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Infografik

Erfolg für die KVB
Deshalb wird in Köln wieder mehr Bahn gefahren

5 min
Straßenbahnen der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB)

Straßenbahnen der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB)

Die Kölner Verkehrs-Betriebe können ein Plus bei den Fahrgastzahlen verzeichnen. Doch an die Erfolge aus der Vor-Corona-Zeit knüpfen sie immer noch nicht an.

Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) können für die Jahre nach der Coronakrise einen neuen Rekord bei den Fahrgastzahlen verbuchen. 237,5 Millionen Kundenfahrten fanden im Jahr 2025 statt. Damit konnte die Zahl der Kundenfahrten in 2024 um 0,6 Prozent gesteigert werden. Zugleich ist aber auch klar, die KVB kommen nicht mehr ohne weiteres an die Zahlen heran, die sie noch vor der Pandemie verkünden konnten. Die scheidende Vorstandsvorsitzende Stefanie Haaks sieht die Gründe dafür vor allem in einem Wandel der Arbeitswelt. Dennoch gibt sie für die Zukunft ein hochgestecktes Ziel vor.

Wie haben sich die Fahrgastzahlen entwickelt?

 In den vergangenen zehn Jahren erreichten die KVB ihren Spitzenwert bei den Kundenfahrten im Jahr 2019. Damals stiegen 286 Millionen Fahrgäste in Bussen und Bahnen des Verkehrsbetriebes. Dann bremste das Corona-Virus die KVB aus. 2020 fielen die Zahlen auf 167,7 Millionen Fahrten zurück, ein Einbruch um rund 41 Prozent. Zwar konnte sich der Betrieb aus diesem Loch wieder herauskämpfen. Doch die alten Erfolge bleiben unerreicht. Der heutige Wert der Fahrgastzahlen mag mit Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre einen Spitzenwert markieren, liegt aber zwischen rund 40 bis 50 Millionen Kundenfahrten unter den Werten aus den Jahren 2016 bis 2019. Dass die Rekorde von einst unter bestehenden Voraussetzungen nochmals erreicht werden, hält Haaks für unrealistisch: Corona hat mit Homeoffice das Pendlerverhalten verändert.

Wie wirkt sich das Deutschlandticket aus?

Die Kunden nehmen das subventionierte Ticket gut an. Für Haaks hat dieser auf den ersten Blick positive Effekt allerdings einen Pferdefuß. Zwar ist durch das Deutschlandticket der Stammkundenanteil bei den KVB deutlich angestiegen: Seit das damalige 9-Euro-Ticket im Jahr 2023 in das Deutschlandticket umgemünzt wurde, wuchs die Anzahl der Kunden mit einem Dauerticket von 298,1 Millionen auf 354,8 Abonnenten in 2025. Auch wenn das subventionierte Ticket oftmals nur teurere Aboformen ablöste, brachte der Zuwachs dem Betrieb mehr Kundenfahrten und Erlös ein. Doch der Erlös verpufft. So kompliziert das Abrechnungssystem zwischen Fördergeldgebern und den Verkehrsbetrieben auch ist, es lässt sich auf die einfache Formel bringen: Steigen die Erlöse, sinken entsprechend die Bezuschussung für den Betrieb. Das den KVB dadurch unternehmerischer Handlungsspielraum genommen wird, hatte Haaks bereits in einem Interview mit der Rundschau beklagt.

Grafik Fahrgastzahlen KVB

Wie steht es um die Betriebsqualität?

