Herbert Elfers hat sich für seine Erst-Stadion-dann-Stadt-Pläne von der Piazza dell'Anfiteatro in Lucca inspirieren lassen. Der Architekt spricht von einer Idee „wie ein Donnerschlag“.
Ein Olympiastadion für Köln„Hier verbinden sich alle Sehnsüchte und Ziele zu einem großen Ganzen“

So sollen Olympiastadion und Olympisches und Paralympisches Dorf im späteren Kölner Stadtteil Kreuzfeld aussehen. Nach den Spielen soll das Stadion in Wohn- und Geschäftsflächen umgewandelt werden.
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Herr Elfers, Sie haben sich das mögliche Kölner Leichtathletikstadion für Olympia ausgedacht, das nach den Spielen um- und weitergebaut werden und als Wohn- und Geschäftsgebäude mit einem innen liegenden Park Teil des neuen Veedels Kreuzfeld werden soll. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Als mir die Ursprungsidee kam, war das ein magischer Moment. Das war in der Corona-Zeit, wir haben damals an einem Städtebau-Wettbewerb teilgenommen. Der war von einer privatwirtschaftlichen Initiative ausgeschrieben worden, die Olympische und Paralympische Spiele an den Rhein holen wollte. Ich war mit meiner Familie in Lucca in Italien, wir haben die Piazza dell'Anfiteatro besucht, die aus den Überresten eines antiken römischen Amphitheaters entstanden ist. Es war wie ein Donnerschlag und ich dachte: Das ist die Idee. Auf einer Postkarte ans Büro habe ich die erste Skizze gemacht, meine Kinder saßen daneben. Und das ist jetzt daraus geworden.
Urlaubsideen sind ja nicht unbedingt immer die besten.
Diese Skizze damals fand ich erst mal lustig. Aber der Gedanke, ein Stadion direkt für den Weiterbau zu planen, hat mich da schon sehr berührt. Es schien mir so logisch. In der Folge habe ich dann im Zusammenhang mit modularem Bauen und Nachhaltigkeit gemerkt: Es gibt überhaupt keine Argumente dagegen. Die Piazza Navona in Rom, einer der berühmtesten städtischen Plätze der Welt, ist genauso entstanden – aus einem Stadion.

Herbert Elfers, Architekt und Planer des möglichen Kölner Olympiastadions, Geschäftsführer und Mitgründer des Architektur- und Stadtplanungsbüros Planquadrat.
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Aber das war, genauso wie in Lucca, nicht geplant, sondern eine Entwicklung über Jahrhunderte.
Das stimmt. Aber diese Idee aus der Vergangenheit hat sich bewährt. Jetzt transportieren wir sie nach Köln, in eine 2000 Jahre alte Stadt, die von den Römern gegründet wurde. Damit würde sich ein Kreis zum antiken Rom schließen. Dazu der Kölner Dom, der als Wahrzeichen weltbekannt ist. Das sind richtig gute Argumente für Olympische und Paralympische Spiele.
Gibt es so etwas im modernen Stadionbau irgendwo auf der Welt schon?
Nein. Die Idee war immer eine andere: Man wollte Stadien bauen, die repräsentativ sind, die international wahrgenommen werden. Bei uns geht es jetzt um Nachhaltigkeit, um die Wiederverwendbarkeit eines Bauwerks. NRW hat bereits eine hervorragende Sportinfrastruktur, aber es gibt kein Leichtathletikstadion für 50.000 Besucher.

Visualisierung der Piazza dell'Anfiteatro in Lucca/Italien, die Herbert Elfers als Vorlage für die Idee eines wandelbaren Olympiastadions für Köln diente.
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Man wird auch nach möglichen Spielen wohl keines brauchen.
Nein. Und da sind die antiken Vorbilder hervorragende Beispiele, wie man mit gleichem Material, damals mit Natursteinen, heute mit vorgefertigten Bauteilen, ein Bauwerk in eine weitere Lebensphase schicken kann. Wir sind als Bauwirtschaft einer der großen Emittenten von CO2. So können wir nicht weitermachen. Wir brauchen mehr Ideen für die Kreislaufwirtschaft. Wir müssen Materialien, die wir einmal produziert haben, in langfristigen Kreisläufen weiterverwenden. Aus diesem gedanklichen Umbruch ist unser Konzept geboren.
Bislang sind Olympiastadien immer geblieben. Entweder wurden alte saniert oder neue gebaut, die dann in der Gegend herumstanden, ob sie nun gebraucht wurden oder nicht. Könnte das Kölner Zwischennutzungsmodell eine Zukunftsvision für Olympia sein?
Eindeutig ja. In unseren Gesprächen mit Sportverbänden und olympischen und paralympischen Akteuren wurde uns immer wieder aufgezeigt, dass die olympische Idee der Begegnung von unterschiedlichsten Nationen und Völkern im Sport eine große Botschaft ist, dass sie aber in ihrer Organisation mehr und mehr in die Kritik gerät. Niemand will mehr „weiße Elefanten“, also Gebäude, die für ein einmaliges Ereignis mit großem Aufwand gebaut wurden, dann aber keine wirkliche Nachnutzung haben. Das muss sich ändern. Wir wollen mit Olympia keinen Schaden anrichten, sondern im Gegenteil Zukunft aufbauen für Städte, für das Miteinander der Menschen, dann im späteren Beisammensein von Wohnen und Arbeiten im urbanen Raum.

