesetzt und versorgt aktuell knapp 700 Wohnungen und 11 Gewerbeeinheiten der Genossenschaft in Ossendorf, Neuehrenfeld, Nippes und Lindenthal mit Solarstrom. Immer nach dem gleichen Modell: Green Planet Energy pachtet die Dächer von der Wohnungsgenossenschaft, lässt darauf die Anlage installieren und betreibt sie anschließend für mindestens 20 Jahre. Knapp 1,3 Millionen Euro kostet die Installation: „Die Pacht ist nur ein Bruchteil der Summe, schließlich machen die Eigentümer der Häuser das ja aus Überzeugung“, so Weidle.
Klimafreundliche Energieversorgung trifft dabei auf günstige Kosten, denn je nach Größe der Wohnung und individuellem Verbrauch können die Mieter mit dem Mieterstrom-Modell zwischen 60 und 250 Euro pro Jahr einsparen. „Unsere Mieter waren alle sofort einverstanden, sie haben nur gefragt, weshalb das nicht von Anfang an angeboten wurde“, erzählt Andrea Pera. „Aber als die Siedlung geplant wurde, war das noch kein Thema.“
Da ist noch viel Luft nach oben beim Thema Mieterstrom. Laut einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln könnten bundesweit bis zu 20 Millionen Haushalte mit Mieterstrom versorgt werden, doch bislang wurden lediglich rund 5400 Anlagen realisiert. Nordrhein-Westfalen will den Ausbau von Photovoltaik auf Mehrparteienhäusern beschleunigen. Auch die Stadt Köln fördert das Projekt in den Ossendorfer Gartenhöfen, mit dem das Mieterstrom‑Potenzial erstmals im Quartiersmaßstab ausgeschöpft wird.

Die gelben Rohre an den Fassaden an der Rochusstraße künden seit Kurzem von klimafreundlicher Energieversorgung.
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Zweieinhalb Jahre Vorbereitung waren allerdings für das Ossendorfer Projekt notwendig. Da ging es unter anderem um die Statik der Gebäude. Mögliche Wind- oder Schneebelastungen der Dächer mussten berechnet werden, aber auch die Verlegung der Kabel war ein Problem. Denn die ist bei den Gartenhöfen nur außen an den Fassaden entlang möglich: „Da mussten die Architekten befragt werden, denn die Fassaden sind ja prämiert worden“, erklärt Markus Grüßer. „Man hat sich an der Rochusstraße auf gelbe Rohre geeinigt, das passt farblich und ist auffällig: eine gute Werbung.“