 Das es in 2025 mehr Kundenfahrten gab als in den vergangenen fünf Jahren, dafür zeigt sich Haaks dankbar – zumal das vor dem Hintergrund „einer nach wie vor noch nicht zufriedenstellenden Betriebsqualität“ geschehen sei. Will sagen: Die KVB kämpfen immer noch mit einem leicht ausgedünnten Fahrplan bei den Stadtbahnen sowie mit Ausfällen und Verspätungen. Jedoch beruhen diese nun nicht mehr auf Personalmangel. Der Stellenplan im Fahrbetrieb ist mit über 100 Prozent mittlerweile sogar übererfüllt. Doch es gibt weiterhin „eine unbefriedigende Fahrzeug-Verfügbarkeit“, so nennt es die KVB-Chefin. Wie schon mehrfach berichtet, steht die Lieferung von über 90 neuen Niederflurbahnen durch den Hersteller Alstom aus. Mittlerweile wird mit einer ersten Marge im Jahr 2029 gerechnet , was ein Verzug von sechs Jahren wäre. Zur Überbrückung müssen alte Bahnen flott gemacht werden – unter Inkaufnahme aller dadurch bedingen Unzulänglichkeiten. Dennoch gibt es im Fuhrpark Lichtblicke: 78 neue E-Busse wurden bestellt, von denen die ersten im Oktober dieses Jahres nach Köln kommen sollen. Überhaupt, auf den Buslinien sind alle Einschränkungen wieder aufgehoben. Zudem: Das Unternehmen Stadler hat den Zuschlag für 132 neue Hochflurstadtbahnen erhalten. 2029 sollen davon die ersten geliefert werden.

Wie steht es um die Sicherheit für Kunden?

Bei diesem Thema betont die Vorstandsvorsitzende immer wieder, dass die KVB vorrangig einen Beförderungsauftrag haben. Um dennoch den massiven Problemen durch einer vom Suchtmittel Crack getriebene Drogenszene zu begegnen, hat der Betrieb ein Sicherheitskonzept aufgesetzt. Darin integriert sind gemeinsame Kontrollgänge der KVB-Sicherheitskräfte mit der Polizei und mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes an den Brennpunkthaltestellen in der Innenstadt. Dabei wurden in 2025 allein im U-Bahnbereich der Brennpunkte rund 1700 Verstöße gegen die dort geltenden Regeln geahndet. Darunter fielen in 765 Fällen das Fahren ohne gültigen Fahrausweis. Haaks schreibt an dieser Stelle nochmals Politik und Stadt ins Stammbuch, dass die 1,5 Millionen Euro, die das Sicherheitskonzept jährlich kostet, von den KVB alleine getragen werden: „Geld, das wir an anderer Stelle herausschwitzen müssen.“ Für 2027 ist die Finanzierung noch nicht gesichert. Ein anderes Konfliktfeld für KVB und Stadt ist die U-Bahnhaltestelle Appellhofplatz. Der Verkehrsbetrieb will diese ab kommenden April nachts verschließen, damit dort nicht weiterhin Obdachlose und Süchtige teils in den Tunneln, teils unter der Bahnsteigkante nächtigen. Haaks will das eigentlich nur dann tun, wenn die Stadt diese Maßnahme mit Hilfsangeboten für die Bedürftigen flankiert. Die sind aber noch nicht in Sicht.

Werden die KVB dennoch die Rolltore runterfahren?

 „Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir schließen müssen“, sagt Haaks mit Blick auf die Gefahren für Leib und Leben. Wo wollen die KVB in Zukunft hin? Auch wenn die aktuellen Bedingungen nicht dafür sprechen: Haaks ruft das Ziel aus: „ 300 Millionen Kundenfahrten in 2035.“ Doch dafür muss die Kapazität geschaffen werden. „Ich gehe davon aus, dass wir bis dahin auf der Nord-Süd Stadtbahn durchfahren können“, sagt Haaks. Das bedeutet, die Sanierungsbaustelle an der Einsturzstelle des ehemaligen Stadtarchives am Waidmarkt muss schon im Vorfeld beendet sein. Zudem müsse die Ost-West-Achse zwischen Heumarkt und Aachener Straße dann provisorisch ausgebaut sein. Das Provisorium soll den Bau eines neuen Stadtbahntunnels flankieren. Auch auf Stadtbahnlinien 4, 13 und 18 sollten bis 2035 längere Bahnen fahren können.