Erste Skizze von Herbert Elfers für einen Weiterbau des möglichen Kölner Olympiastadions zu Wohn- und Geschäftsflächen im neuen Veedel Kreuzfeld.
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Bezahlt werden muss so ein Stadion aber trotzdem.
Auch da setzt unser Konzept an, es beinhaltet auch eine ökonomische Idee. In Köln sind sowohl Olympische und Paralympische Spiele als auch eine Stadterweiterung das Ziel. Es wird ein Stadtteil erbaut und in der Zwischenzeit ist Olympia sozusagen zu Gast.
Ihre Idee ist, dass das Stadion nicht vom Land NRW oder vom Bund finanziert werden muss, sondern auf dem Weg zu Wohnraum von Investoren und Wohnbaugesellschaften. Ist es realistisch, dass sich dafür jemand findet?
Genau, also eine Rechnung für zwei Nutzungen. Günstiger geht es nicht. Wir haben die sogenannten PPP-Modelle, Public Private Partnership, die sind erprobt in Deutschland. Auf dieser Tradition können wir aufsetzen und von Anfang an Investoren einbinden, die als spätere Eigentümer dieser Gebäude den finanziellen Nutzen sehen. Es gibt Akteure aus der Wirtschaft, die von dieser Idee begeistert sind. Ich kann das Wohnungsunternehmen Vonovia nennen, dort hat man schon gesagt: Eigentlich müssten wir das sowieso bauen, um es mal zu zeigen, auch wenn kein Olympia kommt.

So könnte das Kölner Leichtathletikstadion nach seiner Nutzung bei Olympischen Spielen den neuen Stadtteil Kreuzfeld prägen.
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Werden die Wohnungen im Olympischen Dorf familientauglich sein? Oder sind das dann kleine Athletenapartments? In London zum Beispiel ist man die nach den Spielen 2012 nicht so gut losgeworden wie gedacht.
Wir wollen es gerade nicht machen wie in London, das halten wir für die falsche Strategie. Geplant ist ein Wohnungsmix, wie er in jeder Stadt gebraucht wird – also auch mit Wohnungen, die familientauglich sind. Die Sportlerinnen und Sportler leben dort während der Spiele in Wohngemeinschaften, später ziehen Kölnerinnen und Kölner ein. Dazu kommt, dass wir bei dem Projekt Antworten auf die Fragen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit entwickeln können, die uns heute bewegen. Wie bekommen wir die Aufheizung der Stadt in den Griff? Wie gehen wir mit Wasser um, wie schaffen wir eine Schwammstadt? Da braucht es Antworten, die weit über den Sport hinausgehen.
Ihr Konzept klingt fast schon futuristisch, mit vertikalem Gemüseanbau zum Beispiel. Was Sie da planen, scheint das Neueste vom Neuen in Sachen klimaangepasstes Bauen zu sein. Ist das Ihr Traumprojekt?
Ja, das ist es tatsächlich. Das ist ein Traumprojekt für unser ganzes Büro, weil sich hier alle Sehnsüchte und Ziele zu einem großen Ganzen verbinden. Wie wird zukünftig die Produktion für die Ernährung der Menschheit funktionieren bei einem stetig wärmeren Klima? Das ist eine von vielen Fragen. Vielleicht weniger auf dem Acker, sondern in großen Farmen, die mit einem Kreislauf funktionieren, bei dem das Wasser in die Wiederverwendung geht. Auch das wäre eine Möglichkeit für eine zukünftige Nachnutzung für die Stadionstrukturen, die wir in Köln errichten wollen. Das könnte übrigens auch eine 3.0-Alternative für die Region Köln-Rhein-Ruhr sein, eine industrielle Produktion für landwirtschaftliche Güter.
Das klingt ein bisschen nach Science-Fiction.
Wir brauchen in der Zukunft neue Wege. Wir sind als Gesellschaft, und erst recht wir als Ingenieure, Architekten, Stadtplaner, gefordert, ganz neue Modelle vorzuschlagen. Wir müssen zusammenhängender und integrativer denken. Olympische und Paralympische Spiele wären eine großartige Gelegenheit, solche Dinge zu zeigen.
Glauben Sie daran, dass Ihre Stadion-Idee in Köln umgesetzt wird?
Wenn es jetzt nicht mit der NRW-Bewerbung klappt, werden wir so etwas trotzdem irgendwann auf der Welt sehen. Daran glaube ich. In dem Projekt steckt eine Sinnfälligkeit, an der man nicht vorbeikommt. Es muss darum gehen, dass wir Orte besser hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben.
Olympiaentscheid
Köln Rhein-Ruhr, München und Berlin wollen deutscher Ausrichter von Olympischen Spielen werden. Mit welcher Stadt sich der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bewirbt, wird am 26. September bei einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden entschieden. Deutschland macht sich Hoffnungen auf die Austragung der Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Eine erste Auswahl für die Ausgabe 2036 soll im Frühjahr 2027 getroffen werden, die Entscheidung fällt aber wohl erst Mitte 2029.
