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„Eine Welt ist nicht genug“Anekdotenreiches Buch über Werner Herzog erschienen

4 min

Im Space-Western „The Mandalorian“ von Jon Favreau ist Werner Herzog als zwielichtiger Kunde zu sehen.

„Die Welt ist nicht genug.“ So lautet James Bonds Antwort, als seine in ihn verliebte Widersacherin Elektra zu ihm sagt, sie habe ihm eigentlich die Welt zu Füßen legen können. Das zum Filmtitel geadelte Zitat inspirierte den Kölner Autor und Filmjournalisten Josef Schnelle zu seinem Reiseführer durch das Werk des Regisseurs Werner Herzogs: „Eine Welt ist nicht genug.“

Denn auch für den neben Wim Wenders und Volker Schlöndorff international bekanntesten deutschen Filmregisseur – der sich selbst, wie er Schnelle erzählt, „als bayrischer Filmemacher sieht“ – ist eine (Film-)Welt nicht genug. Deshalb war er auch im Neuen Deutschen Film der 1970er Jahre nicht verwurzelt, war an dessen Gemeinschafts-Projekten wie „Deutschland im Herbst“ nicht beteiligt.

Werner Herzogs „Fitzcarraldo“: Oper im Urwald

Nur mit Alexander Kluge, Herbert Achternbusch und Edgar Reitz verbanden ihn künstlerische Verwandtschaft und freundschaftliche Beziehungen. Mit seinen Filmen ging er mehr in die Welt hinaus. „Aguirre, der Zorn Gottes“ entführte uns ins Peru der spanischen Kolonialfeldzüge, „Fitzcarraldo“ in eine Oper mitten im brasilianischen Urwald.

Drehbuch für den „kleinen Eisbären“

Der Autor Josef Schnelle (Foto) wurde 1949 in Rheydt geboren, studierte Theater- und Film- und Fernsehwissenschaft in Köln, arbeitete danach als Filmjournalist für Printmedien, Rundfunkanstalten und TV-Sender. Er schrieb Drehbücher für Zeichentrickfilme („Der kleine Eisbär“) und publizierte diverse Kinderbücher. Außerdem organisiert er seit 25 Jahren den Veedelzug in der Kölner Südstadt. (rrh)

In dem Zusammenhang kommt Josef Schnelle auf die Neugier und künstlerische Vielfalt des Regisseurs, der im September seinen 80. Geburtstag feiert: „Herzog ist ja auch Opernfan und hat in Bayreuth ,Lohengrin’ inszeniert“ – und erinnert sich an jenen magischen, an „Fitzcarraldo“ erinnernden Moment bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises 2019 für Herzogs Lebenswerk: „Da wird eine Opernsängerin auf einem stilisierten Schiff über die Bühne gezogen und singt die Laudatio auf Werner Herzog wie eine Arie.“

Das hat gleichzeitig etwas Spirituelles, aber auch Verrücktes, das sich nicht nur durch seine Filme, sondern auch sein Leben zieht: Herzog wanderte mit einem Esel von München nach Paris, um die im Sterben liegende Filmhistorikerin Lotte Eisner noch einmal zu sehen. Und auf der Filmhochschule, die er liebevoll-sarkastisch „Schurken-Akademie“ nennt, bringt er den Studierenden bei, „wie man eine Drehgenehmigung fälscht“.

Auch Filme dokumentieren sein „Verrücktsein“ und seine Spiritualität: In einem Kurzfilm seines Regie-Kollegen Les Blank verspeist er vor der Kamera – wie einst Charlie Chaplin in „Goldrausch“ – seinen Schuh.

„Die Höhle der vergessenen Träume“ ist Herzogs Doku-Meisterwerk

Er steigt todesmutig mit der Kamera auf einen kurz vor dem Ausbruch stehenden Vulkan („La Soufriére“, 1977), um dem Tod ins Auge zu sehen, hypnotisiert in „Herz aus Glas“ (1976) seine Protagonisten, um in ihre Seelen blicken zu können.

Sein dokumentarisches Meisterwerk drehte Herzog 2010 mit „Die Höhle der vergessenen Träume“ in 3D – „in echtem 3D“, betont Schnelle, „nicht bei der Postproduktion von 2D auf 3D umgewandelt“. Für Schnelle ist dieser Film über den bis heute versiegelten „Louvre der Urzeit“ durch „Herzogs sehr persönlichen, philosophischen Kommentar ein beeindruckendes Beispiel über die Entstehung von Kunst und Kultur“.

Werner Herzog hat Lebensmittelpunkt nach Hollywood verlegt

Mittlerweile hat Werner Herzog, der sich „von den Deutschen ungeliebt fühlt“, seinen Schaffensmittelpunkt nach Hollywood verlegt. Dort arbeitete er mit Stars wie Nicolas Cage („Bad Lieutenant“) und Nicole Kidman („Königin der Wüste“).

Auch wenn einige Produktionen an den US-Kinokassen floppten, bedauert Schnelle, dass nur die Hälfte seiner dort gedrehten Filme bei uns in die Kinos kommen. „Aber ehe er sich im deutschen Fördersystem verbiegt, kämpft er lieber in den USA um die Finanzierung seiner Projekte.“ Die künstlerische Kompromisslosigkeit Herzogs nötigt Schnelle Respekt ab. Sein Buch beleuchtet thematische („Die Wahrheit des Ekstatischen“, „Spiritualität und Wunder“) wie auch technische Aspekte (Bildgestaltung, Musik) beleuchtet.

Ergänzt durch eine kommentierte Filmografie und schwarz-weiß Fotos. Gut unterhalten und durch kluge Analysen bestens vertraut gemacht mit dem Oeuvre Herzogs, tut es einem nur leid, dass das Interview zwischen Regisseur und Autor durch wahrhaft (nachzulesende) skurrile Umstände nicht zu Ende geführt werden konnte.

Josef Schnelle, „Eine Welt ist nicht genug“, Schüren Verlag,176 S. 19.80 Euro.