Gründe zum Feiern gab es reichlich beim Festakt der Kölner FDP. Wäre da nicht „die Welt aus den Fugen geraten“.
Festakt in KölnFlammender Appell bei Kölner FDP: „Demokratie ist gefährdet“

Bundesfinanzminister Christian Lindner sprach beim Festakt zu 75 Jahre FDP-Fraktion im Rat der Stadt Köln
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Es ist viel passiert. Zu erzählen gibt es so manches. Von Putschversuchen in Brauhäusern, von Oberbürgermeistern, über die das Los entschied. 75 Jahre FDP im Kölner Stadtrat sind voll von solchen launigen Geschichten.
Aber es ist nicht die Zeit, um allein in Erinnerungen zu schwelgen. Nicht für Gerhart Baum, ehemaliger Bundesinnenminister und Urgestein der Kölner Liberalen, der vor wenigen Tagen 91 Jahre alt geworden ist und damit wohl alles Recht dazu hätte. Und erst recht nicht für den amtieren Bundesfinanzminister Christian Lindner, der sich qua Amtes nicht mit Vergangenem begnügen darf. Der Festakt zum Parteijubiläum im Stiftersaal des Wallraf-Richartz-Museums wurde vielmehr Aufruf, der Demokratie den Rücken zu stärken, als Rückblick.
Mit Klauen und Zähnen
„Die Welt ist aus den Fugen geraten“, ruft Baum in den Saal. Noch nie habe er so einen massiven Antisemitismus erlebt wie jetzt. „Die Demokratie ist in Deutschland gefährdet. Wir müssen sie mit Zähnen und Klauen verteidigen“, sagt der ehemalige Bundesinnenminister (1978 bis 1982) mit Nachdruck. Gastredner Lindner formuliert es als Regierungsmitglied nicht ganz so kämpferisch, aber nicht weniger deutlich. „Auch ich bin empört, wenn die barbarischen Akte der Hamas auf unseren Straßen gerechtfertigt werden.“ Deutschland habe es denen zu leicht gemacht, ins Land zu kommen, die soziale Vorteile ausnutzen wollten. Dafür aber denen zu schwer, die wirklich Sicherheit benötigten und als qualifizierte Fachkräfte gesucht seien. „Das müssen wir umkehren“, so Lindner.
Niemals erreiche die Demokratie einen Status, auf dem sie sich ausruhen könne, ist sich der Minister sicher. Würde und Freiheit sei ihr Grundwesen. „Das bleibt verpflichtend.“ Niemals dürfe der demokratische Wettbewerb umschlagen in Feindschaft. „Mit CDU, SPD und Grünen kann ich gut leben“, sagt Lindner. Die, die er nicht erwähnt, zählen damit wohl zu denen, die aus seiner Sicht Feindschaft säen.
„Autoritative Versuchungen“
Zwei Blicke zurück gönnt sich der Bundesfinanzminister dann doch - aber nur, um zu verdeutlichen, wie schnell die Demokratie in schwere See geraten kann. Aus der Spiegel-Affäre unter Franz-Josef Strauß leitet Lindner ab: Für Staat und Regierung möge es nicht bequem sein, eine freie Presse zu haben. Ums so mehr sei sie unerlässlich. Und in der Corona-Pandemie habe es bei einigen Regierenden „autoritative Versuchungen“ gegeben.