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FoodsharingDie App „ResQ Club“ bietet übrig gebliebene Speisen an

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Bevor der Salat am Ende des Tages weggeschmissen wird, wird er für die Hälfte des Preises in der „ResQ Club“-App angezeigt.

Bevor der Salat am Ende des Tages weggeschmissen wird, wird er für die Hälfte des Preises in der „ResQ Club“-App angezeigt.

Köln – Fast zwei Millionen Lebensmittel wandern in deutschen Gastronomiebetrieben jährlich in die Tonne. Wie kann das sein? „Wir bemühen uns, so gut zu kalkulieren wie möglich. Aber man kann nie genau sagen, wie viel man tatsächlich verkauft“, sagt Ibrahim Kistak, Inhaber des Café „Wndrfuel“ auf der Zülpicher Straße. Was übrig bleibt, nehmen seine Mitarbeiter mit nach Hause – oder es wird weggeschmissen. „Leider. Denn wir haben in Deutschland strenge Vorschriften, was die Mindesthaltbarkeit angeht.“

Restliche Lebensmittel für Kunden

Eine App bietet nun eine Lösung an: Café- und Restaurantbetreiber können bei „ResQ Club“ Speisen und Lebensmittel einstellen, die nach dem Mittagsgeschäft oder am Ende des Tages übrig bleiben. Der Kunde kann diese online bestellen und im Anschluss dort abholen – und zahlt 40 bis 70 Prozent weniger für die Mahlzeit. Bezahlt wird über die App. In der Sprache der Entwickler „kaufen“ die Kunden das Essen aber nicht – sie „retten“ es.

Das Konzept wurde Anfang 2016 in der finnischen Hauptstadt Helsinki entwickelt, mittlerweile gibt es die „Essensretter“ in sieben Ländern. Seit dieser Woche ist die App auch in Köln online. „Wir wachsen sehr schnell. 40 Gastronomiebetriebe sind in Köln schon dabei“, so Kristin Holm, die hiesige „ResQ“-Marketingmanagerin. Momentan sind die meisten Lokale in der Innenstadt, Ehrenfeld und Sülz, auch Ketten wie „Supasalad“ oder „Woyton“ haben sich angeschlossen.

Café-Betreiber glaubt an Sharing-App

Einer, der ebenfalls seine „Reste“ anbietet“, ist Café-Betreiber Kistak. „Wir achten bei unseren Produkten sehr auf Nachhaltigkeit, deshalb passt die App gut in unser Konzept“, erklärt er seine Motivation. In den ersten Tagen haben bisher nur wenige Kunden das Angebot genutzt, nach Ladenschluss eine Ziegenkäse-Stulle oder einen Chia-Pudding für den halben Preis im „Wndrfuel“ abzuholen – er glaubt dennoch an einen Erfolg: „Das ist eine echte Nische. Sowohl für uns als auch für den Kunden ist es ein Gewinn.“ Er selbst profitiere vom kostenlosen Marketing und bekommt im besten Fall noch den Warenwert heraus.

App-Entwickler bekommen Provison

Auch „ResQ“ geht nicht leer aus: Die Macher bekommen pro verkauftem Essen eine Provision. „Aber der Nachhaltigkeitsgedanke steht klar im Vordergrund“, sagt Kristin Holm. 150 000 Essen habe man im vergangenen Jahr schon vor der Mülltonne retten können. Eine Konkurrenz zur Tafel stelle man damit nicht dar, sagt sie: Die täglich unterschiedlichen Kleinstmengen bei den einzelnen Betrieben abzuholen, sei für die Tafel rein logistisch gar nicht möglich.

www.resq-club.com

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